Gerinnungssubstitution#
- Gerinnungsfaktor Konzentrate
Herstellung aus Plasma mit unterschiedlichen Schwerpunkten – gezielte oder breite Substitutionstherapie
Faktor VIII oder IX Konzentrat
Massivblutung#
Eine Massivblutung hat einen Verbrauch und Verlust von Thrombozyten und Gerinnungsfaktoren zur Folge.
Therapieoptionen:
Vermeidung von Hypothermie!
Tranexamsäure: “Kampf der Hyperfibrinolyse”: Hemmung des Fibrinolysesystems durch Komplexbildung mit Plasminogen, dadurch fehlende Bindung an Fibrin, daher Hemmung der Fibrinolyse.
Gabe ROTEM-gesteuert oder auf Verdacht, insbesonders bei diffusen Blutungen. Einfach und auch präklinisch verfügbar.
Überlebensvorteil bei Massivblutung und beim Schädel-Hirn-Trauma 🗎 CRASH-3
Dosierung 1—2 g i.v.
Fibrinogen-Konzentrate (Faktor I): hohe Fibrinogen Spiegel verringern Ausmaß des Blutverlustes
Massivblutungen führen oft primär zu einem Fibrinogen-Mangel
Dosierung nach ROTEM (A 10) oder Plasmaspiegel
Kalzium-Substitution: Kalzium ist der Gerinnungsfaktor (Faktor IV) mit dem besten Preis-Leistungsverhältnis. Er setzt an einer Vielzahl von Stellen in der Gerinnungskaskade als Kofaktor an.
Achtung
Das im Stabilisator von Erythrozytenkonzentraten enthaltene Zitrat bildet mit Kalzium ein Chelat und kann somit zu einem Kalzium- bzw. Faktor-IV-Mangel führen.
Prothromplex-Konzentrate (PPSB):Faktor II, VII, IX, X
Vitamin K Mangel und schwere Blutung, bedrohliche und ausgedehnte Blutung bei großer Wundfläche
Thrombozytenkonzentrat: Zielwert > 50000/µl
Faktor-XIII-Konzentrate: postoperative Blutung bei Faktor XIII Mangel, bei fehlender Stabilität des clots trotz Substitution
Rekombinanter Faktor VIIa (NovoSeven™) soll eine auf den Ort der Blutung (Verletzung) beschränkte Aktivierung des Gerinnungssystems bewirken
FFP Fresh Frozen Plasma: Aus einer Einzelspende oder gepoolten Spenden. Die gerinnungsaktive Qualität von Frischplasmen ist sehr variabel (Konzentration der Gerinnungsfaktoren beim Spender (große interindividuelle Schwankungen!), Lagerung (Temperatur), Herstellungsverfahren, Auftauvorgang (Temperatur und Geschwindigkeit), Zeitpunkt der Gabe (nach dem Auftauen verlieren die Gerinnungsfaktoren rasch an Aktivität: etwa 60–70 % der Ausgangsaktivität nach dem Auftauen, Faktor V sogar nur etwa 40–50 %, da sehr labil)).
Massivblutung ohne gezielte Substitutionsmöglichkeit von Fibrinogen oder PPSB (30ml/kg), Verdünnungskoagulopathie infolge Massivtransfusion, Verbrauchskoagulopathie
Mangel an Faktor V, angeborener Faktor-V- und -XI-Mangel
Volumeneffekt
Massivtransfusion: EK und FFP im Verhältnis 3:1 bis notfalls 1:1 geben. Kalzium nicht vergessen!
Die ersten Erythrozytenkonzentrate, FFPs, balancierte Kristalloide Infusionslösungen, ...
... Tranexamsäure, ...
... Fibrinogen (Haemocomplettan™), ...
Fig. 65 Willkommen Am Beginn der Massivblutungstherapie [© Sebastian Gabriel ℓ MfG]#
Komponente |
Biologische Halbwertszeit |
|---|---|
Fibrinogen |
26-120 h |
Faktor II |
48-60 h |
Faktor V |
12-15 h |
Faktor VII |
1,5—6 h |
von-Willebrand-/Ristocetin-Cofaktor |
6—12 h |
Faktor IX |
20-24 h |
Faktor X |
24—48 h |
Faktor XI |
60-80 h |
Faktor XII |
48—60 h |
Faktor XIII |
100-200 h |
t-PA |
5 min |
Plasminogen |
36—48 h |
Antithrombin |
36 h |
α2-Antiplasmin |
36 h |
Protein C |
1,5-6 h |
Protein S |
24-48 h |