Caput (Kopf)#
Fig. 195 Querschnitt durch die Schädeldecke#
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Der Begriff Kopf (Caput) bezieht neben den knöchernen Strukturen auch alle übrigen Strukturen der Region ein (Haut, Muskeln, Hirn, …). Der knöcherne Anteil des Kopfs wird Schädel (Cranium) genannt. Unter dem Haupthaar und der damit verbundenen Haut folgt die Kopfschwarte. Die Besonderheit der Kopfschwarte besteht darin, dass Blutgefäße nicht wie sonst im Körper bei Verletzung kolabieren. Dadurch kommt es auch bei relativ geringen Kopfverletzungen zu vergleichsweise starken Blutungen. Hierauf folgt die Schädelkalotte.
Schädel (Cranium)#
Am Kopfschädel können zwei Abschnitte unterschieden werden:
Hirnschädel (Neurocranium):
Schädelkalotte (Calvaria), Schädelbasis (Basis cranii)
Stirnbein (Os frontale): unpaar
Schläfenbein (Os temporale): paarig
Scheitelbein (Os parietale): paarig
Hinterhauptsbein (Os occipitale): unpaar
Keilbein (Os sphenoidale): unpaar, Sella turcica enthält die Hypophyse.
Siebbein (Os ethmoidale): unpaar
Gesichtsschädel (Viscerocranium)
Siebbein (Os ethmoidale): unpaar
Jochbein (Os zygomaticum): paarig
Tränenbein (Os lacrimale): paarig
Nasenbein (Os nasale): paarig
untere Nasenmuschel (Concha nasalis inferior): paarig
Pflugscharbein (Vomer): unpaar
Oberkiefer (Maxilla): unpaar
Gaumenbein (Os palatinum): paarig
Unterkiefer (Mandibula): unpaar
Corpus: Foramen mentale, Angulus mandibulae.
Ramus: Proc. coronoideus, Proc. condylaris mit Caput mandibulae und Collum mandibulae, darunter Incisura mandibulae, Foramen mandibulae.
Die Schädelbasis ist der Bereich der Schädelknochen, die das Gehirn tragen.
Das Besondere an der Schädelbasis sind die vielen Foramina, durch die die Hirnnerven von der Schädelhöhle nach außen treten.
Die Schädelbasis kann in drei verschiedene Gruben (vordere, mittlere, hintere Schädelgrube) unterteilt werden:
Fossa cranii anterior: enthält den Stirnlappen (Lobus frontalis) des Gehirns.
Fossa cranii media: enthält den Schläfenlappen (Lobus temporalis) des Gehirns.
Fossa cranii posterior: enthält das Kleinhirn (Cerebellum) und den Hirnstamm (Truncus cerebri)
Das Foramen magnum (großes Hinterhauptsloch) ist die Durchtrittsstelle des Rückenmarks.
Fig. 196 Aufsicht auf die Schädelbasis#
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Schädelnähte (Suturen) und Fontanellen#
Am Schädeldach (Kalotte) kann man beim Erwachsenen einige Schädelnähte (Suturen: Syndesmosen / Synostosen) erkennen. Die wichtigsten sind:
Kranznaht (Sutura coronalis)
Pfeilnaht (Sutura sagittalis)
Lambdanaht (Sutura lambdoidea)
Schuppennaht (Sutura squamosa)
Die Schädelnähte sind Überbleibsel aus der Wachstumsphase des Menschen — im Gegensatz zu den Röhrenknochen (indirekte Ossifikation) findet hier das Knochenwachstum am Knochenrand (direkte Ossifikation) statt. Am Schädel eines Neugeborenen liegen zwischen den einzelnen Knochenkernen bindegewebige Lücken. Zwischen den Ossae frontales und den Ossae parietales sowie dem Os occipitale und Ossae parietales gibt es aufgrund der hier charakteristischen desmalen Ossifikation speziell große Wachstumszonen, die Fontanellen:
hintere Fontanelle (Fonticulus posterior): kleiner, dreieckig, Verschluss ca. im 3. Lebensmonat.
vordere Fontanelle (Fonticulus anterior): größer, viereckig, Verschluss ca. im 36. Lebensmonat.
Die Unterscheidung ist für die Geburtshilfe interessant, da man dadurch unterscheiden kann in welche Richtung der Kopf des Kindes schaut.
Fig. 197 Fontanellen#
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Muskeln des Kopfes#
Hier werden zwei Gruppen unterschieden:
Mimische Muskeln: Mimik des Gesichtes, alle durch den N. facialis (VII) innerviert, sie sind Skelettmuskeln ohne Faszie.
Kaumuskeln: alle durch N. mandibularis (dritter Ast (V3) des N. trigeminus (V)) innerviert.
M. masseter: Kieferschluss, kräftigster Muskel
M. temporalis: Kieferschluss
M. pterygoideus medialis: Kieferschluss
M. pterygoideus lateralis: Kieferöffnung
Kiefergelenk (Art. temporomandibularis)#
Art: Dreh-Scharniergelenk (Trochoginglymus) mit einem Discus articularis.
Dieses Gelenk verbindet das Unterkiefer mit dem Os temporale, die Gelenkkapsel ist durch zahlreiche Bänder verstärkt (Lig. laterale, Lig. stylomandibulare, Lig. sphenomandibulare, Raphe pterygomandibularis).
Über dieses Gelenk sind Scharnierbewegungen (Abduktion, Adduktion), Translationsbewegungen (Protrusion, Retrusion) sowie Mahlbewegungen möglich.