4.4.1. Basics und Physiologie der Beatmung#
Bei Vorliegen einer Ateminsuffizienz[1]) kann eine künstliche Beatmung durchgeführt werden. Dabei wird die Atmung des Patienten künstlich durch geeignete Hilfsmittel ersetzt oder ergänzt. Es handelt sich i. d. R. um eine Überdruckbeatmung[2], d. h. es wird mit Druck Luft in die Atemwege des Patienten gepumpt. Im Unterschied dazu wird bei der natürlichen Atmung Luft mit Unterdruck durch den Patienten eingesogen. Man unterscheidet zwischen einer kontrollierten und einer assistierten Beatmung.
Bei der kontrollierten Beatmung wird die gesamte Atmung künstlich aufrecht erhalten; hingegen bei der assistierten Beatmung hat der Patient eine eigene Spontanatmung, die aber nicht ausreichend ist (zu langsam oder zu seicht). Man unterstützt dabei die Atembemühungen des Patienten, indem man zusätzliche oder tiefere Atemhübe (mittels Druckunterstützung) verabreicht.
Wichtig
Der wesentliche Unterschied zwischen der physiologischen und der künstliche Beatmung sind die Druckverhältnisse: Während bei der physiologischen Atmung die Luft eingesogen wird (negativer Atemwegsdruck), erfolgt bei der künstlichen Beatmungn der Gasfluss durch einen Überdruck.
Die Basics#
Die physiologische Atmung funktioniert nach dem Unterdruck-Prinzip, es wird Luft vom Patienten eingesogen. Die künstliche Beatmung hingegen ist grundsätzlich eine Überdruck-Beatmung. Mittels Druckdifferenz (Δp, Driving Pressure) zwischen dem Innenraum (Lunge) und dem Außenraum (Beatmungsgerät) wird ein Gasfluss (Flow) erzeugt. Um die Beatmung grundlegend zu kontrollieren bedient man sich folgender Parameter:
- Frequenz \(f\)
der Atemzyklen, auch AF oder engl. RF.
Ist abhängig vom Alter und absoluten KG (z.B. Mann mit 180cm/50 kg hat herabgesetzte AF), Temperatur, CO₂-Produktion (Sedierung reduziert CO₂-Produktion im Gehirn daher AF erniedrigt!)
- I:E-Verhältnis
Dauer von Inspiration (I, Inspirationszeit) und Exspiration (E, Exspirationszeit).
Faustregel: Eine Verlängerung der Inspirationszeit verlängert Verbessert die Oxygenierung (IRV).
- Flow
Fluss im Verlauf des Atemzyklus
- Volumen (V)
ergibt sich aus Flow über die Zeit
- Druck
im Verlauf des Atemzyklus
- Compliance
Dehnbarkeit der Lunge
- Resistance
Atemwegswiderstand
Die Compliance bzw. Resistance spiegeln im Wesentlichen die gegebenen Eingenschaften des Gewebes und des Atemwegs wider.
Essentiell ist das Verständnis, dass die Parameter miteinander in Verbindung stehen und sich gegenseitig beeinflussen:
Die Frequenz limitiert die Zeiten für Inspiration und Exspiration
Druck, Volumen und Compliance stehen miteinander in Beziehung: Eines davon ist immer der Freiheitsgrad, der sich aus den anderen Beiden ergibt.
Bei gegebener Compliance und gewähltem Zielvolumen (und Flow) ergeben sich gewisse Druckverhältnisse (Wahl: Volumen, Freiheitsgrad: Druck)
Bei gegebener Compliance und gewähltem Druck ergibt sich ein Volumen (Wahl: Druck, Freiheitsgrad: Volumen (und Flow))
Unterscheidung nach Prinzip#
- Support
Auch Breath to breath support: Jeder getriggerte Atemzug des Patienten wird vom Respirator durch positiven Druck unterstützt, z. B. mittels Flowtrigger: normalerweise 2 l / min → Wenn der Patient > 2 l / min einatmet bekommt er eine Druckunterstützung → Entscheidend ist die Einatemgeschwindigkeit! Alternativ kann auch ein Drucktrigger oder eine elektrische Ableitung der Zwerchfellmuskulatur zum Erkennen von Atemanstrengungen angewandt werden.
PSV, ASB, PPS, NAVA z.B. bei COPD
- Augmentation
Intermittierende maschinelle Atemhübe zur Augmentation des AMV mit simultaner Spontanatmung, der spontane Atemhub erfährt keine Druckunterstützung):
BIPAP, APRV, SIMV
z.B. bei ARDS, intraoperativ bei Eingriffen ohne Relaxierung möglich (Voraussetzung: keine Lungenpathologie, kreislaufstabil, temperaturstabil)
- Kontrollierte Beatmung
PCV, PCV-VG, VCV, VCV-VG, CMV, IPPV, CPPV
Das PEEP-Ventil sorgt für einen positiven Druck am Ende der Ausatmung#
PEEP steht für Positive End-Exspiratory Pressure (positiver end-exspiratorischer Druck), d. h. positiver Druck in den Atemwegen (auch) am Ende der Ausatmungsphase.
Der PEEP sorgt dafür, dass am Ende der Ausatmungsphase (Exspiration) der Druck in den Atemwegen nicht auf 0 absinkt, sondern stattdessen ein positiver Druck aufrecht erhalten wird. Dadurch wird das Zusammenfallen der Alveolen verhindert.
Der PEEP liegt physiologisch bei 5–10 mm Hg in der Trachea nach Expiration, durch einen Tubus wird dieser jedoch verhindert. Der PEEP verschiebt VT nach oben (red. IRV) und hebt damit die FRC AZV → Totraumventilation (va. bei AF > 30/min) und Frischluftventilation! Die Höhe des erforderlichenPEEPs richtet sich nach der Hämodynamik, KG, Lagerung des Patienten!
Fig. 37 PEEP-Ventil#
© Ch. Pallinger ℓ MfG
Ein PEEP kann mittels eines PEEP-Ventils erreicht werden. Es wird dabei auf die Ausatemöffnung des Beatmungsbeutels bzw. Beatmungsschlauches aufgesteckt. Durch Drehen der Kappe kann der gewünschte PEEP eingestellt werden. Die Einstellung kann an der angebrachten Skala abgelesen werden[3]. Es gibt PEEP-Ventil-Produkte sowohl als Einweg-, als auch als Mehrwegmaterial![4] Bei der Maskenbeatmung ist zu beachten, dass der PEEP nur erreicht werden kann, wenn das Beatmungssystem luftdicht ist. Sobald die Maske nicht mehr dicht aufsitzt, verliert das PEEP-Ventil seine Wirkung, da die Ausatemluft unkontrolliert über die Leckage entweichen kann.
Bemerkung
Das PEEP-Ventil sorgt für einen positiven Druck am Ende der Ausatmung.
FiO₂#
Toxische Sauerstoffwirkung bei > 0,4 FiO₂
Erhöht Sauerstoffradikale mit erhöhter Permeabilität/Ödem, Zerstört Surfactant, aktiviert Makrophagen und Granulozyten, Stört Zilienfunktion.
Resorbtionsatelektasen bei hohem paO₂ in der Alveole = viel O₂ geht ins Blut, der Partialdruck der in der Alveole verbleibt ist unter dem hydrostatischen Druck der Umgebung = Atelektase.
Erweiterte Beatmungsparameter#
- RAMPE
Normalerweise 0,2 sec; Ziel ist eine vollständige Inspiration in der Inspirationszeit mit kurzer NO-Flowphase vor Exspiration. Bei zu raschem Anstieg kann es zu reflektorischem Pressen mit hohem Spitzendrücken kommen.
Eskalationsstrategie#
Atemtherapie und pharmakologische Therapie
Triflow, physikalische Therapie
Bronchodilatatoren
Sekretolytika
Antiinflammation
NIV mit CPAP
NIV mit CPAP und Druck-Support
Intubation:
erhaltene Spointanatmung: PSV/ASB, ASV, BIPAP + ev. IRV
kontrollierte Beatmung: BIBAP, PCV, PCV-VG; VCV nur in besonderen Fällen (Hirndruck!)
Steigende Verzweiflung:
Lagerungstherapie (Bauch-, Seitenlage)
NO-Inhalation
ILA
ECMO