Inhalationsanästhetika (VIA)#

Inhalationsanästhetika werden über die Lunge aufgenommen und auch wieder eleminiert.

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Fig. 187 Sevofluran-Flaschen#

Verstärken die inhibitatorische Funktion und dämpfen die Erregungsübertragung an den Synapsen durch Störung der Ionenkanäle.

Meyer-Overton-Regel

Die Potenz des VIA ist proportional zu seiner Lipophilie.

Ferguson Regel

Der Dampfdruck ist umgekehrt proportional zur biologischen Wirksamkeit, substanzspezifisch und temperaturabhängig. Je höher der Dampfdruck, umso weniger anästhetische Potenz hat ein VIA.

Blut-Gas-Verteilungskoeffizient (BGVK)

Löslichkeit des VIA im Blut

12 Methoxifluran > 2,3 Halothan > 1,4 Isofluran > 0,65 Sevofluran > 0,47 Lachgas > 0,46 Desfluran

Dh. Je höher die Blutlöslichkeit/BGVK, umso mehr VIA kann das Blut aufnehmen, und das verlängert die Narkoseeinleitung und Ausleitungszeit. (Je höher die inspirat. Konzentration umso rascher)

Second Gas Effekt

Kombination mit Lachgas bewirkt eine raschere Anflutung, da Lachgas rasch diffundiert und eine hohe Konzentration von Sevo in der Alveole hinterlässt = raschere Diffusion.

MAC

minimale alveoläre Konzentration = Konzentration, bei der 50 % der Patienten keine Reaktion auf einen chirurgischen Hautschnitt zeigten. Summation bei Kombination mit Lachgas! (0,75 Lachgas +0,75 Sevo = 1,5 effektiver MAC)

  • Erhöhung bei: Hyperthermie, Säuglingen, Hypernatriämie, Alkoholikern, Drogensüchtigen, MAOH

  • Erniedrigung bei: Hypothermie, Senium, Schwangerschaft, Kombination mit iv. Anästhetika od. Sedierung, Lithium, herzkranke Patienten, Sepsis,…

Bei VIA verhindert ein BIS-Monitoring keine Awareness. Zur Überwachung der Narkosetiefe wird MAC herangezogen!

Die Aufnahme eines VIA ist abhängig vom BGVK, HMV und der alveo/venösen Partialdruckdifferenz. Siedepunkt bei Raumtemperaur 22,8°C Desfluran, Sevofluran 58,5°C, Lachgas -88°C.

Gefahr

Triggersubstanz für Maligne Hyperthermie!

Bei VIA verhindert ein BIS-Monitoring keine Awareness Citation needed. Zur Überwachung der Narkosetiefe wird MAC herangezogen!

Gemeinsame Eigenschaften volatiler Anästhetika#

Reduktion des MAP (senken syst. Gefäßwiderstand), Sensitivisieren das Myokard gegenüber Adrenalin!

Als kardioprotektiv gilt Sevofluran und Desfluran = öffnen ATP-unabhängige Kaliumkanäle der Mitochondrien, stabilisieren den Kalziumhaushalt, und die mitochondriale Funktion der Herzmuskelzelle bei MAC > 1.

ZNS-Effekte

reversible Depression der Gehirnfunktion mit Bewusstseinsverlust;

Entkoppeln den cerebralen Blutfluss von der cerebralen Metabolisierungsrate = herabgesetzte CMR + gesteigerter CBF (durch erhöhte Empfindlichkeit auf CO₂) = erhöhter ICP (Autoregulationsmechanismus ist außer Kraft gesetzt)

Im EEG zuerst Frequenz und Amplitudensteigerung (Exzitationsstadium) und ab 1 MAC Verlangsamung.

BIS verhindert keine Awareness unter volatilen Anästhetika.

Isofluran und Sevofluran sind nach einer TIVA am besten für die Neurochirurgie geeignet, da bis 1 MAC die Autoregulation erhalten bleibt, und es nur zu einer schwachen zerebralen Vasodilatation kommt.

Renale Effekte

Beeinflussung sekundär hämodynamisch, endokrin, übers autonome NS, oder direkt durch Fluoridionen (high output renal failure)

Halothan-Hepatitis und Nierenschädigung durch das Abbauprodukt Trifluoracetische Säure TFA, welche auch theoretisch bei Sevofluran und Enfluran toxische Konzentrationen erreichen kann. Entscheidend ist die OP-Dauer.

Bei Sevofluran wurde nie eine Verschlechterung der Nierenretentionswerte festgestellt.

Hepatische Effekte

Halothan-Hepatitis wurde nicht nur durch TFA, sondern auch durch reduzierten hepatischen Blutfluss und erhöhtem VO₂ der Leber verursacht.

Stickoxydul (Lachgas, N₂O)#

Stickoxydul ist ein inhalatives Anästhetikum mit einem Blut-Gas-Verteilungskoeffizienten von etwa 0,47 und dadurch raschem An- und Abfluten. Es wirkt analgetisch, jedoch nur schwach anästhetisch und besitzt keine muskelrelaxierende Wirkung, weshalb es als Monosubstanz nicht ausreichend ist.

Als Zusatzanästhetikum führt es zu einer Wirkverstärkung und Dosisreduktion anderer i.v.- und inhalativer Anästhetika, wirkt jedoch ausgeprägt emetisch. Speziell bei Patienten mit hoher Opiat-Toleranz (Suchtpatienten) eignet es sich gut, um Opiate zu sparen bzw. um überhaupt eine analgertische Wirkung zu erreichen. Stickoxydul erhöht den intrakraniellen Druck und wird daher in der Neurochirurgie nicht eingesetzt.

Auf den meisten Narkosemaschinen wird Lachgas anstatt Raumluft zum Sauerstoff zudosiert, die Lachgas-Konzentration ist daher durch die FiO₂ limitiert.

Besonderheiten
  • Diffusion in gasgefüllte Hohlräume (≈ 30-fach höhere Löslichkeit als Stickstoff)

    • Volumenexpansion und Druckanstieg in Hohlräumen

    • Cave Cuffdruck!

Kontraindikationen
  • Erhöhter intrakranieller Druck

  • Ileus

  • Pneumothorax

  • Mediastinalemphysem

  • Laparoskopie

  • Thympanoplastik

  • Augenoperationen

  • Erhöhter Cuffdruck

  • Schwangerschaft (teratogen)

Halothan#

Halothan ist ein flüchtiges Anästhetikum mit einem Blut-Gas-Verteilungskoeffizienten von etwa 2,3. In Österreich ist es klinisch obsolet und wird vor allem noch für experimentelle Zwecke, insbesondere in der Diagnostik der malignen Hyperthermie, verwendet.

Halothan sensibilisiert das Myokard gegenüber Katecholaminen und kann dadurch Rhythmusstörungen auslösen.

Isofluran#

(Forene®)

Isofluran ist ein flüchtiges Anästhetikum mit ausgeprägt hypnotischer, jedoch geringer analgetischer Wirkung. Aufgrund eines unangenehmen Geruchs (Lösungsmittelzusatz) ist es für die Maskeneinleitung ungeeignet.

Isofluran erhöht den intrakraniellen Druck und ist daher bei Patienten mit erhöhtem Hirndruck kontraindiziert. Eine Anwendung im Rahmen der Herz-Lungen-Maschine ist nicht möglich, da Membranen durch Isofluran geschädigt werden können.

Wirkungen
  • Ausgeprägt hypnotisch

  • Keine relevante Analgesie

Unerwünschte Wirkungen
  • Kardiovaskulär

    • Blutdruckabfall (dosisabhängig)

    • Herzfrequenzabnahme

  • Respiratorisch

    • Atemdepression

  • Renal

    • Verminderte Nierendurchblutung

    • Verminderte glomeruläre Filtrationsrate

    • Verminderte Diurese (dosisabhängig)

Kontraindikationen
  • Maligne Hyperthermie

  • Erhöhter intrakranieller Druck

  • Halothanassoziierter Leberschaden

Desfluran#

(Suprane®)

Desfluran ist ein flüchtiges Anästhetikum mit sehr geringer Blutlöslichkeit, was zu einer ausgezeichneten Steuerbarkeit sowie einem schnellen An- und Abfluten führt.

Der niedrige Siedepunkt von etwa 22 °C bedingt einen hohen Dampfdruck, weshalb spezielle Vaporisatoren erforderlich sind.

Aufgrund des stechenden Geruchs und der schleimhautreizenden Wirkung ist Desfluran für die Maskeneinleitung ungeeignet.

Es führt zu einer Erhöhung des intrakraniellen Drucks und ist daher bei Patienten mit erhöhtem Hirndruck kontraindiziert. Weitere Kontraindikationen sind schwere Leberschäden sowie die maligne Hyperthermie.

Kardiovaskulär wirkt Desfluran negativ inotrop und kann bei der Einleitung einen Anstieg der Herzfrequenz sowie einen Blutdruckabfall verursachen. Ein Coronary-steal-Syndrom ist möglich.

Aufgrund der pharmakokinetischen Eigenschaften wird Desfluran bevorzugt bei adipösen Patienten, insbesondere bei bariatrischen Eingriffen, eingesetzt.

Unerwünschte Wirkungen
  • Sympathikusaktivierung bei höheren Konzentrationen

    • Tachykardie

    • Blutdruckanstieg

Sevofluran#

Sevofluran ist ein flüchtiges Anästhetikum mit geringer Blutlöslichkeit und dadurch guter Steuerbarkeit. Aufgrund des angenehmen Geruchs und der fehlenden Schleimhautreizung ist es gut für die Maskeneinleitung geeignet.

Der Blut-Gas-Verteilungskoeffizient beträgt etwa 0,65.

Sevofluran kann durch Bildung von Compound A sowie anorganischen Fluoriden potenziell nephrotoxisch wirken.

Wirkungen
  • Negativ inotrop

  • Leichte Bronchodilatation

Unerwünschte Wirkungen
  • Delirante Zustände, insbesondere bei Kindern

  • Uterusatonie in höheren Dosen (> 0,5 MAC)

Kontraindikationen
  • Maligne Hyperthermie

  • Vorsicht bei Sectio caesarea

  • Vorsicht bei schwerer Niereninsuffizienz

Xenon#

Xenon ist ein inertes Edelgas mit anästhetischen Eigenschaften. Es zeichnet sich durch eine sehr gute Steuerbarkeit und stabile Hämodynamik aus.

Aufgrund der hohen Kosten wird es in der klinischen Praxis nur selten eingesetzt.