Anatomie der oberen Atemwege#
Die Atemwege dienen zum Transport, zur Anwärmung, zur Befeuchtung, zur Reinigung und zur Kontrolle der Atemluft (für die Mundhöhle siehe Verdauungstrakt). Die luftleitenden Strukturen sind mit respiratorischem Epithel ausgekleidet. Dieses Epithel ist gekennzeichnet durch eine Schleimhaut mit Flimmerhärchen (sog. Kinozilien). Becherzellen in dieser Schleimhaut produzieren den Schleim. Die Kinozilien schlagen immer rachenwärts und sorgen für einen kontinuierlichen Abtransportes des Schleimes nach oral (= mukoziliärer Transport).
Fig. 3 Die Atemwege, Übersicht#
© Mariana Ruiz Villarreal ℓ Public domain
Nasenhöhle (Cavitas nasi) und Nasennebenhöhlen (Sinus paranasales)#
Die beiden Nasenhöhlen (Cavitates nasi) werden durch eine knöcherne bzw. knorpelige Nasenscheidewand (Septum nasi) getrennt. Der knöcherne Teil der Nase wird von Maxilla, Os palatinum, Os ethmoidale, Os nasale, Os frontalis und Vomer gebildet. Der knorpelige Anteil besteht aus mehreren kleineren Knorpelteilen und wird aus hyalinem Knorpel gebildet.
Über drei Nasenmuscheln, befestigt an den lateralen Wänden der Nasenhöhle, wird die Schleimhautoberfläche im Nasenraum vergrößert und die Nasenhöhle in drei Nasengänge eingeteilt. Die untere Nasenmuschel (Concha nasalis inferior) ist ein eigenständiger Knochen, die beiden anderen (Concha nasalis media und superior) entstammen dem Os ethmoidale.
Den Boden der Nasenhöhle bildet der harte und weiche Gaumen (Palatum durum et molle). Das Dach bilden Nasenknorpel, Os nasale und das Os ethmoidale. Im dorsalen Bereich geht die Nasenhöhle über die Choanen (innere Nasenlöcher) in den Nasenrachen über.
Über die Nasenhaare im Bereich der vorderen Nasenöffnung sollen bereits Fremdkörper aus der Atemluft herausgefiltert werden. Im Bereich der oberen Nasenmuschel und dem cranialen Teil des Nasenseptums befindet sich die Regio olfactoria mit der Riechschleimhaut. Über die Nn. olfactorii (Riechnerven) wird die Geruchsinformation durch das Os ethmoidale (Lamina cribrosa = Siebbein) zum N. olfactorius (I) und somit zum Gehirn geleitet. Über die Schleimhaut (=respiratorisches Epithel = Flimmerepithel) der restlichen Bereiche wird die Atemluft angewärmt, befeuchtet und gereinigt. Die Schwellkörper im Bereich der drei Nasenmuscheln sorgen zusätzlich für eine Oberflächenvergrößerung (nasaler Rhythmus).
In die Nasenhöhle münden neben dem Tränen-Nasen-Gang (Ductus nasolacrimalis, Mündung unter der unteren Nasenmuschel) alle Nasennebenhöhlen (Sinus paranasales) (insg. 4 Stück):
Sinus frontalis (Stirnhöhle): paarig, im Os frontale, Mündung unter der mittleren Nasenmuschel
Sinus maxillaris (Kieferhöhle): paarig, in Maxilla, Mündung unter der mittleren Nasenmuschel
Sinus (=Cellulae) ethmoidalis (Siebbeinhöhle): im Os ethmoidale, werden in drei Gruppen eingeteilt, die vordere und mittlere Gruppe haben ihre Mündung unter der mittleren Nasenmuschel, die hintere Gruppe unter der oberen Nasenmuschel
Sinus sphenoidalis (Keilbeinhöhle): im Os sphenoidale, Mündung unter der oberen Nasenmuschel
Über ihre Schleimhautauskleidung arbeiten sie an der Befeuchtung und Erwärmung der Atemluft mit. Außerdem bilden sie einen Resonanzkörper für die Sprachbildung (luftgefüllte Knochen).
Pharynx (Rachen)#
Nach den Choanen kommt die Atemluft in den Rachen. Dieser ist in drei Stockwerke (nach ihrer Lage) eingeteilt und ca. 12 cm lang:
Nasopharynx = Epipharynx: Übergang von Nasenhöhle über die Choanen, Mündung der Ohrtrompete (Tuba auditiva, Eustachische Röhre; Druckausgleich zum Mittelohr), ausgekleidet von respiratorischem Epithel
Oropharynx = Mesopharynx: Übergang von Mundhöhle (Isthmus faucium, die über die beiden Gaumenbögen gebildete Engstelle), hier kreuzt der Weg der Nahrung mit dem Weg der Atemluft, ausgekleidet von mehrschichtigem unverhorntem Plattenepithel.
Laryngopharynx = Hypopharynx: ausgekleidet von mehrschichtigem unverhorntem Plattenepithel.
Im Bereich des Rachens befindet sich auch ein Teil des lymphatischen Systems- der Waldeyersche Rachenring. Dieser besteht aus 5 verschiedenen Organen:
Rachenmandel (Tonsilla pharyngea) - klar abgrenzbar mit Kapsel
Tubenmandel (Tonsilla tubaria) - diffuses lymphatisches Gewebe
Gaumenmandel (Tonsilla palatina) - klar abgrenzbar mit Kapsel
Zungengrundmandel (Tonsilla lingualis) - klar abgrenzbar mit Kapsel
Seitenstrang - diffuses lymphatisches Gewebe
Der Pharynx besteht für den Schluckvorgang hauptsächlich aus quergestreifter Muskulatur. Man unterscheidet Schlundschnürer (Mm. constrictores pharyngi) und Schlundheber (Mm. levatores pharyngi).
Larynx (Kehlkopf)#
Der Larynx stellt die Grenze zwischen den oberen und den unteren Atemwegen dar. Er hat einige wichtige Funktionen:
Trennung von Luft- und Speiseweg: Der Kehldeckel verschließt die Luftröhre während des Schluckaktes
Verschluss der unteren Luftwege gegen den Rachen (Husten, Pressen) um eine Drucksteigerung in Brust- und Bauchraum zu erreichen
Stimmbildung
Über Ligamente (äußere Kehlkopfbänder) “hängt” der Larynx cranial am Os hyoideum und caudal an der Trachea. Die inneren Kehlkopfbänder verbinden die einzelnen Kehlkopfknorpel miteinander.
Kehlkopfskelett (insg. 4 Stück):
Schildknorpel (Cartilago thyroidea): bildet Vorderseite des Kehlkopfes, ist beim Mann größer und hervorstehend; unpaar.
Ringknorpel (Cartilago cricoidea): unpaar. bildet die untere Grenze des Rachenraumes. Zwischen Schild- und Ringknorpel befindet sich die Membran, die bei der Koniotomie (ugs. “Luftröhrenschnitt”) zur notfallsmäßigen Sicherung der Atmung bei Zuschwellen der oberen Atemwege durchtrennt wird.
Stellknorpel (Cartilago arytenoidea): können durch ihre Drehung die Stimmbänder spannen und so die Stimmbildung beeinflussen - paarig.
Epiglottis (Kehldeckel): verschließt die Luftröhre während des Schluckens; unpaar.
Für den stimmlichen Unterschied zwischen Männern und Frauen ist vor allem die Größe des Schildknorpels verantwortlich. Im Rahmen der Pubertät wird der Querschnitt des Schildknorpels beim Mann immer länger und sorgt somit für eine Verlängerung der Stimmbänder. Wie auch bei den Saiteninstrumenten folgt durch diese großere Länge der Stimmbänder auch eine tiefere Stimme.
Kehlkopfmuskeln: Siehe [1]
Der Kehlkopfinnenraum wird als Cavitas laryngis bezeichnet. Er reicht vom Kehhlkopf-Eingang bis zum Unterrand des Ringknorpels. Er gliedert sich in drei Etagen:
obere Etage (Vestibulum laryngis = Vorhof des Larynx): reicht bis zu den Taschenfalten (Plicae vestibulares). Zu beiden Seiten des Kehlkopfeingangs befindet sich eine Aussackung, der Recessus piriformis. Über diesen werden Flüssigkeiten am Kehlopfeingang vorbei richtung Ösophagus geleitet.
mittlere Etage (Cavitas laryngis intermedia = mittlere Kehlkopfhöhle): von den Taschenfalten bis zu den Stimmfalten (Plicae vocales). Zwischen diesen Falten befindet sich der Ventriculus laryngis (Kehlkopfkammer).
untere Etage (Cavitas infraglottica = Subglottis): geht kontinuierlich in die Trachea über, die Wand ist fast ausschließlich vom Conus elasticus gebildet.
Die Plica vestibularis wird durch das Lig. vestibulare aufgeworfen und bildet hierdurch eine Engestelle des Kehlkopfes, die Rima vestibularis. Die Plica vocalis wird durch das Lig. vocale aufgeworfen und bildet hierdurch eine weitere Engestelle des Kehlkopfes, die Rima glottidis. Die Plica vocalis wird auch als Stimmlippe, das Lig. vocale als Stimmband bezeichnet. Die Glottis beschreibt den stimmbildenden Teil des Kehlkopfes.
Schluckakt und Schluckreflex#
Der Kehlkopf spielt nicht nur eine Rolle bei der Stimmbildung über die Stimmbänder, sondern sorgt auch dafür, dass während des Schluckens kein Speisebrei und keine Flüssigkeiten in die vor der Speiseröhre liegende Luftröhre gelangen können. Hierzu verschließt der Kehldeckel am Anfang des Schluckaktes den Eingang zur Luftröhre. Dies geschieht reflexartig und ist lebenswichtig. Dieser Reflex ist bei Bewusstlosigkeit und während einer Narkose erloschen. Dadurch kann es zu einem Übertritt von Erbrochenen, Blut o. ä. in die Luftröhre (Aspiration) und in Folge zu einer lebensgefährlichen Aspirationspneumonie kommen. Um dieses Risiko zu minimieren muss man für eine geplante Operation nüchtern sein. Ein Ausfall dieses Reflex kann u. U. auch ein Zeichen des Hirntods sein.