Kristalloide Infusionslösungen#
Kristalloide Infusionslösungen enthalten Elektrolyte und optional Zucker. Sie diffundieren rasch aus den Gefäßen ins Gewebe, es bleiben ca. rund 20 % intravasal.
Grundsätzlich steht man bei kristalloiden Infusionslösungen vor mehreren Herausforderungen:
Die Lösung sollte im Regelfall isoton sein
Der Anteil der jeweiligen Elektrolyte sollte möglichst physiologisch sein.
Die Ladungen (Anionen und Kationen) müssen ausgeglichen sein:
Im Plasma liegen negative Ladungen jedoch auch in Form von Aminosäuren bzw. Bikarbonat vor, Kristalloide sind jedoch proteinfrei und Bikarbonat galenisch nicht stabil.
Chlorid bietet sich als Ersatz an, kann jedoch zu einer hyperchlorämischen Azidose führen.
Vollelektrolytlösungen enthalten eine Natrium-Konzentration über 120 mmol / L und können sich in der genauen Zusammensetzung der Elektrolyte unterscheiden, nähern sich aber den Konzentrationen im Plasma an und sind somit annähernd isoton. Isotone Vollelektrolytlösungen ohne metabolisierbare Anionen enthalten zum Ladungsausgleich in der Regel eine hohe Chloridkonzentration und können zu einer hyperchlorämen Azidose führen. 🗎 Hulde 2017
Isotone Vollelektrolytlösungen mit metabolisierbaren Anionen (Azetat, Malat, Laktat, Glukonat, Zitrat) enthalten ebenjene metabolisierbare Anionen zum Ladungsausgleich. Diese balancierten Lösungen weisen damit möglichst physiologische Natrium- und Chloridkonzentration auf, auch bei großen Infusionsmengen tritt damit keine metabolische Azidose auf. Sie eignen sie gut zur Deckung des täglichen Flüssigkeitsbedarfs und Substitution eines Flüssigkeitsdefizits.
Die metabolisierbaren Anionen werden in der Leber oder, im Falle von Azetat und Malat, im Muskel zu Bikarbonat metabolisiert. Im Rahmen einer Leberinsuffizienz sollten daher keine Laktat-hältigen Lösungen eingesetzt werden, da die Verstoffwechslung beeinträchtigt sein und eine Laktatazidose drohen kann. Darüber hinaus verbraucht die Verstoffwechselung von Laktat deutlich mehr Sauerstoff als die von Azetat (Azetat rund ein Drittel weniger). 🗎 Hulde 2017
Man kann unterscheiden:
Isotone Vollelektrolytlösungen ohne metabolisierbare Anionen, z. B.:
Isotone „physiologische“ Kochsalzlösung (“NaCl 0,9 %”; die absolut unphysiologischte Infusionslösung nach destillierten Wasser)
Isotone Vollelektrolytlösungen mit metabolisierbaren Anionen (balancierte Lösungen), z.B.:
Ringerlaktat
ELO-MEL™ isoton, Sterofundin™ ISO: Azetat-haltig
Vollelektrolytlösungen mit Kohlehydraten sind infolge der Glukose anfänglich hyperton, bis ebendiese verstoffwechselt wurde. Im Gegensatz zu reinen Glukoselösungen verbleibt nach der Verstoffwechslung nicht “freies Wasser”, sondern eine annähernd balancierte Eletrolytlösung im Gefäß.
Z.B.: ELO-MEL™ OP (postoperativ) G
Neben den Vollelektrolytlösungen gibt es auch für spezielle Anwendungsfälle (hypertone Dehydratation, Hypernatriämie, Kaliummangel, Infusionszusätze etc.) auch Lösungen mit reduziertem Elektrolytgehalt (Drittel-, Halb-, Zweidrittel-Elektrolytlösungen). Kalium-freie Elektrolytlösungen sind … Kalium-frei. Klassisches Beispiel ist die isotone Kochsalzlösung (NaCl 0,9 %). Reine Glukoselösungen enthalten Glukose (z.B. 5 % Glukoselösung) und sonst … Wasser. Durch die Aufnahme der osmotisch wirksamen Glukose in die Zellen entsteht in Folge freies Wasser! Kann dieses nicht renal in ausreichendem Maß ausgeschieden werden, kommt es zu einem Abfall der Plasmaosmolarität und zu Ödemen und Hämolyse.
Wichtig
Isotone Vollelektrolytlösungen ohne metabolisierbare Anionen enthalten eine hohe Cl⁻-Konzentration und können zu einer hyperchlorämischen Azidose führen.
Die besten Infusionslösungen für den Flüssigkeitsersatz und auch für die Deckung des Basisbedarfs sind in der Regel isotone Vollelektrolytlösungen mit metabolisierbaren Anionen (balancierte Lösungen) mit Azetat, sofern keine anderen speziellen Anforderungen (z.B. Glukose-Bedarf, vorbestehende Elektrolytstörungen etc.) vorliegen.
Gefahr
Die Infusion größerer Mengen von isotoner Kochsalzlösung darf nur unter Überwachung des Elektrolyt- und Säure-Basen-Haushalts erfolgen. Eine (hyperchloräme) Azidose verstärkt eine Hyperkaliämie durch Hemmung des Natrium/Protonen-Antiporters und konsekutiver Hemmung der Na/K-ATPase, wodurch weniger Kalium in die Zellen aufgenommen wird.
Elektrolyte |
Gluk |
Osmo |
Sonstige |
|||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
mmol / L |
g / L |
mosmol / L |
||||||||
Kationen |
Anionen |
|||||||||
Na⁺ |
K⁺ |
Ca⁺⁺ |
Mg⁺⁺ |
Cl⁻ |
Azet |
Lakt |
||||
ELO-MEL™ isoton |
140 |
5 |
2,5 |
1,5 |
108 |
45 |
302 |
|||
ELO-MEL™ post-OP G |
100 |
18 |
2 |
3 |
94 |
38 |
50 |
528 |
||
Sterofundin™ ISO |
145 |
4 |
2,5 |
1,5 |
127 |
24 |
309 |
|||
Glukose 5% |
50 |
277—0 |
||||||||
Ringer-Lactat |
131 |
5,36 |
1,84 |
112 |
28,3 |
278 |
||||
Ringer-Lösung |
147,20 |
4 |
155,7 |
309 |
||||||
Natriumchlorid 0,9% |
154 |
154 |
308 |
|||||||
Gelofusin™ ISO |
154 |
120 |
274 |
Gelatine 40 g / L |
||||||
Humanalbumin 20% |
~ 150 |
≤ 2 |
~ 1100 |
Albumin 200 g / L |
||||||