Extra-/Supraglottische Atemwegshilfsmittel — Allgemeines

3.5.1. Extra-/Supraglottische Atemwegshilfsmittel — Allgemeines#

Extra- oder Supraglottische Devices zur Atemwegssicherung (SGA) zeichnen sich dadurch aus, dass sie oberhalb der Stimmbandbene, also extra- bzw. supraglottisch, zu liegen kommen. Sie werden oft als “alternativer Atemweg” bezeichnet, da sie oft eine Alternative zur endotrachealen Intubation (ETI) angesehen werden. Die ETI gilt an sich als Goldstandard der Atemwegssicherung, dennoch hat sie einige gewichtige Nachteile (hoher Trainings- und Routinebedarf, schwieriger Atemweg, Verletzungsgefahr, …) und ist in vielen Situationen nicht die optimale Methode.

Im Vergleich: Lage eines Larynx-Tubus Im Vergleich: Lage eines Larynx-Tubus
und eines endotrachealen Tubus. und eines endotrachealen Tubus.

Fig. 14 Übersicht: Lage verschiedener Hilfsmittel zur Atemwegssicherung [© Lena Hirtler ℓ MfG]#

SGAs kommen häufig im Rahmen der Anästhesie bei nüchternenNüchternheit, nicht aspirationsgefährdeten Patienten zum Einsatz, wenn die Länge und Art der Operation dies erlaubt. Kontraindiziert wären z. B. Eingriffe, die nicht in Rückenlage durchgeführt werden oder bei denen mit Atemwegsdruckschwankungen (Kapnoperitoneum bei Laparoskopien, Pressen, …) zu rechnen ist.

Der Einsatz von supraglottischen Atemwegshilfen, beispielsweise von Larynxtuben, ist eine anerkannte Strategie im Management des schwierigen Atemwegs und wird in der Notfallmedizin für den weniger erfahrenen Anwender auch als Alternative zur endotrachealen Intubation empfohlen.

Indikationen
  • elektive Allgemeinanästhesie

  • präklinische und innerklinische Notfallmedizin

  • Atemwegssicherung während der Reanimation

  • schwieriger Atemweg als supraglottische Alternative

  • Bridge zur definitiven Atemwegssicherung

Nachteile
  • kein definitiver Aspirationsschutz

  • Beatmungsdruck begrenzt

  • ungeeignet für bestimmte Eingriffe (z. B. Bauchchirurgie mit hohen Beatmungsdrücken)

  • Gewebe- und Gefäßkompression bei SGAs mit Cuff

Kontraindikationen

Absolute Kontraindikationen im vitalen Notfall bestehen praktisch keine. Im elektiven Setting sind jedoch viele relative Kontraindikationen als absolut zu betrachten.

Relative Kontraindikationen sind:

  • erhöhtes Aspirationsrisiko (fehlende Nüchternheit, Ileus, Reflux, …)

  • stark eingeschränkte Mundöffnung

  • Adipositas

  • notwendige Beatmungsdrücke oberhalb des Leckagedrucks

  • lange Beatmungsdauer

  • anatomische Fehlbildungen

  • erhöhter Hirndruck

  • Leckage

Komplikationen
  • Leckage

  • Fehlposition

  • unzureichende Ventilation

  • Aspiration

  • Laryngospasmus

  • Verletzungen der Mund- und Rachenschleimhaut