Heparin induzierte Thrombopenie

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Heparin induzierte Thrombopenie#

HIT I#

Die HIT I ist eine milde Form ohne Antikörperbildung mit lediglich vorübergehender Verminderung der Thrombozytenzahl.

Therapie

Heparin muss nicht abgesetzt werden, da sich die Thrombozytenzahl spontan normalisiert.

HIT II#

Die HIT II ist eine immunvermittelte heparininduzierte Thrombopenie durch Antikörper gegen den Heparin-PF4-Komplex mit prokoagulatorischer Situation. Sie tritt meist postoperativ oder posttraumatisch auf, insbesondere nach unfraktioniertem Heparin, während niedermolekulare Heparine etwa um den Faktor 10 seltener betroffen sind.

Klinik

Plötzlicher Abfall der Thrombozyten auf meist 20.000–50.000/µl in Kombination mit thrombotischen Ereignissen (z. B. TVT, Lungenembolie, Myokardinfarkt, Insult). Hautnekrosen an Injektionsstellen sind möglich.

Labor

Nachweis von HIT-Antikörpern: Ein negativer Befund schließt die Diagnose aus. Ein positiver Antikörpernachweis ist nicht beweisend, da etwa 50 % kardiochirurgischer Patienten Antikörper ohne klinische Manifestation aufweisen. Beweisend ist ein signifikanter Thrombozytenanstieg 3–5 Tage nach Absetzen von Heparin.

Score

Typisch sind ein Thrombozytenabfall < 50.000/µl, ein Auftreten 5–10 Tage nach Beginn der Heparingabe sowie das Vorliegen von Thrombosen oder anaphylaktoiden Reaktionen. Differenzialdiagnostisch sollten andere Ursachen der Thrombozytopenie berücksichtigt werden.

Differenzialdiagnosen Thrombopenie

Disseminierte intravasale Gerinnung (DIC), Medikamentennebenwirkungen (z. B. Paracetamol, Clotrimazol) sowie Pseudothrombozytopenie.

Therapie

Sofortiges Absetzen von Heparin und Einleitung einer alternativen Antikoagulation, z. B. mit Argatroban. Ziel ist eine aPTT von 1,5- bis 3-fachem Normalwert. Eine Reexposition muss konsequent vermieden werden (Patientenausweis, kein Einsatz von UFH oder NMWH sowie heparinbeschichteten Kathetern). Bei Gerinnungstherapie ist zu beachten, dass PPSB (z. B. Cofact) heparinfrei ist.