Pharmakokinetik#
tl;dr
- Pharmakokinetik
Absorption in die systemische Zirkulation + Verteilung im Körper
Umverteilung, Biotransformation und Elimination/Clearance
Siehe
PharmakokinetikPharmakokinetikSie beschäftigt sich mit der Frage „Was geschieht mit dem Wirkstoff durch den Körper“? Pharmakokinetik beobachtet den Weg des Arzneimittels von der Aufnahme bis zur Ausscheidung aus dem Körper. Von Interesse ist das „Schicksal“ des Arzneistoffs im Organismus, genauer die Konzentrationsänderungen des Wirkstoffs in Abhängigkeit von der Zeit.
Fragen wie „wo und wie rasch wird ein Arzneistoff im Organismus verteilt“ oder „wo und in welcher Form wird der Arzneistoff wieder aus dem Organismus ausgeschieden“ werden behandelt. Fragen nach der Bindung von Arzneistoffen an Körpereiweiß (Plasmaproteinbindung), Verteilung des Arzneistoffs in unterschiedlichen Geweben etc. sowie die Frage nach der optimalen Verabreichung eines Pharmakons können durch pharmakokinetische Untersuchungen beantwortet werden.
- Pharmakodynamik
Pharmakologischer Effekt am Wirkort
Sie beschäftigt sich mit der Frage „Was geschieht im Körper durch den Wirkstoff“? Pharmakodynamik beschreibt die Wirkungen des Arzneistoffs im Körper: „wo wie und warum kommt es zu einer Wirkung“. Untersucht werden hier vor allem Wirkmechanismen, Interaktionen von Arzneistoffen mit Rezeptoren, Enzymen, Ionenkanälen etc. Beachtung findet hierbei auch immer die eingesetzte Dosis des Arzneistoffs. Aus der Kenntnis des/der Wirkmechanismus/-mechanismen sind auch mögliche Nebenwirkungen des Arzneimittels zum Teil ableitbar.
- Bioverfügbarkeit
Menge eines Medikaments das die systeme Zirkulation erreicht
Menge des applizierten Medikaments Dh. 25 % Bioverfügbarkeit = 25 % des oralen Medikaments muss für die gleiche Dosierung iv gegeben werden!
- Extraktionsrate
Menge die Extrahiert wird bevor das System erreicht wird.
- Eliminationshalbwertszeit (HWZ)
Zeit, die benötigt wird, um die Substanzkonzentration um 50 % zu reduzieren.
Die Pharmakokinetik umfasst alles, was der Organismus mit dem Pharmakon macht.
Dabei spielt auch die Umverteilung in die einzelnen Kompartimente eine große Rolle. Lipophile Substanzen, kleine Molekulargewichtsklassen und geringer Eiweißbindung ermöglichen eine raschere Verteilung. Lipophile Medikamente verteilen sich bei Adipösen Patienten schneller. Wasserlösliche Medikamente verteilen sich bei Kindern, jüngern und schlanken Patienten schneller.
Verteilung#
Die Verteilung von Arzneistoffen im Organismus wird durch mehrere physikalisch-chemische und biologische Eigenschaften beeinflusst. Eine wichtige Rolle spielt die Molekülgröße: Kleine Moleküle können biologische Membranen leichter durchdringen und verteilen sich daher schneller im Gewebe, während große Moleküle eher im intravasalen Raum verbleiben. Auch der Ionisierungsgrad eines Stoffes ist entscheidend. Nicht-ionisierte Moleküle passieren Membranen deutlich besser als ionisierte, sodass der pH-Wert, welcher den Ionisierungsgrad beeinflussen kann, in den verschiedenen Kompartimenten die Verteilung beeinflusst.
Die Lipidlöslichkeit ist ein weiterer Schlüsselfaktor: Lipophile Substanzen durchdringen Zellmembranen besonders gut und reichern sich bevorzugt in fettreichen Geweben an, während hydrophile Stoffe stärker im Plasma oder in wässrigen Kompartimenten verbleiben.
Darüber hinaus ist die Proteinbindung im Plasma von großer Bedeutung. Stoffe, die stark an Plasmaproteine gebunden sind, stehen nur in begrenztem Umfang in freier, pharmakologisch aktiver Form zur Verfügung und bleiben länger im Gefäßsystem.
Schließlich kann auch die Bindung an Gewebsproteine die Verteilung beeinflussen. Substanzen, die fest im Gewebe gebunden werden, können dort als Depot wirken und so die Pharmakokinetik nachhaltig verändern.
Unter Bioverfügbarkeit versteht man den Anteil, der in die systemische Zirkulation gelangt; z. B. die orale Bioverfügbarkeit:
Das Verteilungsvolumen beschreibt einen virtuellen Raum, in dem sich das Arzneimittel verteilt.
Das Kompartimentmodell ist ein vereinfachtes mathematisches Modell, mit dem die Verteilung und Elimination von Arzneistoffen im Körper beschrieben wird. Da der menschliche Organismus sehr komplex ist, werden die verschiedenen Gewebe und Organe zu sogenannten Kompartimenten zusammengefasst.
Ein Kompartiment entspricht dabei nicht einem einzelnen anatomischen Organ, sondern einem Bereich, in dem sich ein Wirkstoff gleichmäßig verteilt und in dem die Konzentration als einheitlich angenommen wird.
Typische Modelle:
Einkompartimentmodell: Der gesamte Körper wird als ein einheitliches Kompartiment betrachtet. Nach der Verabreichung verteilt sich der Wirkstoff sofort gleichmäßig und wird anschließend eliminiert.
→ Modell für Substanzen mit schneller, homogener Verteilung.
Zweikompartimentmodell: Unterscheidung in ein zentrales Kompartiment (Blut, gut durchblutete Organe wie Herz, Leber, Niere) und ein peripheres Kompartiment (Muskel, Fettgewebe). Der Wirkstoff verteilt sich zunächst schnell im zentralen Kompartiment und danach langsamer in das periphere.
→ Modell für Substanzen mit zweiphasigem Konzentrationsverlauf (Verteilungs- und Eliminationsphase).
Mehrkompartimentmodelle: Erweiterungen, die komplexere Verteilungsprozesse berücksichtigen, z. B. mehrere periphere Kompartimente.
Kompartimentmodelle helfen, die Kinetik von Arzneistoffen zu verstehen und vorherzusagen, insbesondere:
Verteilungsvolumen
Halbwertszeit
Plasmakonzentrationsverläufe nach Ein- oder Mehrfachgabe
Kurz gesagt: Das Kompartimentmodell ist ein theoretisches Hilfsmittel, um die Bewegung von Wirkstoffen im Körper einfach zu beschreiben, damit es auch ein durchschnittlicher Anästhesist versteht:
"Propofol → lipophil → reichert sich im Fettgewebe an → wenn dick → braucht länger zum Aufwachen!"
Zu tun
#37 GRAFIK: Kompartmentmodell
Eigenschaften die Verteilung beeinflussen
Molekülgröße
Ionisierungsgrad
Lipidlöslichkeit
Proteinbindung im Plasma
Bindung an Gewebsproteine
Elimination#
Medikamente werden vor allem über Leber, Niere und Lunge ausgeschieden (+ GI-trakt, Schweiß, Milchdrüsen)
Die Plasmaclearence ist jenes Plasmavolumen, welches pro Zeiteinheit durch Biotransformation oder Elimination befreit wird.
Die Plasmahalbwertszeit bzw. Eliminationshalbwertszeit (HWZ, \(t_{\frac{1}{2}}\)) ist jene Zeit in der die Hälfte des Ausgangswertes erreicht ist, d.h. um die Substanzkonzentration um 50 % zu reduzieren. Sie hängt von der Clearence und dem Verteilungsvolumen ab
Für die Eliminiations-HWS gilt, dass mehr als 4—5 HWZ abgewartet werden müssen, bis mehr als 93 % einer Substanz ausgeschieden sind.
Die HWZ kann aufgrund eines höheren Verteilungsvolumen (Schwangerschaft, Kind, Adipositas) oder verminderter Elimination/Clearance (hohes Alter, Leberinsuffizienz, Niereninsuffizienz, Wechselwirkungen) erhöht sein.
Nach repetitiven Gaben akkumulieren Medikamente bis ein steady state (nach 3 bis 5 HWZ)vorliegt. Zum angemessenen intravenösen Regime muss eine Zielkonzentration und eine loading dose und eine Erhaltungsdosis berechnet werden.
Dosis#
Die Initialdosis (Loading Dose) ist eine höhere Anfangsdosis, die rasch eine therapeutisch wirksame Konzentration im Blut oder am Wirkort herstellt. Sie wird besonders bei Wirkstoffen mit langer Halbwertszeit verwendet, wenn der Wirkspiegel mit alleiniger Erhaltungsdosis zu langsam erreicht würde.
\({\rm Initialdosis}=\frac{{\rm Plasmavolumen} \times {\rm Verteilungsvolumen}}{{\rm Bioverfügbarkeit}}\)
Die Erhaltungsdosis (Maintenance Dose) ist die regelmäßig verabreichte Dosis, die den erreichten Wirkspiegel aufrechterhält. Sie kompensiert die Elimination des Wirkstoffs und stellt das Gleichgewicht zwischen Zufuhr und Abbau her.
… ist abhängig von der Clearence: \(\frac{{\rm Halbwertszeit}}{{\rm Zeit}}={\rm Plasmakonzentration} \times {\rm Clearence}\)
- Affinität
der Grad mit dem eine Substanz sich bei einer bestimmten Konzentration an einen Rezeptor bindet.
- Wirksamkeit
Abhängigkeit der Wirkung von der Dosis bzw. Konzentration. (Dosis/Wirkungskurve)
- Toleranz
Maß für die aktuelle Empfindlichkeit des Organismus gegenüber einer Substanz.
- Tachyphylaxie
zunehmender Wirkungsverlust bei mehrfacher Gabe in kurzen Zeitabständen z.B. Opiate,…
- Proteinbindung
alpha1-Glykoprotein bindet basische Medikamente (z.B. Propofol, LA,…) und Albumin bindet sauere Medikamente (z.B. Benzodiazepine, Thiopental,…).
- Diffusionsgeschwindigkeit
Die Diffusionsgeschwindigkeit ist abhängig von der Fläche, vom Konzentrationsgradienten, Membrandicke, Molekülgröße und Lipophilie. (Fick´sches Diffusionsgesetz D = P x A x ∆C)
- Membrantransporte
Passive Transporte entlang eines Konzentrationsgradienten mit Sättigungskinetik
Aktive Transporte entgegen eines Gradienten unter ATP-Verbrauch.