Terminologie#
Anatomie, Physiologie, Pathologie#
Die Anatomie ist die Lehre vom Aufbau von Organismen. In der Medizin beschäftigt sich die Anatomie mit dem Aufbau, Struktur und Lagebeziehung von Körperteilen, Organen, Geweben und Zellen. Die Physiologie ist die Lehre von physikalischen und biochemischen Vorgängen im Organismus [1]. In der medizinischen Umgangssprache bezieht sich der Begriff physiologisch auf Vorgänge und Zustände, welche normal, d. h. nicht krankhaft verändert, sind. Dem gegenüber versteht man unter dem Begriff Pathologie (bzw. dem Adjektiv pathologisch) einen krankhaften, abnormen Vorgang oder Zustand.
Weiters behandelt dieser Abschnitt die Vitalfunktionen des menschlichen Körpers, welche die Funktion des Körpers ermöglichen. Es gibt grundlegende Vitalfunktionen 1. Ordnung (Bewusstsein, Atmung, Kreislauf), deren Ausfall binnen kurzem zum Tod führen können, und Vitalfunktionen 2. Ordnung, deren Störung längere Zeit toleriert bzw. kompensiert werden kann.
Körperregionen#
Man kann den menschlichen Körper in folgende Abschnitte unterteilen:
Stamm (lat. Truncus)
Kopf (lat. Caput)
Hals (lat. Collum)
Rumpf (lat. Truncus)
Brust (lat. Thorax)
Bauch (lat. Abdomen)
Becken (lat. Pelvis)
obere Gliedmaße (lat. Extremitas superior, dt. obere Extremität)
untere Gliedmaße (lat. Extremitas inferior, dt. untere Extremität)
Orientierung — Basis#
Hauptachsen:
vertikale (longitudinale) Achse (Längsachse): vom Scheitel bis zur Sohle
sagittale Achse (Pfeilachse): von hinten nach vorne (dorso-ventral)
transversale (horizontale) Achse (Querachse): quer von rechts nach links
An diesen Achsen sind die Körperebenen wie nach einem Koordinatensystem (3 Hauptachsen -> 3 Hauptebenen) ausgerichtet. Sie sind nicht fix vorgegeben, sondern können an jede Position parallel verschoben werden
Hauptebenen:
Sagittalebene: parallel zur Medianebene durch den Körper
Frontalebene: parallel zur Stirn, senkrecht zur Sagittalebene. Diese Ebene wird insbesondere in der Bildgebung auch als Koronalebene bezeichnet.
Transversalebene (Horizontalebene): quer durch den Körper, senkrecht auf Sagittal- und Frontalebene
Alle Ebenen sind nicht fix, ansondern können parallel and jede beliebige Stelle des Körpers verschoben werden. Die einzige Ausnahme bildet die sog. Medianebene (Median-Sagittal-Ebene): vom Rücken zum Bauch teilt sie den Körper vom Kopf zum Fuß in zwei seitengleiche Hälften — daher wird sie auch als Symmetrieebene bezeichnet.
Richtungsbezeichnungen#
Für die Beschreibungen von Richtungen und Lagebeziehungen wird eine systematische Terminologie, die dem Lateinischen entlehnt ist, verwendet.
Bemerkung
Seiten- und Richtungsangaben (rechts, links, …) beziehen sich immer auf die betreffende Person (Patienten)!
Richtung |
Gegensatz |
Latein |
||
|---|---|---|---|---|
superior |
oben, oberhalb |
inferior |
unten, unterhalb |
superior, -ius; inferior, -ius |
anterior |
vorn, davor |
posterior |
hinten, dahinter |
posterior, -ius; anterior, -ius |
distal |
zum Extremitätenende hin, entfernter vom Rumpf |
proximal |
rumpfwärts |
distalis, -e; proximalis, -e |
medial |
zur Mitte hin |
lateral |
seitlich, von der Medianebene weg |
medialis, -e; lateralis, -e |
median |
in der Medianebene gelegen |
medianus, -a, -um |
||
dexter |
rechts |
sinister |
links |
dexter, dextra, dextrum; sinister, sinistra, sinistrum |
utriusque |
beidseitig |
utriusque |
||
superfizial |
oberflächlich |
profund |
tief |
superficialis, -e; profundus, -a, -um |
intern |
innere |
extern |
äußere |
internus, -a, -um; externus, -a, -um |
zentral |
zum Körperinneren hin |
peripher |
nach außen |
centralis, -e, peripheris, -e |
longitudinal |
längs verlaufend |
transversal |
quer verlaufend |
longitudinalis, -e; transversalis, -e |
Richtung |
Gegensatz |
Latein |
||
|---|---|---|---|---|
kranial |
schädelwärts |
kaudal |
schwanzwärts, steißwärts |
cranialis, -e; caudalis, -e |
dorsal |
rückenwärts |
ventral |
bauchwärts |
dorsalis, -e; ventralis, -e |
Richtung |
Bedeutung |
Latein |
|---|---|---|
radial |
speichenwärts, zur Speichenseite, Daumenseite hin |
radialis, -e |
ulnar |
ellenwärts, zur Ellenseite, Kleinfingerseite hin |
ulnaris, -e |
tibial |
schienbeinwärts, zur Schienbeinseite, Großzehenseite hin |
tibialis, -e |
fibular |
wadenbeinwärts, zur Wadenbeinseite, Kleinzehenseite hin |
fibularis, -e |
dorsal |
Hand: handrückenwärts, zum Handrücken hin; Fuß: fußrückenwärts, zum Fußrücken hin |
dorsalis, -e |
palmar |
handflächenwärts, zur Handfläche hin |
palmaris, -e |
plantar |
fußsohlenwärts, zur Fußsohle hin |
plantaris, -e |
Richtung |
Bedeutung |
Latein |
|---|---|---|
frontal |
stirnwärts, in Richtung der Stirn |
frontalis, -e |
okzipital |
hinterhauptwärts |
occipitalis, -e |
basal |
schädelbasiswärts |
basalis, -e |
oral |
mundwärts, zum Mund gehörig |
oralis, -e |
vestibulär |
(mund)vorhofwärts, im Mundvorhof gelegen |
vestibularis, -e |
labial |
lippenwärts |
labialis, -e |
bukkal |
wangenwärts |
buccalis, -e |
lingual |
zungenwärts |
lingualis, -e |
nasal |
nasenwärts |
nasalis, -e |
temporal |
schläfenwärts |
temporalis, -e |
palatinal |
gaumenwärts, zum Gaumen gehörig |
palatinalis, -e |
pharyngeal |
rachenwärts, zum Rachen gehörig |
pharyngealis, -e |
rostral |
mundwärts |
rostralis, -e |
Richtung |
Bedeutung |
Terminus, Latein |
|---|---|---|
apikal |
an der Wurzelspitze (Apex), zur Wurzelspitze hin |
apicalis, -e |
approximal |
an der Kaufläche, zur Kaufläche hin (approximalwärts) |
approximalis, -e |
distal |
dem hinteren Ende des Zahnbogens zugekehrt |
distalis, -e |
inzisal |
an der Kaukante, zur Kaukante hin |
incisalis, -e |
mesial |
der Medianebene (des Zahnbogens) zugekehrt |
mesialis, -e |
okklusal |
an der Kaufläche, zur Kaufläche hin |
occlusalis, -e |
zervikal |
am Zahnhals, zum Zahnhals hin |
cervicalis, -e |
Bewegungsbezeichnungen#
Bewegung |
Gegenbewegung |
||
|---|---|---|---|
Flexion |
Beugung |
Extension |
Streckung |
Adduktion |
Heranführen an den Körper. |
Abduktion |
Wegführen vom Körper bis zu 90°. Bei den Extremitäten erfolgt diese Bewegung um die sagittale Achse. |
Elevation |
Fortführen der Abduktion über 90°. |
||
Außenrotation |
Außendrehung der Extremitäten um ihre Längsachse. |
Innenrotation |
Innendrehung der Extremitäten um ihre Längsachse. |
Supination |
Umwendbewegung der Hand bzw. des Fußes, wobei die Hohlhand nach oben gerichtet bzw. der mediale Fußrand gehoben wird. |
Pronation |
Umwendbewegung der Hand bzw. des Fußes, wobei die Hohlhand nach unten gerichtet bzw. der mediale Fußrand nach unten gesenkt wird. |
Zirkumduktion |
Umführbewegung der Extremitäten. |
Diese Bewegungen können auch auf Bewegungen des Rumpfes bzw. des Kopf-Hals-Bereiches übertragen werden. Hierauf wird unter Bewegungsapparat: Knochen & Muskeln gesondert eingegangen.
Bewegung |
Gegenbewegung |
||
|---|---|---|---|
Adduktion |
Heranführen des Unterkiefers an den Oberkiefer |
Abduktion |
Wegführen des Unterkiefers vom Oberkiefer. Beide Bewegungen erfolgen um eine transversale Achse. |
Protrusion |
gleichmäßige Bewegung beider Gelenkkondylen nach ventral. Beide Bewegungen erfolgen entlang einer sagittalen Achse. |
Retrusion |
gleichmäßige Bewegung beider Gelenkkondylen nach dorsal. Beide Bewegungen erfolgen entlang einer sagittalen Achse. |
Mediotrusion |
Bewegung des Unterkieferkondylus zur Mitte (Balance-, Mediotrusionsseite) Erfolgt um eine vertikale (longitudinale) Achse. |
Laterotrusion |
Bewegung des Unterkieferkondylus nach außen (Arbeits-, Laterotrusionsseite). Erfolgt um eine vertikale (longitudinale) Achse. |
Biotypologie#
Die Biotypologie beschreibt die Beurteilung des Körperbaus und den Versuch des Schlusses auf innere Werte und Wesenszüge. Hier gibt es Begriffe, die auch noch in der heutigen Sprache wiedererkennbar sind.
Biotypologie nach Hippocrates:
cholerisch: leidenschaftlich, aufbrausend, jähzornig, unbeherrscht
phlegmatisch: schwerfällig, behäbig, bequem, gemütlich
sanguinisch: lebhaft, beweglich, optimistisch, leichtblütig
melancholisch: schwermütig, trübsinnig, pessimistisch, gleichgültig
Biotypologie nach Kretschmer:
leptosom: mager, zart, eng- und flachbrüstig, mit dünnen Armen und Beinen, körperlich und geistig empfindlich, kompliziert, sprunghaft.
pyknisch: mittelgroß, gedrungener Körperbau, Neigung zu Fettansatz, Brustkorb unten breiter als oben, kurzer Hals und breites Gesicht, behäbig, gemütlich, gutherzig, gesellig, heiter, lebhaft bis hitzig oder auch still und weich.
athletisch: kräftiger Körperbau, breite Schultern, oben breiter Brustkorb, heiter, forsch, aktiv.
Allgemeine Begriffe: Klinik – Diagnose – Therapie#
- Symptom
Krankheitserscheinung
- Syndrom
definierte Kombination von Symptomen
- Komplikationen
möglicherweise auftretende Schwierigkeiten
- Therapie
Maßnahmen zur Heilung oder Linderung von Krankheiten und Symptomen
- Indikation
Grund zur Anwendung eines bestimmten Verfahrens.
- Kontraindikation
Grund zur Nichtanwendung eines bestimmten Verfahrens. Es gibt relative und absolute Kontraindikationen. Relative Kontraindikationen treffen nur unter bestimmten Umständen oder in gewissem Umfang zu, absolute Kontraindikationen verbieten das Verfahren praktisch immer.
- Diagnose
Zuordnung von Beschwerden und Symptomen zu einem definierten Krankheitsbild. Es gibt verschiedene Arten und Funktionen von Diagnosen, siehe Die Diagnose.
- Diagnostik
Als Diagnostik versteht man alle Bemühungen um eine Diagnose zu stellen, egal ob man sich der eigenen Sinne oder komplizierter Geräte bedient.
- Befund
Jede diagnostische Maßnahme hat (hoffentlich) ein Ergebnis, welches man als Befund bezeichnet.
- Morbus
Abk. M. lat.: Krankheit, Erkrankung. Die Bezeichnung Morbus wird oft zusammen mit einem Eigennamen, zumeist vom Entdecker einer Erkrankung, oder einem lateinische Zusatz zur Benennung von Krankheiten verwendet; z. B.: Morbus Alzheimer (Demenz vom Alzheimer-Typ), Morbus Koch (Tuberkulose), Morbus Parkinson, Morbus comitialis (Epilepsie).
- akut
plötzlich; rascher Handlungsbedarf
- chronisch
dauerhaft
- rezidivierend
wiederkommend, neuerlich
Vorsilben#
- Hyper-
hoch, oben
- Hyperglykämie
hoher Blutzucker
- Hypertonie
Bluthochdruck
- Hypo-
tief, unten
- Hypoglykämie
niedriger Blutzucker
- Hypotonie
niedriger Blutdruck
- Brady-
langsam
- Bradykardie
langsamer Herzschlag
- Bradypnoe
langsame Atmung
- Tachy-
schnell Tachykardie
schneller Herzschlag
- Tachypnoe
schnelle Atmung
Stoffe#
- Aminosäure
Bausteine von Proteinen.
- Base
Syn. Lauge. Stoff, welcher Protonen aufnehmen kann. Sie reagieren mit Säuren und bilden Salze.
- Enzym
Hilfsstoff, welcher eine chemische Reaktion (Umwandlung von Stoffen in andere Stoffe) begünstigt.
- Protein
Eiweiß. Proteine werden aus Aminosäuren zusammengesetzt.
- Säure
Stoff, welcher Protonen abgeben kann. Sie reagieren mit Basen und bilden Salze.
Medizinische Fachrichtungen, Fachabteilungen und spezielle Einrichtungen#
- Chirurgie
Fachgebiet zur Erkennung und Behandlung von Erkrankungen, welche ohne operative Maßnahmen zu gesundheitlichen Schäden oder dem Tod führen würden 🗎 Pschyrembel 259. Man kann weitere Spezialgebiete unterscheiden, z. B. Allgemeinchirurgie (Bauch), Gefäßchirurgie, Herzchirurgie, Thoraxchirurgie, Kinderchirurgie, Plastische Chirurgie etc. Daneben gibt es noch viele andere operative Fächer.
- Geburtshilfe, Gynäkologie, Frauenheilkunde
Fachgebiet die Erkrankungen der Frau betreffend, inkl. Schwangerschaft und Geburtshilfe.
- HNO
Hals-, Nasen-, Ohrenkrankheiten
- ICU
engl. Intensive Care Unit; Intensivstation. Besondere Behandlungseinrichtung für intensive, oft lebenserhaltende medizinische Maßnahmen und Überwachungen, z. B. Beatmung, Dialyse, Sedierung, Therapie mit kreislaufwirksamen Substanzen etc. In der Regel unterscheidet man zwischen internistischen Intensivstationen, welche sich eher der Behandlung von Herz-Kreislauferkrankungen widmen, und allgemeinen oder anästhesiologischen Intensivstationen, mit meist eher chirurgischen Patienten.
- Innere Medizin
Syn. Interne Medizin. Die Innere Medizin befasst sich mit der Vorbeugung, Diagnostik, konservativen und interventionellen Behandlung sowie Rehabilitation und Nachsorge von Gesundheitsstörungen und Krankheiten der inneren Organe und Organsysteme. Innerhalb der Inneren Medizin gibt es verschiedene Spezialgebiete: Kardiologie (Herz), Hämatologie und Onkologie (Blut, Krebserkrankungen), Angiologie (Gefäße), Endokrinologie und Diabetologie (Stoffwechsel), Gastroenterologie (Magen-Darm-Trakt), Nephrologie (Niere), Pneumologie (Syn. Pulmologie, Lunge, eigenes Sonderfach), Rheumatologie (entzündliche Erkrankungen des Bewegungsapparates).
- Neurologie
Fachgebiet der Medizin, welches sich mit der Erforschung, Diagnostik und Behandlung von Erkrankungen des Nervensystems und der Muskulatur befasst.
- Nuklearmedizin
Fachgebiet, welches die Anwendung radioaktiver Substanzen und offener Radionuklide zur Diagnostik und Therapie umfasst.
- Onkologie
Fachgebiet, welches sich mit der Erkennung, Diagnostik, Therapie und Nachsorge von bösartigen Tumorerkrankungen (“Krebs”) befasst. Die Onkologie an sich ist ein Teilgebiet der Inneren Medizin, meist ist jedoch eine fachübergreifende Behandlung notwendig.
- Pädiatrie
Kinderheilkunde, zuständig für Patienten bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres.
- PCI
Abkz. Perkutane Coronar-Intervention, auch: PTCA Abkz. Perkutane Transluminale Coronar-Angiographie; Herzkatheterbehandlung, Herzkatheteruntersuchung
- Psychiatrie
Die Psychiatrie beschäftigt sich mit der Prävention, Diagnostik und Therapie psychischer Störungen. In der Psychiatrie ist es besonders schwierig, zwischen “gesund” und “krank” treffsicher zu unterscheiden. Eine andere, tendenziell humorvolle Definition besagt daher:
“Der, der den Schlüssel hat, ist der Arzt.”
-Otto Pötzl, nach Torberg:DEDTJ
- Pulmologie
Syn. Pneumologie. Lungenheilkunde
- Radiologie
Fachgebiet, welches die Bildgebung mittels verschiedener Verfahren ermöglicht. Die Bildgebung kann auch zu therapeutischen Zwecken genutzt werden (interventionelle Radiologie).
- Stroke Unit
Spezialstation zur Behandlung von Schlaganfällen
- Toxikologie
Lehre der Vergiftungen und Giftstoffe
- Unfallchirurgie und Traumatologie
Lehre und Fachgebiet der Medizin, welches sich mit Unfällen und Verletzungen beschäftigt.
- Urologie
Heilkunde des harnableitenden Systems
Sonstige Begriffe#
- Bolus
“Happen”;
Stoßweise Verabreichung eines Medikaments (intravenös)
- Cave
“Achtung!”, “Hüte Dich!”
- Obstruktion,
Verlegung, Verengung. z. B. im Rahmen der COPD.
- Pathologie, pathologisch, Patho-
Lehre von den Krankheiten. Als pathologisch wird alles Krankhafte bezeichnet. Die Vorsilbe “Patho” weist auf etwas Abnormales, Krankhaftes hin.
- Zyanose
Blaufärbung der Haut aufgrund eines mangelnden Sauerstoffgehaltes des Blutes. Betroffen sind insbesonders die Finger, Lippen und das Gesicht.