Einfache Ⓐ-Maßnahmen#

Sobald der Atemweg gefährdet ist oder eine Atemwegsverlegung bemerkt wird, müssen sofort Maßnahmen eingeleitet werden, die die Atemwege frei machen und frei halten sollen. Bei einer Verlegung der Atemwege durch Flüssigkeiten bietet sich die Absaugung an. Um einer Verlegung durch ein Herabsinken der Zunge zu vermeiden, gibt es folgende einfache Möglichkeiten:

  • Überstrecken des Kopfes

  • Esmarch-Handgriff Vorschieben des Unterkiefers und Anheben des Kinns

  • Stabile Seitenlage

Daneben gibt es erweitere Techniken, welche zur Atemwegssicherung verwendet werden können (Guedel-Tubus, Intubation, …).

Fremdkörperentfernung#

Abhängig von der Lokalisation des Fremdkörpers kann eine Fremdkörperentfernung am einfachsten enoral unter Sicht erfolgen, häufig sind jedoch erweiterte Techniken notwendig. Dies umfasst die Laryngoskopie (obere Atemwege), ggfs. unter Zuhilfenahme von Instrumenten, wie der Magill-Zange, oder auch Methoden wie die Bronchoskopie (untere Atemwege). Ist selbst die bronchoskopische Entfernung nicht möglich, kann auch ein operativer Eingriff notwendig sein.

Kopflagerung: Kopf überstrecken, Kinn anheben#

Zum Überstrecken des Kopfes und Anheben wird die Hand auf die Stirn des Patienten gelegt und der Kopf leicht überstreckt, dabei werden die Fingerspitzen der anderen Hand unterhalb des Kinns platziert und heben dieses leicht an.

Gefahr

Bei Trauma-Patienten, bei denen die Möglichkeit einer HWS-Verletzung besteht, darf der Kopf nicht überstreckt werden, sofern es alternative Möglichkeiten zur Atemwegssicherung gibt.

Bei Säuglingen und Kleinkindern kommt es infolge unterschiedlicher anatomischer Verhältnisse zu einer Verlegung der Atemwege bei Überstreckung des Kopfes. Stattdessen muss der Kopf in Neutralposition gelagert werden.

Kinn anheben Kinn anheben
Rein mechanisch funktioniert auch diese Konstruktion, dennoch können zweckentfremdete Hilfsmittel zu Verletzungen oder Druckstellen führen. Wer Medizinprodukte außerhalb ihrer Zulassung verwendet, haftet als "Hersteller" vollumfänglich! (Druckstellen!) Rein mechanisch funktioniert auch diese Konstruktion, dennoch können zweckentfremdete Hilfsmittel zu Verletzungen oder Druckstellen führen. Wer Medizinprodukte außerhalb ihrer Zulassung verwendet, haftet als "Hersteller" vollumfänglich! (Druckstellen!)

Fig. 7 Manchmal reicht das simple Anheben des Kinns. [© Sebastian Gabriel ℓ MfG]#

Esmarch-Handgriff#

Der Esmarch-Handgriff verstärkt den Effekt des Überstreckens des Kopfes. Der Helfer befindet sich hinter dem Kopf des Patienten und platziert seine Finger 2—5 am Ende des Unterkiefers am Kieferwinkel und den Daumen am vorderen Bereich des Unterkiefers. Durch auf- und vorwärtsgerichteten Druck der Finger am Kieferwinkel kann der Unterkiefer nach oben und vorn geschoben werden, der Daumen öffnet durch sanften Druck auf das Kinn vorsichtig den Mund.

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Fig. 8 Esmarch-Handgriff [© Lena Hirtler, ℓ MfG]#

Geschichtliches

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Johann Friedrich August von Esmarch war ein deutscher Chirurg. Er beschrieb neben dem Esmarch-Handgriff den Esmarch-Verband und gründete den Deutschen Samariter-Verein, den Vorläufer des Deutschen Samariter-Bunds.

[Bild: © Wellcome Collection, ℓ CC BY 4.0]

Stabile Seitenlage#

Während die vorbeschriebenen Techniken einen prinzipiell durchgängigen Atemweg gewährleisten sollen, ermöglicht die stabile Seitenlage eine einfache, wenn auch nicht 100 %ige, Aspirationsprophylaxe.

  1. Der Arm des Patienten, welcher näher zum Helfer liegt, wird im rechten Winkel zum Patienten am Boden aufgelegt.

  2. Der Helfer fasst unter das von ihm abgewandte Knie des Patienten und hebt es an.

  3. Das Handgelenk des abgewandten Arm des Patienten wird an das aufgehobene Knie angelegt.

  4. Das so zusammengeführte Hand- und Kniegelenk wird zum Helfer gedreht. Dabei kippt der Patient auf die Seite zum Helfer.

  5. Kopf des Patienten überstrecken

Durch die stabile Seitenlage bewegt sich die Zunge auf Grund der Schwerkraft vom Rachenraum weg und die Atemwege werden dadurch frei.

Zugewandten Arm im 90°-Winkel ausstrecken Zugewandten Arm im 90°-Winkel ausstrecken
abgewandtes Knie fassen, Handgelenk des abgewandten Arm des Patienten wird an Knie angelegt abgewandtes Knie fassen, Handgelenk des abgewandten Arm des Patienten wird an Knie angelegt
Drehung Drehung
Mund öffnen Mund öffnen
Patient in stabiler Seitenlage Patient in stabiler Seitenlage

Fig. 9 Stabile Seitenlage [© CCCA ℓ MfG]#