Awareness#
Awareness bezeichnet das intraoperative Wachwerden unter Allgemeinanästhesie mit oder ohne explizite Erinnerung.
Die Inzidenz liegt bei etwa 0,1–0,2 % für bewusstes Erleben ohne Schmerzen und bis zu ca. 1,2 % für Awareness insgesamt. Häufig treten Bewusstseinsleistungen ohne spätere Erinnerung auf (implizite Erinnerung).
Awareness wird oft erst verzögert (nach 24–48 h) berichtet. Viele Patienten äußern sich initial nicht, unter anderem aus Angst, nicht ernst genommen zu werden.
Daher ist eine strukturierte postoperative Befragung erforderlich, Fragen: Was ist das Letzte woran sie sich vor dem Einschlafen noch erinnern? Was ist das Erste woran sie sich nach dem Erwachen erinnern? Hatten sie irgendeine Wahrnehmung während des Eingriffs? Haben sie etwas geträumt? Was war das Schlimmste an ihrem Eingriff?
- Risikofaktoren
Eingriffe:
Sectio caesarea
Traumaanästhesie
Kardiochirurgische Eingriffe
Patienten
Frühere Awareness-Episoden
Substanzabusus (Benzodiazepine, Opioide, Alkohol)
ASA > 3
Schwangerschaft
Anästhesiebezogene Faktoren
Unzureichende Dosierung von Hypnotika (z. B. Propofol, volatile Anästhetika)
Hämodynamische Instabilität mit Dosisreduktion
Technische Fehler (z. B. leerer Vapor, nicht geöffneter Verdampfer)
- Prävention
Ausreichende Narkosetiefe sicherstellen, Monitoring: - EEG-basierte Verfahren (z. B. BIS, Narcotrend) - akustisch evozierte Potentiale - MAC-Werte bei volatilen Anästhetika
Zurückhaltender Einsatz von Muskelrelaxanzien (wenn möglich)
Prämedikation mit Benzodiazepinen
Technische Systeme konsequent überprüfen
BIS = Bispektralindex#
= Sedierungstiefe korreliert mit EEG-Muster (empirisch aus 5000 BIS festgestellt)
Die Wahrscheinlichkeit einer motorischen Reaktion (Augen öffnen) korreliert schlecht mit dem BIS, aber mit der Wirkortkonzentration von Propofol, und sehr stark mit der Opiatkonzentration am Wirkort. = TIVA mit BIS + Opioid-lastig!! 40-60 in AN (= normalisierte niedrigfrequente EEG-Aktivität) < 30 spricht man von einer Burst Supression!
- Narkotrend
ist eine Ableitung eines Roh-EEG´s über 3 Elektroden an der Stirn. Die Narkosestadien werden mit Hilfe eines numerischen Index von 0 bis 100 eingeteilt.
Kontext sensitive HWZ = Zeit die nach Beendigung der Infusion eines Pharmakons notwendig ist, bis die Plasmakonzentration um 50 % abgefallen ist. Context bezieht sich auf die Dauer der Infusion.
Fig. 173 Kontextsensitive Halbwertszeit#
Lange Aufwachzeiten nach langer TIVA ergeben sich aus der verlängerten 80 % Konzentrationsabfallskurve von Propofol, die deutlich länger braucht als Remifentanyl. Daher Propofol beim Zunähen stoppen, und Remifentanyl höher drehen!