Vergiftungen mit Alkohol

Vergiftungen mit Alkohol#

Die Vergiftung mit Alkohol ist häufig, da Alkohol sozial akzeptiert ist. Bei Überschreiten der individuellen Toleranz kann es rasch zu lebensbedrohlichen Zuständen kommen.

Alkohol wirkt enthemmend, teils stimulierend und stimmungsmodulatorisch. Typisch sind Sprach- und Gangunsicherheit sowie eine zunehmende Bewusstseinstrübung.

Die akute Alkoholintoxikation ist von der chronischen Alkoholabhängigkeit zu unterscheiden.

Pathophysiologie

Alkohol ist stark lipidlöslich und wirkt daher rasch im ZNS. Es kommt zu einer verminderten Acetylcholin-Synthese. Gleichzeitig ist die GABA-Aktivität reduziert, was eine erhöhte Krampfneigung begünstigt (Therapie: Benzodiazepine, ggf. Magnesiummangel). Eine gesteigerte dopaminerge Aktivität im limbischen System kann Halluzinationen verursachen (Therapie: Haloperidol). Alkohol vermindert die myokardiale Kontraktilität und führt zu einer peripheren Vasodilatation mit Reflextachykardie. Die Koronarien dilatieren nicht ausreichend, wodurch eine AP-Symptomatik auftreten kann. Zusätzlich besteht ein erhöhter Sympathikotonus, der therapeutisch mit Clonidin (Catapressan) beeinflusst werden kann.

Klinik
  • Exzitationsstadium

  • Rauschstadium

  • Narkosestadium

  • Asphyktisches Stadium

  • „Pupillenspiele“ mit wechselnder links-/rechtsseitiger Anisokorie

  • Metabolische Azidose

Therapie
  • Symptomatische Therapie

  • Korrektur von Flüssigkeits- und Elektrolytstörungen

  • Glukoseinfusion bei Normo- oder Hypoglykämie

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Gefahren#

  • Koma

  • Atemdepression

  • Ausfall der Schutzreflexe

  • Aspiration

  • Schmerzunempfindlichkeit

  • Unterkühlung

Mit zunehmender Alkoholmenge kommt es zu Kontrollverlust, Bewusstseinstrübung, Schmerzunempfindlichkeit, Temperaturregulationsstörung und Inkontinenz [1]. Im Extremfall tritt eine vegetative Entgleisung mit tiefem Koma auf. Es besteht dann akute Lebensgefahr.

Besonders relevant sind Atemdepression, Aspiration, Verlust der Schutzreflexe und Hypothermie.

Es ist immer zu klären, ob zusätzliche Substanzen eingenommen wurden (Mischintoxikation). Aufgrund der verminderten Schmerzempfindung muss gezielt nach Verletzungen gesucht werden. Die vitale Bedrohung wird anhand von Vitalparametern, klinischem Status und Bewusstseinslage beurteilt.

Der Alkoholentzug wird unter Symptome behandelt.

Maßnahmen: Vergiftungen mit Alkohol#

⛑ Basismaßnahmen

Chronische Schäden#

  • Leberschäden bis Zirrhose

  • Aszites

  • Ösophagusvarizen mit Blutungsgefahr

  • Verminderte Blutgerinnung

  • Vitaminmangel

  • Kognitive Defizite (Korsakow-Syndrom, Wernicke-Enzephalopathie)

  • Anämie

  • Pankreatitis

  • Fetales Alkoholsyndrom 🗎 Jones 1973 🗎 Guerri 2009