Peripherer venöser Gefäßverschluss: Tiefe Beinvenenthrombose

Peripherer venöser Gefäßverschluss: Tiefe Beinvenenthrombose#

Eine tiefe Beinvenenthrombose ist eine Verstopfung einer tiefen Beinvene durch ein Blutgerinnsel (Thrombus[1]).

Ursächlich für die Bildung eines Blutgerinnsels ist meistens eine verminderte Blutflussgeschwindigkeit bzw. Rückstau, eine Verminderung des flüssigen Anteils des Blutes oder eine gesteigerte bzw. krankhafte Neigung zur Bildung von Blutgerinnsel. Die venöse Insuffizienz ist ein weit verbreitetes chronisches Leiden. Es kommt dabei zu einem Rückfluss von Blut und Aussackungen von Venen, welche im fortgeschrittenen Stadium als hässliche Krampfadern deutlich sichtbar sind. Schuld sind oft insuffiziente Venenklappen, stehende bzw. sitzende Tätigkeiten und fehlende Bewegung.

ABCDE#

Es finden sich evtl. Hinweise auf Bettlägrigkeit oder stattgehabte Reisen (Koffer, …).

Evtl. fällt eine Schwangerschaft auf.

Schmerzen in der betroffenen Extremität.

Die betroffene Extremität ist schmerzhaft, oft überwärmt, und eher rötlich-bläulich-violett (livide) verfärbt. Manchmal sind diese Zeichen nicht sehr ausgeprägt. In der Regel ist nur eine Extremität betroffen, d. h. die Symptome sind nur auf einer Seite zu finden.

SAMPLER#

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Siehe ABCDE.

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Eventuell wurden gerinnungshemmende Medikamente (“Blutverdünnung”: Thrombosespritzen, Marcoumar, …) verschrieben. Eventuell wurden diese nicht oder fehlerhaft genommen.

🄿

Eventuell sind Krampfadern (Varizen) bekannt. Eventuell sind Gerinnungsstörungen bekannt (z. B. Thrombophilie, Faktor-V-Leiden-Mutation, …). Weiters sind Tumorerkrankungen oder eine Schwangerschaft zu nennen.

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Eventuell ist ein vorangehender Spitalsaufenthalt, welchem eine Immobilsation folgte, erhebbar (Operationen, …).

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Verdächtig sind ausgedehnte stehende oder sitzende Tätigkeiten (Reisen, …) und Bettlägrigkeit, siehe 🅁.

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Problematisch sind insuffiziente Venenklappen, stehende bzw. sitzende Tätigkeiten und fehlende Bewegung. Eine länger dauernde Immobilisation oder Bettlägrigkeit sind demnach wesentliche Risikofaktoren, darunter fallen auch lange Reisen ohne Bewegung: So werden Thrombosen aufgrund von langen Flugreisen auch scherzhaft als Economy class Syndrome bezeichnet. Erschwerend wirkt sich auch eine unzureichende Flüssigkeitsaufnahme aus, da dann der flüssige Anteil des Blutes vermindert sein kann und das Blut folglich dickflüssiger wird. Ein besonderer Risikofaktor ist der Zigarettenkonsum. Die Einnahme von hormonellen Verhütungsmitteln (Pille) erhöht zusammen mit Zigarettenkonsum das Thromboserisiko drastisch. Ebenso erhöht eine bereits stattgehabte Thrombose das Risiko, wieder eine Thrombose zu bekommen. Im Rahmen einer Schwangerschaft oder von Erkrankungen, z. B. Tumorerkankungen, kann das Gerinnungsystem gestört sein, wodurch es zu Thrombosen kommen kann. Außerdem können Erkrankungen des Gerinnungssystems (P) erhebliche Risikofaktoren darstellen.

Gefahr#

Es kann zu einer Loslösung von Teilen des Thrombus kommen, dieser losgelöste Teil wird Embolus genannt. Mit dem Blutstrom gelangt der Embolus über die Hohlvenen in das rechte Herz. Bis hierhin gibt es noch keine Probleme, da die Blutgefäße an Dicke zunehmen. Vom rechten Herzen gelangt der Embolus in den Lungenkreislauf (Lungenarterien). Hier verzweigen sich die Gefäße wieder und der Durchmesser wird kleiner. Dies führt dazu, dass der Embolus irgendwann zu groß ist und stecken bleibt. Dadurch wird nun ein Lungengefäß verstopft und ein Teil der Lunge nimmt nicht mehr am Gasaustausch teil: Es entsteht eine Lungenembolie.

Die Economyclass. Sorgsam geschlichtet verbringen Menschen hier Stunden damit, Thrombosen zu basteln. Sebastian Gabriel Die Economyclass. Sorgsam geschlichtet verbringen Menschen hier Stunden damit, Thrombosen zu basteln. Sebastian Gabriel
Thromboseprophylaxe. Niedermolekulares Heparin (hier Lovenox™) verhindert Thrombosen die z. B. durch lange Immobilisation (Reisen, Bettlägrigkeit, Gips, …) entstehen können. Die Substanz wird unter die Haut ("subkutan") gespritzt. Sebastian Gabriel Thromboseprophylaxe. Niedermolekulares Heparin (hier Lovenox™) verhindert Thrombosen die z. B. durch lange Immobilisation (Reisen, Bettlägrigkeit, Gips, …) entstehen können. Die Substanz wird unter die Haut ("subkutan") gespritzt. Sebastian Gabriel
Eine Venenthrombose kann eine Embolie auslösen. Lena Hirtler Eine Venenthrombose kann eine Embolie auslösen. Lena Hirtler

Fig. 147 Bilderserie: Thrombose#

Maßnahmen: Tiefe Beinvenenthrombose#

⛑ Basismaßnahmen
  • Lagerung: liegend, betroffenes Bein hochlagern

  • Bewegungsverbot (Emboliegefahr!)

  • Auf Zeichen einer Lungenembolie achten (vgl. Lungenembolie)

🕏 Pharmakotherapie
  • Antikoagulation

    • Nieder-molekulares Heparin (LMWH), z. B.: Enoxaparin (Lovenox™) 1 mg / kg KG 2 ⨉ tgl. s. c.

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      Zu tun

      #86 neu: Glossar: "Anti-Xa"

      CriticalCareClubAustria/Ccca-Kompendium#86