Dünndarm (Intestinum tenue): Duodenum, Jejunum, Ileum#
Im Dünndarm findet die eigentliche Aufnahme der Nahrungsstoffe statt. Er beginnt nach dem Pylorus des Magens und verläuft bis an den Beginn des Dickdarms mit dem Caecum und ist 3—5 m lang. In ihm erfolgt der Abbau der Nahrungsbestandteile zu den vom Körper resorbierbaren Bestandteile durch die Verdauungsenzyme. Resorbiert werden können Monosaccharide, Aminosäuren, Fettsäuren und Glycerol.
Fig. 208 Dünndarm#
© WmCo/Mikael Häggström ℓ Public domain
Die Muskulatur des Darms sorgt mittels Peristaltik für Segmentations- und Pendelbewegungen zur Durchmischung des Darminhaltes. Über Wellenbewegungen wird der Chymus weiterbewegt.
Die Dünndarmschleimhaut zeigt besondere Merkmale. Über Schleimhautfalten (> 600 ringförmige Falten = Kerckring-Falten), Zotten (beinhalten eine Bindegewebsgerüst mit Artieriolen, Venolen, Blutkapillaren und ein zentrales Lymphgefäß), Krypten (Einsenkung zwischen den Zotten) und Mikrovilli (Bürstensaum) wird die Oberfläche des Dünndarms auf die Größe eines halben Fußballfeldes vergrößert. Diese Charakteristika werden weniger, je weiter distal man den Dünndarm betrachtet.
Auch im Ileum gibt es Inseln von lymphatischem Gewebe - die Peyer-Plaques.
Man unterscheidet zwischen dem Duodenum (Zwölffingerdarm) sowie dem Jejunum (Leerdarm) und Ileum (Krummdarm).
Duodenum (Zwölffingerdarm)#
Das Duodenum liegt sekundär retroperitoneal und misst ca. 30 cm. Es beginnt nach dem Pylorus, der Verlauf ähnelt dem Buchstaben “C” und beginnt mit dem Pars superior duodeni, welcher intraperitoneal liegt und ca. 5 cm lang ist. Am Anfang auf Höhe des LWK 1 findet sich die apullenförmig erweiterte Ampulla duodeni (Bulbus duodeni).
Es folgt an der Flexura duodeni superior der Übergang in die Pars descendens duodeni. Hier befindet sich die Papilla vateri, eine prominente Schleimhautfalte, in die der gemeinsame Gang des Ductus choledochus (Gallengang) und Ductus pancreaticus (Pankreasgang) in der Papilla duodenalis major bzw. minor mündet, aus welchem Gallenflüssigkeit aus der Leber und Pankreassekret in den Dünndarm gelangen.
Nach der Flexura duodeni inferior folgt die Pars horizontalis duodeni (Pars inferior). Darauf folgt die Pars ascendens duodeni, welche sekundär retroperitoneal liegt. Am Ende liegt auf Höhe des LWK 2 die Flexura duodenojejunalis (Treitz’sche Flexur), welche den Übergang in das (intraperitoneal gelegene) Jejunum markiert.
Jejunum und Ileum#
Das Jejunum (Leerdarm) und Ileum (Krummdarm) sind die zwei weiteren Teile des Dünndarmes. Ihre Gesamtlänge beträgt ca. 3 m. Sie sind beide intraperitoneal und am Mesenterium (in ihm verlaufen die Blutgefäße für den Darm) aufgehängt. Die Grenze zwischen diesen beiden Darmabschnitten ist nicht genau bestimmbar; ca. 2 / 5 entfallen auf das Jejunum, 3 / 5 auf das Ileum.
Die Hauptaufgabe besteht in der weiteren Verdauung der Nahrung und der Nährstoffaufnahme. Hierfür dienen Darmzotten — kleine “Ausstülpungen der Oberfläche” — zur Oberflächenvergrößerung.
Jejunum und Ileum sind ab ihrem Abgang aus dem Zwöffingerdarm bis zum Übergang in den Dickdarm relativ frei beweglich. Die einzige Befestigung dieses Darmabschnittes ist das Mesenterium (Darmgekröse), durch welches auch die Versorgung mit Blutgefäßen erfolgt.
Das besondere am Ileum ist, dass es einzelne Zellbezirke des Abwehrsystems (Peyer’sche Plaques) enthält. Sie sorgen dafür, dass Bakterien aus dem Dickdarm nicht den weiteren Dünndarm bevölkern können. Wenn dies nicht gelingt, resultiert eine Entzündung des Darmes (Enteritis bis Gastroenteritis) mit den Symptomen von Durchfall, Übelkeit und Erbrechen.
Der Bauchsitus mit aufgeklappter Bauchdecke (links = kopfwärts). Am Rand sieht man deutlich den Dickdarm, unter der Fettschürze zeichnen sich die Schlingen des Dünndarms ab.
Foto: Dünndarm mit Aufhängung (Mesenterium) und Blutgefäßen.
Fig. 209 Bilderserie: Bauchsitus und Mesenterium [© Lena Hirtler, ℓ MfG]#