3.5.2. Larynxmaske#
Die erste Generation der Larynxmaske wurde in den 1980er Jahren eingeführt und seitdem stetig weiterentwickelt. Sie besteht im Grunde aus einem anatomisch geformten, annähernd elliptischen, Kunststoffcuff, welcher im Patienten oberhalb der Glottis (supraglottischsupraglottisch) zu liegen kommt und den Larynx gegenüber den Pharynx abdichtet. Von der Maske weg führt ein Tubus durch den Oropharynx nach außen, hier können dann über einen Normstecker Beatmungsgerätschaften (Beatmungsgerät, Beatmungsbeutel) angeschlossen werden.
Flexible Larynxmaske mit Einführhilfe
Moderne Larynxmasken unterscheiden sich untereinander in vielen Kriterien, z. B. Material, Einweg- oder Mehrwegprodukte, Form und Flexibilität des Tubus, zusätzliche Lumina (z. B. für gastroösophageale Sonden) oder Art des Cuffs (Luft, thermoplastische Materialen, …). Gemeinsam ist ihnen eine verhältnismäßig invasivitätsarme Anwendung und das Einführen ohne Darstellung des Atemwegs. Sie ermöglichen eine Sicherung des Atemweges gegenüber Verlegungen durch Zurückfallen der Zunge o. ä., bieten aber keinen ausreichenden Aspirationsschutz. Ihre planmäßige Anwendung ist daher auf nüchterne PatientenNüchternheit beschränkt.
Die zweite Generation der Larynxmasken verfügen über einen zweiten Kanal zur Anlage einer Magensonde um Magensaft abzuleiten, sowie den Magen bei auftretenden Leckagen und längerer Operationsdauer zu entlasten. Ein bekannter Vertreter ist z. B. die LMA Supreme oder die i-Gel™i-Gel™. Intubationslarynxmasken ermöglichen einerseits die kurzfristige Ventilation des Patienten und dienen gleichzeitig als Führungshilfe für das Einführen eines Endotrachealtubus.
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i-gel™#
Die i-gel™ ist eine supraglottische Atemwegshilfesupraglottic airway device (SGA) (SGA) der zweiten Generation. Im Gegensatz zu klassischen Larynxmasken besitzt sie keinen aufblasbaren Cuff. Die Abdichtung erfolgt durch einen anatomisch geformten, gel-artigen, thermoplastischen Cuff, der sich an die laryngealen Strukturen anlegt und durch die Körperwärme eine Plastizität bzw. Anpassung ermöglicht. Durch das Fehlen eines aufblasbaren Cuffs kommt es, im Gegensatz zum Larynxtubus, auch nicht zu einer übermäßigen Kompression des umgebenden Gewebes bzw. der zu- und abführenden Hirngefäße, wie sie bei einem Larynxtubus auftreten kann… Weiters verfügt sie über einen Kanal zur Anlage einer Magensonde.
Die i-gel™ eignet sich sowohl zur Atemwegssicherung im Notfall, als auch sehr gut zum Einsatz im elektiven Setting im OP. Somit ist durch die routinemäßige Anwendung ein hohes Trainingsniveau möglich.
Die i-gel™ ist Bestandteil zahlreicher Reanimationsalgorithmen und wird aufgrund ihrer hohen Erfolgsrate häufig als Alternative zur endotrachealen Intubation oder sogar der Beutel-Masken-Beatmung im Rahmen des Basic Life Support (BLS) eingesetzt ♛ ERC 2025 ALS. Im Rahmen des BLS ersetzt sie im Wesentlichen die Gesichtsmaske bei der Beutel-Masken-Beatmung, wodurch sich eine „Beutel-i-gel™-BeatmungBeutel-i-gel™-Beatmung“ergibt. Bei entsprechend geschulten Anwendern ermöglicht sie in der Regel eine zuverlässigere Abdichtung mit geringerer Leckage, kann einfacher anzuwenden sein als eine Gesichtsmaske und vermeidet einen direkten Mund-zu-Mund-Kontakt. Sie kann daher bei entsprechend geschulten Ersthelfern als primäre Methode im Basic Life Support eingesetzt werden.[1] Die Gefahren der Beutel-Masken-Beatmung gelten jedoch sinngemäß weiterhin.
Die geeignete GrößeGröße wird entsprechend des (idealen) KörpergewichtsKörpergewichts des Patienten ausgewählt, siehe Tab. 6.
i-gel™ © Sebastian Gabriel, ℓ MfG
i-gel™ Mundstück mit Magendrainagekanal © Sebastian Gabriel, ℓ MfG
i-gel™ in einem Patienten mit Bakterienfilter und Magensonde © Sebastian Gabriel, ℓ MfG
Fig. 16 i-gel™ Larynxmaske#
Größe |
Körpergewicht |
|---|---|
1 |
2–5 kg |
1,5 |
5–12 kg |
2 |
10–25 kg |
2,5 |
25–35 kg |
3 |
30–60 kg |
4 |
50–90 kg |
5 |
> 90 kg |
Einführen der i-gel™#
Die geeignete GrößeGröße der i-gel™ entsprechend dem (idealen) Körpergewicht des Patienten auswählen (Tab. 6).
i-gel™ vorbereiten: Verpackung öffnen.
Lagerung: Rückenlage, Kopf in SchnüffelpositionSchnüffelposition (Jackson-Position, Kopf leicht erhöht (z. B. auf umgedrehter Nierentasse), nicht rekliniert, nicht gebeugt). Den Kopf nicht überstrecken!Den Kopf nicht überstrecken!
Mund mit dem „Kreuzgriff“ öffnen: Daumen und Zeigefinger der linken Hand verwenden, wobei der Daumen am Unterkiefer und der Zeigefinger am Oberkiefer bzw. an den Zähnen angesetzt wird. Auf kariöse oder lockere Zähne achten!
Die i-gel™ am integrierten Beißblock festhalten, wobei die ÖffnungÖffnung richtung Kinn zum Kinn des Patienten zeigt.
Die weiche Spitze entlang des harten Gaumens in den Mund des Patienten einführen und bei Bedarf den Unterkiefer anheben.
Die i-gel™ mit einer kontinuierlichen, sanften Bewegungkontinuierlichen, sanften Bewegung entlang des harten Gaumens nach kaudal und dorsal vorschieben, bis ein deutlicher Widerstand zu spüren ist.
Eine leichte Drehbewegung kann helfen, einen Widerstand zu überwinden und zu verhindern, dass sich die Zunge in der Öffnung verfängt. Die primäre Einführtechnik sollte jedoch eine kontinuierliche, sanfte Vorschubbewegung bleiben.
Beim Einführen keine übermäßige Kraft anwenden!Beim Einführen keine übermäßige Kraft anwenden!
Die Schneidezähne sollten zwischen den proximalen und distalen Markierungen der i-gel™ liegen.
i-gel™ zunächst manuell fixieren.
Beatmungsbeutel bzw. Beatmungsgerät anschließen und den Patienten beatmen.
Effektive Beatmung überprüfenEffektive Beatmung überprüfen:
auf beidseitige Thoraxexkursionen achten;
auf eine Leckage achten bzw. hören;
gegebenenfalls die Lunge auskultieren (nur durch entsprechend erfahrene Anwender);
wenn verfügbar, Kapnographie verwenden: Die Kapnometrie zeigt einen CO₂-Messwert, die Kapnographie eine CO₂-Exspirationskurve; beim EasyCap II erfolgt ein Farbumschlag.
Wenn eine Beatmung möglich und die Lagekontrolle unauffällig ist: i-gel™ sicher fixieren.
Gegebenenfalls eine Gänsegurgel bzw. Tubusverlängerung anschließen.
Eine MagensondeMagensonde über den gastralen Kanal einführen und den Magen entlasten. Die Magensonde erst einführen, wenn der Patient zuverlässig beatmet wird!
Wichtig
Wenn keine effektive Beatmung erreicht werden kann:
Lage der i-gel™ überprüfen;
Position von Kopf und Atemweg optimieren;
ein Zurückziehen und erneutes Positionieren der i-gel™ erwägen;
eine andere Größe erwägen;
bei weiterhin unzureichender Beatmung die i-gel™ entfernen und eine alternative Methode des Atemwegsmanagements anwenden.
Maximal 2 Versuche, maximal 30 s pro Versuch
Erfolglose Einführversuche dürfen nicht zulasten von Oxygenierung und Ventilation wiederholt werden!
Hinweis
Das Anheben des Unterkiefers hebt den Zungengrund an und kann das Einführen der i-gel™ erleichtern.
Bei Bedarf die Zunge mit den Fingern der linken Hand zur Seite schieben, um das Einführen zu erleichtern.
Bei Bedarf die Kopfposition während des Einführens korrigieren.