Rettungsmittel#

Je nach Ausstattung, Einsatzbereich und zugrundeliegender Technik können Einsatzmittel in unterschiedliche Typen oder Kategorien eingeteilt werden. Die Klassifizierung von Fahrzeugen ist grundsätzlich in der Europäischen Union standardisiert, nicht jedoch die Besatzung und ihre Fähigkeiten. In einigen europäischen Staaten, so auch in Deutschland und Österreich, gibt es auch notarztbasierte Systeme, wohingegen andere Länder nahezu gänzlich ohne Ärzte in der präklinischen Notfallmedizin auskommen. Dadurch ergeben sich verschiedene taktische Anforderungen an die Fahrzeuge und deren Ausstattung.

Grundsätzlich regelt die EU-Norm CEN 1789 die Kategorisierung und Ausstattung von Rettungsmitteln:

Krankentransportwagen (Patient transport ambulances, Typ A1 und A2)

Die Typen A1 und A2 werden im Allgemeinen nur für den nicht-notfallmäßigen Transport von Patienten eingesetzt, der Schwerpunkt liegt auf der eigentlichen Transportleistung.

Rettungswagen (Emergency ambulances, Typ B)

Der Typ B verfügt über einen größeren Behandlungsraum und auch über mehr medizinische Ausrüstung. Diese Fahrzeuge sind darauf ausgelegt, die Betreuung und den Transport unkomplizierter Notfälle zu bewältigen.

Mobile Intensivstation (Mobile intensive care unit, Typ C)

Der Typ C ermöglicht die Behandlung und Transport von Notfallpatienten.

Die CEN 1789 wird jedoch aufgrund der oben angesprochenen Unterschiede von den Mitgliedsstaaten oft nur teilweise umgesetzt oder überhaupt ignoriert, oft weichen die regional angewandten Klassifikationen erheblich ab, z. B. durch die unter Rechtliche Grundlagen im Land der 10 Gesetzgeber beschriebenen unterschiedlichen Landesgesetzen und -verordnungen. So regelt z. B. die NÖ Rettungsdienst-Mindestausstattungsverordnung 2017 (NÖ RD-MAV) die Ausstattung für Sanitätseinsatzfahrzeuge für die Kategorien Krankentransportwagen (KTW), Rettungstransportwagen (RTW), Rettungstransportwagen Typ C (RTW-C) und Notarzteinsatzfahrzeug (NEF) in Anlehnung (aber nicht deckungsgleich) an die CEN 1789.

Im deutschsprachigen Raum hat sich die Einteilung in die Typen

  • Krankentransportwagen (KTW),

  • Rettungstransportwagen (RTW),

  • Notarztwagen (NAW),

  • Notarzteinsatzfahrzeug (NEF) und

  • Notarzthubschrauber (NAH) (in Deutschland: Rettungstransporthubschrauber, RTH)

eingebürgert. Daneben kommen oft regional unterschiedliche oder organisationsspezifische andere Einsatzmitteltypen (z. B. der Sanitätseinsatzwagen (SEW) in Oberösterreich) zum Einsatz.

Die im Folgenden beschriebenen Eigenschaften der verschiedenen Einsatzmitteltypen sind daher nicht als strenge Regeln, sondern als “industrieüblich” bzw. als Richtwert zu verstehen.

Krankentransportwagen (KTW)#

Der Krankentransportwagen (KTW) ist für den Transport, die Erstversorgung und die Überwachung von Patienten, welche keine Notfallpatienten sind und keine intensive medizinische Betreuung benötigen, konstruiert und ausgerüstet. Das Haupteinsatzgebiet ist der Krankentransport, daneben wird der KTW auch zum Transport von erkrankten, unkritischen Patienten im Rahmen des Rettungsdienstes eingesetzt.

Im Ausnahmefall, wenn z. B. kein geeigneteres Fahrzeug in angemessener Zeit verfügbar ist, oder im Großschadensfall, können auch Notfallpatienten mit einem KTW transportiert werden. Ein KTW ist mit mindestens 2 Fachkräften besetzt (Mindestqualifikation: 2 Rettungssanitäter).

Rettungstransportwagen (RTW)#

Der RTW ist für den Transport, die erweiterte Behandlung und die Überwachung von Patienten – insbesonders Notfallpatienten – konstruiert und ausgerüstet. Er wird in der Notfallrettung und bei Überstellungen von Patienten, welche eine erweiterte Behandlung benötigen, eingesetzt. Steigt ein Notarzt zu, sollte der RTW weitgehend gleichwertig zu einem NAW sein[1]. Zusammen mit dem NEF führt der RTW im Rendez-vous-System notarztpflichtige Einsätze durch. Ein RTW ist mit mindestens 2, oft auch 3 Fachkräften besetzt (Mindestqualifikation: 1 Notfallsanitäter, 1—2 Rettungssanitäter).

In Niederösterreich wird zwischen RTW und RTW-C unterschieden. Den RTW besetzen in der Regel Rettungssanitäter und es werden alleine nur niedrig-priorisierte Einsätze abgewickelt, zusammen mit einem Notarztmittel (NEF, NAH) kann er aber auch bei hoch priorisierten Einsätzen zum Einsatz kommen. Der RTW-C ist jedenfalls ein Großraumfahrzeug und mit mindestens einem Notfallsanitäter besetzt. Er kann gemäß Ausrückordnung viele mittel-priorisierte Einsätze (“C-Codes”) ohne Beiziehen eines Notarztmittels durchführen.

Zu tun

RTW-C: NKV oder NFS?

RTW der Feuerwehr Hamburg RTW der Feuerwehr Hamburg
RTW der Feuerwehr Hamburg RTW der Feuerwehr Hamburg
RTW der Feuerwehr Hamburg RTW der Feuerwehr Hamburg
Niederösterreichischer RTW-C des Roten Kreuz: Patientenraum Niederösterreichischer RTW-C des Roten Kreuz: Patientenraum
Niederösterreichischer RTW-C: Patientenraum Niederösterreichischer RTW-C: Patientenraum

Fig. 160 RTWs [© Sebastian Gabriel ℓ MfG]#

Notarztwagen (NAW)#

Der Notarztwagen (NAW) ist für den Transport, die erweiterte ärztliche Behandlung und die Überwachung von Patienten – insbesonders Notfallpatienten – konstruiert und ausgerüstet. Er wird in der Notfallrettung und bei Überstellungen von Patienten, welche eine ärztliche Behandlung oder Überwachung benötigen, eingesetzt. Heutzutage wird im Primärrettungsdienst jedoch die Kombination aus RTW und Notarzteinsatzfahrzeug (NEF) aufgrund der höheren Flexibilität bevorzugt, sodass der NAW in der Praxis meist nur mehr bei speziellen Einsatzlagen zum Einsatz kommt. Der NAW ist mit mindestens 3, oft auch 4 Fachkräften besetzt (Mindestqualifikation: 1 Notarzt, 1 Notfallsanitäter, 1­—2 Rettungssanitäter).

Eine Sonderform ist der Sekundär-NAW (S-NAW), welcher für Transferierungsfahrten von arzt- oder intensivpflichtigen Patienten zum Einsatz kommt.

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Fig. 161 Der NAW Krems vor der Umstellung auf ein NEF-System. Das Fahrzeug wurde als RTW weiterverwendet.#

Notarzteinsatzfahrzeug (NEF)#

Ein NEF ist ein Zubringerfahrzeug, welches den Notarzt zu einem Einsatzort bringt. Es führt die für eine ärztliche Behandlung notwendige Ausstattung mit sich. Ein NEF kann zwar grundsätzlich ohne andere Rettungsmittel Patienten versorgen, ein Transport ist jedoch nicht möglich, sondern muss mit einem anderen Fahrzeug (RTW, KTW, …) erfolgen. Somit erfolgt der Einsatz eines NEF meistens zusammen mit einem RTW im Rendez-vous-System. Dieses bietet den Vorteil, dass, wenn der Patient nicht notarztpflichtig sein sollte, dieser an den RTW übergeben werden kann und das NEF wieder einsatzbereit zur Verfügung steht und nicht für den weiteren Transport gebunden ist. Daher hat das NEF den NAW in der Notfallrettung weitgehend ersetzt. Das NEF ist mit mindestens 2 Personen besetzt (Mindestqualifikation: 1 Notarzt, 1 Notfallsanitäter).

NEF der Wiener Berufsrettung NEF der Wiener Berufsrettung
NEF der Hamburger Feuerwehr im Einsatz zusammen mit einem RTW NEF der Hamburger Feuerwehr im Einsatz zusammen mit einem RTW

Fig. 162 Notarzteinsatzfahrzeuge [© Sebastian Gabriel ℓ MfG]#

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Fig. 163 Niederösterreichisches Standard-NEF [© Sebastian Gabriel ℓ MfG]#

Laderaum Laderaum
Auszug mit Patientenmonitor und Absaugeinheit Auszug mit Patientenmonitor und Absaugeinheit
Auszug mit Beatmungsgerät und Thoraxkompressionsgerät "LUCAS™" Auszug mit Beatmungsgerät und Thoraxkompressionsgerät "LUCAS™"
Kühlbox für Medikamente Kühlbox für Medikamente
Wärmelade für Infusionen Wärmelade für Infusionen

Fig. 164 Ausstattung des Niederösterreich-NEF [© Sebastian Gabriel ℓ MfG]#

Notarzthubschrauber (NAH)#

Notarzthubschrauber (NAH) werden in der Notfallrettung, für Überstellungen und z.T. bei Bergungen eingesetzt. Vorteile sind u. a. ein relativ erschütterungsfreier Transport und kürzere Transportzeiten auf längeren Distanzen. Auf kürzeren Distanzen kann der Einsatz eines NAH allerdings auch einen Zeitverlust mit sich bringen (Vorlaufzeit bis zum Start, Wege von und zum NAH, umlagern, Übergabe, Weg vom NAH-Landeplatz im Krankenhaus etc.). Der NAH hat aber auch eine Reihe von Nachteilen:

  • Landefläche: Der Hubschrauber benötigt einen geeigneten Landeplatz, i. d. R. mind. 25 × 25 m, es dürfen keine Oberleitungen, lose Gegenstände o.ä. den gefahrlosen Anflug stören. Ist in der Nähe des Einsatzortes keine geeignete Landefläche verfügbar, muss der Patient erst mittels eines Fahrzeuges zu einem entsprechenden Platz transportiert werden, dabei geht Zeit verloren.

  • Wetter: Geeignetes Flugwetter ist Voraussetzung.

  • Tageszeit: Ein Nachteinsatz ist in den meisten Gegenden nicht oder nur eingeschränkt möglich. [2]

  • Kosten: Sowohl die Vorhaltung als auch der Einsatz eines Hubschraubers ist sehr teuer.

  • Platz: Je nach Typ ist im Innenraum aufgrund des beschränkten Platzangebotes eine Behandlung und Betreuung oft nur eingeschränkt möglich.

Die Vor- und Nachteile müssen abgewogen werden. So kann es bei dem gleichen Patienten mit der gleichen Diagnose klug sein mit dem NAH zu transportieren, wenn der Notfall während der Hauptverkehrszeit eingetreten ist, wohingegen zu einer anderen Zeit evtl. ein bodengebundener Transport schneller und vorteilhafter ist.

Die Besetzung ist uneinheitlich, zwingend erforderlich sind jedoch mind. 1 Pilot, 1 Flugretter (NFS) und 1 Notarzt.

NAH NAH
NAH NAH
NAH Nacht NAH Nacht

Fig. 165 Notarzthubschrauber [© Sebastian Gabriel ℓ MfG]#

First Responder#

Die Definition, Ausbildung und der Aufgabenbereich eines First Responders sind regional sehr unterschiedlich. Grundsätzlich sind First Responder in der Regel zumindest in erweiterter Erster Hilfe ausgebildete Personen, die bei Notfällen die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes mit qualifizierten Maßnahmen überbrücken sollen und stellen somit eine Ergänzung zur Rettungskette dar (Ersthelfer).

Hauptaufgabe ist es, das sogenannte therapiefreie Intervall zu verkürzen. First Responder sind nicht Teil des Regelrettungsdienstes, sondern ergänzen diesen. Insbesonders in ländlichen Gebieten ist es oft üblich, dass dienstfreies Sanitätsfachpersonal und Ärzte über die regional zuständige Leitstelle mittels Pager bei Notfällen in der näheren Umgebung mitalarmiert werden. In neuerer Zeit wird zunehmend versucht auch in städtischen Gebieten First-Responder-Systeme zu etablieren. So startete der Verein Lebensretter mit einer App für Smartphones, über die registrierte Ersthelfer von der Leitstelle der Wiener Berufsrettung bei in der Nähe stattfindenden Reanimationen alarmiert werden. Mittels einer Datenbank von öffentlich zugänglichen SAEDs können auch First Responder zum Holen eines Defibrillators parallel disponiert werden. Weitere Informationen sind auf der Homepage des Vereins unter http://www.lebensretter.at zu finden.

Tab. 64 Übersicht der grundlegenden Einsatzmitteltypen#

Abkz.

Name

Besatzung

Funktion

Anmerkungen

KTW

Krankentransportwagen

2 RS

Krankentransport

Transport von Patienten, die keine intensiven med. Maßnahmen benötigen

RTW

Rettungstransportwagen

1 NFS, 1–2 RS

Notfallrettung

Überstellungen, Versorgung und Transport von Patienten und Notfallpatienten, ausstattungsmäßig weitgehend gleichwertig zu einem NAW

NAW

Notarztwagen

1 NA, 1 NFS, 1–2 RS

Notfallrettung, Überstellungen

Versorgung und Transport von Notfallpatienten

NEF

Notarzteinsatzfahrzeug

1 NFS, 1 NA

Notfallrettung, Überstellungen

Versorgung von erkrankten Notfallpatienten, kein Transport (“Notarzt-Zubringer”)

NAH

Notarzthubschrauber

1 Pilot, 1 NFS, 1 NA

Notfallrettung, Überstellungen

Versorgung und Transport von Notfallpatienten In Deutschland: RTH

Sonderfahrzeuge#

Neben den vorgenannten “Standardtypen” werden für die Erfüllung spezieller Anforderungen auch eine Reihe von Sonderfahrzeugen eingesetzt.

Einsatzfahrzeug des "Fieldsupervisors" (FISU) der Wiener Berufsrettung. Der FISU unterstützt Mannschaften im Einsatz bei besonderen Lagen und ist für die Qualitätssicherung vor Ort zuständig. Einsatzfahrzeug des "Fieldsupervisors" (FISU) der Wiener Berufsrettung. Der FISU unterstützt Mannschaften im Einsatz bei besonderen Lagen und ist für die Qualitätssicherung vor Ort zuständig.
Im Vordergrund ein Anhänger mit Material für den Großschadensfall, dahinter Versorgungsfahrzeuge. Im Vordergrund ein Anhänger mit Material für den Großschadensfall, dahinter Versorgungsfahrzeuge.
Bettenintensivtransporter: Dieses Fahrzeug auf LKW-Basis ermöglicht die Transferierung von Patienten in einem Intensivbett und wird auch im Primärrettungsdienst für sehr stark übergewichtige Patienten eingesetzt. Bettenintensivtransporter: Dieses Fahrzeug auf LKW-Basis ermöglicht die Transferierung von Patienten in einem Intensivbett und wird auch im Primärrettungsdienst für sehr stark übergewichtige Patienten eingesetzt.
Ein ausgedienter RTW, welcher zu einem Simulationsfahrzeug mit Videokameras etc. umgewidmet wurde. Ein ausgedienter RTW, welcher zu einem Simulationsfahrzeug mit Videokameras etc. umgewidmet wurde.

Fig. 166 Sonderfahrzeuge [© Sebastian Gabriel ℓ MfG]#