Pulsoxymetrie#
Die Pulsoxymetrie ist eine einfache, nicht-invasive Untersuchungsmethode zur Ermittlung der Sauerstoffsättigung des Hämoglobins im kapillären Blut (SpO₂) und der Pulsfrequenz. Durchgeführt wird sie mittels eines Pulsoxymeters.
Das Messprinzip basiert auf einer Messung der Lichtabsorption[1] bzw. der Lichtremission bei Durchleuchtung der Haut mittels eines Sensors, bestehend aus einer Lichtquelle und einem Fotosensor. Durch die Messung der Absorption des Lichtes auf den Wellenlängen von Oxyhämoglobin und Desoxyhämoglobin wird das Verhältnis des mit Sauerstoff gesättigten Hämoglobins zu dem nicht gesättigtem bestimmt. Moderne Geräte können mitunter auch die Absortion der Wellenlängen von CO-Hb und Met-Hb bestimmen. Als weiteren Wert zeigt das Pulsoxymeter die Pulsfrequenz an.
Die so ermittelte Sauerstoffsättigung wird als fraktionelle Sauerstoffsättigung und mit SpO₂ bezeichnet.
Gerätearten#
Zur Messung der Sauerstoffsättigung mit dem Prinzip der Pulsoxymetrie gibt es verschiedene Gerätearten:
Fingerclip-Geräte: Diese vereinen Messgerät und Sensor in einem Gerät.
Handpulsoxymeter: Diese bestehen aus einem Handmessgerät und einem per Kabel mit dem Messgerät verbundenen Sensor.
Funktionsmodul eines Überwachungsmonitors: Viele Multifunktionsmonitore verfügen über die Möglichkeit zur Pulsoxymetrie mithilfe eines Sensors.
Handpulsoxymeter: Sauerstoffsättigung 96 %, Pulsfrequenz 89 / min © Ch. Pallinger, ℓ MfG
Ein Finger-Pulsoxymeter; © Sebastian Gabriel, ℓ MfG
Fig. 40 Bilderserie: Pulsoxymeter#
Anwendung#
Als Messstelle eignen sich meist leicht zugängliche Körperstellen (Finger, Zeh, Ohrläppchen) – die Herstellerangaben über die Eignung des Sensors für die gewünschte Messstelle müssen jedoch beachtet werden. Dabei ist besonders auf Nagellack, künstliche Nägel und Verschmutzung der Messstelle zu achten, ev. muss die Messstelle zuerst entsprechend gereinigt werden. Danach wird der Sensor an der entsprechenden Stelle platziert (meist Mehrwegsensoren für Erwachsene zur Verwendung an Fingern). Nach etwas Wartezeit können die Messwerte abgelesen werden. Es muss natürlich immer der klinische Zustand und die Anamnese mit in Betracht gezogen werden.
Das Pulsoxymeter eignet sich sehr gut für das Monitoring, ersetzt aber niemals das wachsame Auge auf den Patienten!
Bemerkung
Pulsoxymetrie: Eine ausreichende Blutversorgung der Körperstelle, an der der Sensor angebracht ist, ist notwendig.
Beurteilung#
Die Sauerstoffsättigung wird in Prozent angegeben und wird mit SpO₂ abgekürzt. Der Normalwert liegt zwischen 96—100 %. Bei Patienten mit chronischer Lungenerkrankung (COPD!) findet man jedoch oft chronisch niedrige Werte (z. B. 90 %), welche keine therapeutische Konsequenz haben.
Bei der Beurteilung muss ausserdem die FiO₂ bedacht werden. Eine Sauerstoffsättigung von 95 % bei einem Patienten ohne zusätzliche Sauerstoffgabe ist nicht beunruhigend, wohingegen derselbe Wert bei einer Sauerstoffgabe von 15 L / min ein Hinweis auf eine schwere Störung der Atmung darstellt.
Es ist wichtig zu wissen dass sich die SpO₂ bei Vorliegen einer Atemstörung erst spät absinkt, d. h. wenn die Plateau-Phase der pO₂ in auf der Sauerstoffbindungskurve verlassen wurde.
Fehlerquellen#
Die größte Gefahr ist die falsche Interpretation von Messwerten.
Voraussetzung für eine korrekte Messung ist eine ausreichende Perfusion der entsprechenden Messstelle, z. B. durch Kälte, Schock oder auch eine Blutdruckmessung kann die Messung verfälscht oder unmöglich gemacht werden.
Niedrige Hämoglobin-Spiegel bzw. ein niedriger Perfusionsdruck (Blutdruck) kann zu verfälschten Messergebnissen führen.
Fehlmessung von Carboxyhämoglobin (CO-Hb) und Methämoglobin[2]: Mit Kohlenmonoxid gesättigtes Hämoglobin (Carboxyhämoglobin) oder Methämoglobin weisen ähnliche Absorptionseigenschaften wie Oxyhämoglobin auf und können daher von Geräten verwechselt werden und somit zu einem falsch-hohen Sauerstoffsättigungswert führen.
Klassisch, und nicht selten, kommt dies bei der Kohlenmonoxid-Vergiftung vor. Kohlenmonoxid-beladenes Blut ist ebenso hellrot wie Sauerstoff-beladenes, daher wird der Patient nicht zyanotisch obwohl er eigentlich zu wenig Sauerstoff hat.
Manche moderne Geräte können mitunter die Wellenlängen von CO-Hb und Met-Hb unterscheiden und entsprechend anzeigen.
Licht kann Nagellack oder künstliche Fingernägel oft nicht durchdringen.
Von der Seite einstrahlendes Licht kann ebenso das Ergebnis verfälschen, da es sich ja um eine lichtabhängige Messmethode handelt.
Achtung
Behandle den Patienten und nicht das Gerät!