Die Diagnose#

Eine Diagnose gibt einem Zustand eine Bezeichnung, das heißt einem Beschwerdebild wird ein definiertes Krankheitsbild zugeordnet.

Beschwerden und Symptome des Patienten

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Definiertes Krankheitsbild

Patient

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Synopsis

  • Die Diagnose ordnet die Beschwerden des Patienten einem definierten Krankheitsbild zu.

Arten von Diagnosen#

Diese Zuordnung kann einfach sein, sehr oft ist die Diagnosestellung aber unsicher. Um die Unsicherheit dieser Diagnosen anzuzeigen haben sich verschiedene Begriffe eingebürgert:

  • Verdachtsdiagnose: Die Diagnose ist unsicher, man hat zwar den Verdacht in Richtung eines bestimmten Krankheitsbildes, andere ähnliche Krankheitsbilder können allerdings nicht mit hinreichender Sicherheit ausgeschlossen werden. Die endgültige Diagnosestellung erfolgt zu einem späteren Zeitpunkt.

    Verdachtsdioagnosen werden mit dem Präfix V. a. (“Verdacht auf”), bzw. bei lateinischen Diagnosen mit dem Zusatz s. i.[1], gekennzeichnet:

    • V. a. Oberarmfraktur links, oder

    • Fract. humeri sin. s. i.

  • Arbeitsdiagnose: Arbeitsdiagnosen sind Verdachtsdiagnosen, bei denen eine endgültige Klärung nicht möglich ist. Für die Behandlung wird die wahrscheinlichste oder gefährlichste Diagnose ausgewählt um “am Patienten arbeiten zu können”.

  • Notfalldiagnose: Eine Notfalldiagnose ist im Prinzip eine Arbeitsdiagnose. Der Patient ist dabei in einem Zustand bei dem sofortiges Handeln notwendig ist und die eigentliche Diagnose, die zu dieser Situation geführt hat, in dem Moment unwichtig ist.

    Ein Beispiel hierfür sind die Bewusstlosigkeit und der Kreislaufstillstand. Die Ursachen dafür sind erstmal unwichtig, mit der entsprechenden Behandlung der Notfalldiagnose muss sofort begonnen werden.

  • Status post, Zustand nach: (Abkz.: St. p., Z. n.) Bezeichnet eine “alte Diagnose”, d. h. eine Erkrankung oder eine Behandlung die einmal durchgemacht wurde. z. B.:

    • Z.n. Blinddarm-Operation: Der Patient hatte einmal eine Blinddarm-Operation.

    • Z.n. Herzinfarkt 2/2006: Der Patient hatte im Februar 2006 einen Herzinfarkt.

    Umgangssprachlich wird oft auch der Umstand der zu einer Diagnose geführt hat mit “Z.n.” angegeben:

    • V.a. Schenkelhalsfraktur re., Z.n. Sturz: Der Patient ist gestürzt und hat deshalb möglicherweise eine Schenkelhalsfraktur rechts.

Diagnosecodes#

Zu statistischen und organisatorischen Zwecken werden Diagnosen häufig zur weiteren Verarbeitung und Auswertung codiert,   die jeweilige Diagnose wird einem definierten Code zugeordnet.

Ein weit verbreitetes System ist die Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD), welche von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) herausgegeben wird. Derzeit aktuell ist die Version 10 (ICD-10). Ein ICD-10-Code beginnt mit einem Buchstaben. Die ersten drei Stellen geben eine grobe Diagnose an. Stellen 4 und 5 werden von den ersten drei Stellen mit einem Punkt getrennt und erlauben eine genauere Beschreibung der Diagnose.

Beispiel:

  • S50-S59: Verletzungen des Ellenbogens und des Unterarmes

    • S52.3-: Fraktur des Radiusschaftes

      • S52.31: Fraktur des distalen Radiusschaftes mit Luxation des Ulnakopfes

Klassifikationssysteme#

Oft werden für spezielle Krankheitsbilder spezielle Kalissifikationssysteme, meist von den jeweiligen Fachgesellschaften, entwickelt. Diese erlauben eine weitere Einteilung von Krankheits- und Verletzungsbildern nach klinischen Erfordernissen, z. B. nach Behandlungsstrategien, die sich beim gleichen Krankheitsbild je nach Ausprägung stark unterscheiden können.

Typische Klassifikationssysteme sind Stadieneinteilungen (z. B. die GOLD-Stadien bei der COPD), das TNM-System zur Angabe der Ausbreitung von Neoplasien oder die AO-Klassifikation für Frakturen.

Differentialdiagnosen (DD)#

Diagnosen, welche bei den jeweiligen Symptomen auch möglich, jedoch weniger wahrscheinlich sind wie jene Diagnose, für welche man sich “entscheidet”.

Beispiel: Patient mit Kopfschmerzen

Differentialdiagnosen:

Migraine, Hirnblutung, Schlaganfall, Hypoglykämie, Intoxikation, …

Unfallchirurgische Diagnosen#

Im folgenden sind häufige (lateinische) Diagnosen bzw. Abkürzungen als Referenz angeführt, welche man häufig auf unfallchirurgischen Arztbriefen und Ambulanzprotokollen findet. Eine ausführliche Aufstellung findet sich in 🗎 Lippert 4. Die Diagnosen werden durch Richtungsangaben ergänzt.

Siehe auch

  • Richtungsangaben: Richtungsangaben

Wund- und Verletzungsarten#

Abscessus:

(Abscess.) Abszeß

Amputatio traumatica:

(Amput. traumat.) Unfallbedingte Abtrennung

Articulatio aperta:

(Artic. apert.) Gelenkseröffnung

Bulla haemorrhagica:

(Bulla haemorrh.) Blutblase

Bulla infecta:

(Bulla infect.) infizierte Blase

Bursa aperta:

(Bursa apert.) Eröffnung des Schleimbeutels

Bursitis:

Schleimbeutelentzündung

- purulenta:

eitrige ~

Cauterisatio:

(Cauteris.) Verätzung

Combustio (graddus …):

(Comb. (grad. n)) Verbrennung n. Grades

Congelatio:

(Congel.) Erfrierung

Contusio:

(Cont.) Prellung, Quetschung

Corpus alienum:

(Corp. alien.) Fremdkörper

- ligneum, - ferreum, - vitreum:

Holz-, Eisen-, Glas-Fremdkörper

Corpus liberum:

Freier Gelenkskörper

Decollement:

Hautabscherung

Defectus cutis:

(Defect. cutis) Hautverlust

Discissio:

(Disciss.) Durchtrennung

Discissio nervi:

Burchtrennung des Nervs (an den Fingern numeriert von 1-10 beginnend von der radialen Daumenseite)

Distorsio:

(Dist.) Zerrung

Empyema articulare:

Gelenkseiterung

Enucleatio traumatica:

Auslösung im Gelenk

Epidermiolysis:

(Epidermiol.) Ablederung der oberen Haut

Epiphysiolysis:

(Epiphys.) Wachstumsfugenlösung

Excoriatio:

(Excor.) Hautabschürfung

Fissura:

(Fiss.) Sprung des Knochens

Fistula:

Fistel

Fractura:

(Fract.)

Fraktur, Bruch des Knochens

Fractura aperta:

(Fract. apert.) offener Bruch

Fractura comminuta:

Trümmerbruch

Fractura duplex/triplex:

zwei/dreifacher Bruch

Fractura epiphysis:

Bruch der Epiphyse

Fractura subperiostalis:

Grünholzbruch

Hämarthros:

Bluterguß im Gelenk

Hämatoma:

Bluterguß

Hydrops:

Erguß im Gelenk

Inflammatio:

Hautrötung,Entzündung

Laesio:

(Laes.) Verletzung, Läsion

Laesio cartilaginis:

(Laes. cartilag.) Verletzung des Knorpels

Laesio nervi:

(Laes. nerv.) Verletzung des Nervs

Luxatio:

(Lux.) Verrenkung

Luxatio et fractura:

(Luxfract.) Verrenkungsbruch

Lyphangitis-adenitis:

Lymphbahn-knotenentzündung

Necrosis cutis:

abgestorbene Haut

Panaritium subcutaneum:

Eiterung des Unterhautfettgewebes an Fingern oder Zehen

Panaritium tendineum:

eitrige Sehnenscheidenentz.

Paralysis:

Lähmung

Paresis:

Teillähmung

Paronychia:

Nagelbettentzündung

Phlegmona:

Phlegmone

Refractura:

(Refract.) Neuerlicher Bruch im Bereich eines alten Bruches

Ruptura:

(Rupt.) Riß, Zerreißung

Ruptura syndesmosis:

Syndesmosenzerreißung

Seroma:

Erguß seröser Flüssigkeit

Subluxatio:

(Sublux.) Teilverrenkung

supraarticularis:

(supraartic.) über dem Gelenk

Vulnus:

(Vuln.) Wunde

Vulnus ictum:

(Vuln. ict.) Stichwunde

Vulnus lacero-contusum:

(Vlc.) Rißquetschwunde

Vulnus morsum animalis:

(Vuln. mors. anim.) Tierbiß

Vulnus morsum hominis:

(Vuln. mors. hom.) Menschenbiß

Vulnus perforans:

Durchdringende Stichwunde

Vulnus scissum:

(Vuln. sciss.) Schnittwunde

Vulnus sclopetarium:

(Vuln. sclopet.) Schußwunde

Zusätze#

non recens:

(non rec.) nicht frisch; bei bereits sichtbar infizierten oder über 8 Stunden alten Wunden oder offenen Brüchen, bei geschlossenen Brüchen nach 24 Stunden

infectus, -a, -um:

infiziert

inveteratus:

(invet.) veraltet

apertus:

(apert.) offen

ossea sanata:

(oss. san.) knöchern geheilt

repositus:

(repos.) eingerichtet, reponiert

utriusque:

(utr.) rechts und links

bilateralis:

(bilat.) beiderseitig an einer Extremität (d. h. innen und aussen, radial und ulnar etc.)

operatus:

(operat.) operiert

suturatus:

(suturat.) genäht

fixatus:

(fixat.) ruhiggestellt im Gips

signum interrogationis:

(s. i.) fraglich, Zusatz bei unsicherer Diagnose