Propofolinfusionssyndrom

Propofolinfusionssyndrom#

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Das Propofol-Infusionssyndrom (PRIS) ist eine sehr seltene, aber potenziell lebensbedrohliche Komplikation der Langzeitverabreichung von Propofol. Die Letalität ist hoch (bis 50–85 %).

Die Pathophysiologie ist nicht vollständig geklärt. Diskutiert wird eine Störung der mitochondrialen Energiegewinnung mit gestörter Fettsäureoxidation und verminderter ATP-Produktion. Dies führt insbesondere in Geweben mit hohem Energiebedarf zu Zelluntergang und Muskelzellnekrosen.

Das Syndrom tritt typischerweise bei längerer Anwendung (>  48 h) und hohen Dosierungen (> 4–5 mg / kg KG / h) auf.

Risikofaktoren
  • Hochdosierte Langzeitsedierung (> 4–5 mg / kg KG / h, > 48 h)

  • TIVA mit Propofol über mehrere Stunden

  • Kinder und Säuglinge

  • Kritische Erkrankungen (Polytrauma, SHT, respiratorische Infekte)

  • Katabole Stoffwechsellage mit unzureichender Glukosezufuhr

  • Katecholamine und Glukokortikoide

  • Vorerkrankungen mit mitochondrialer Dysfunktion

  • Frühere PRIS-Episoden

Klinik
  • Metabolische Azidose (Laktatazidose als Frühzeichen, BE < −10)

  • Herz-Kreislauf-Störungen:

    • Bradykardie bis Asystolie (v. a. Kinder)

    • Tachyarrhythmien bis Kammerflimmern (Erwachsene)

    • Hypotonie

    • Herzversagen

  • Rhabdomyolyse mit massivem CK-Anstieg und Hyperkaliämie

  • Akutes Nierenversagen (Myoglobinurie, „crush kidney“)

  • Leberbeteiligung:

    • Hepatomegalie/Steatose

    • Transaminasenanstieg

    • Hypertriglyzeridämie

Therapie
  • Sofortiges Absetzen von Propofol

  • Umstellung der Sedierung (z. B. Midazolam)

  • Symptomatische Therapie:

    • Volumentherapie und Katecholamine

    • Herzschrittmacher bei Bradykardie

    • Azidosekorrektur

    • Hämofiltration/Dialyse (insbesondere bei Hyperkaliämie und Nierenversagen)

  • Sicherstellung einer ausreichenden Energiezufuhr (Kohlenhydrate)

Prävention
  • Vermeidung hochdosierter Langzeitsedierung (> 4 mg / kg KG / h über > 48 h)

  • Maximaldosis und -dauer beachten (insbesondere bei Intensivpatienten)

  • Keine Langzeitsedierung bei Kindern und Jugendlichen

  • Regelmäßige Laborkontrollen (Laktat, CK, Triglyzeride, Nierenwerte)

  • Ausreichende Glukosezufuhr sicherstellen

  • Frühes Erkennen von Warnzeichen

Warnung

Propofol zur Sedierung ist nur eingeschränkt zugelassen (z. B. Intensivsedierung erst ab höherem Lebensalter und begrenzter Dosierung). Hohe Dosen und lange Anwendung erhöhen das Risiko für PRIS erheblich.