Endokrin#

Allgemeine Anatomie#

Man kann bei Drüsen vier verschiedene Arten der Beeinflussung von Zellen unterscheiden:

  • autokrine Sekretion: Beeinflussung der Zelle selbst

  • parakrine Sekretion: Beeinflussung benachbarter Zellen

  • endokrine Sekretion: Beeinflussung von Zellen über den Blutkreislauf

  • exokrine Sekretion: Abgabe von Sekreten an äußere oder innere Körperoberflächen

Zum Hormonsystem gehören lediglich endokrine Drüsen. Hormone sind Signal- oder Botenstoffe. Im Gegensatz zum vegetativen Nervensystem, das auch Organfunktionen des Körpers reguliert, ist das Hormonsystem für eine langsamere und dafür länger andauernde Beeinflussung der Stoffwechselvorgänge und Organfunktionen zuständig.

Über Rückkopplungsvorgänge werden die Hormonspiegel im Körper gesteuert.

Man kann die Hormone anhand ihrer Affinität zu Wasser und Fett auch einteilen in:

  • Lipophile Hormone: spezifischer Rezeptor im Zellinneren, Einfluss auf Zellwachstum und -vermehrung (Gentranskription).

  • Hydrophile Hormone: Bindung an Rezeptor an Außenseite der Zelle, braucht im Inneren der Zelle einen zweiten Botenstoff (second messenger), beeinflussen Aktivität der Zelle (Stoffwechsel)

Hormone können auch aufgrund ihres Bildungsortes differenziert werden:

  • Hormondrüsen → klassische Hormone

  • hormonproduzierende Gewebe

  • hormonproduzierende Einzelzellen

Tab. 114 klassische endokrine Hormone#

klassische endokrine Hormone

Hypothalamus

ADH (Adiuretin, Vasopressin)

hydrophil

Oxytocin

hydrophil

Hypophysenvorderlappen

adrenokortikotropes Hormon (ACTH, Kortikotropin)

hydrophil

thyreoideastimulierendes Hormon (TSH, Thyreotropin)

hydrophil

follikelstimulierendes Hormon (FSH, Follitropin)

hydrophil

luteinisierendes Hormon (LH, Lutropin)

hydrophil

somatotropes Hormon (STH, Somatotropin)

hydrophil

melanozytenstimulierendes Hormon (β-MSH, Melanotropin)

hydrophil

Prolaktin (PRL)

hydrophil

Epiphyse

Melatonin

hydrophil

Schilddrüse

Thyroxin und Triiodthyronin

lipophil

Calzitonin

hydrophil

Nebenschilddrüse

Parathormon

hydrophil

Nebenniere

Mineralo- und Glukokortikoide

lipophil

Androgene

lipophil

Adrenalin und Noradrenalin

hydrophil

Langerhans-Inseln des Pankreas

Insulin, Glukagon und Somatostatin

hydrophil

Eierstöcke

Östrogene und Gestagene

lipophil

Hoden

Androgene

lipophil

Plazenta

Choriongonadotropin, Progesteron

hydrophil, lipophil

hormonbildende Gewebe und Einzelzellen

zentrales und autonomes Nervensystem

neuronale Überträgersubstanzen (Transmitter)

hydrophil

Teile des Zwischenhirns (Hypothalamus!)

Steuerhormone (Liberine und Statine)

hydrophil

System der GI-Zellen im Magen-Darm-Trakt

Gastrin, Cholezystokinin, Sekretin

hydrophil

Herzvorhöfe

atriales natriuretisches Peptid

hydrophil

Niere

Erythropoetin, Renin

hydrophil

Leber

Angiotensinogen, Somatomedine

hydrophil

Immunorgane

Thymushormone, Zytokine, Lymphokine

hydrophil

Gewebshormone

Eikosanoide, Prostaglandine, Histamin, Bradykinin

hydrophil

Diese Hormone werden auch aufgrund ihres Wirkungsortes unterschiedlich bezeichnet:

  • im endokrinen System = endokrine Hormone → Hormone

  • im Nervensystem (ZNS bzw. VNS) = neurokrines System → Transmitter, Neuromodulatoren

  • im Immunsystem = autokrin-parakrines System → Zytokine, Lymphokine, Monokine

Hormondrüsen des Körpers#

Hypothalamus-Hypophysen-System#

Diese System ist das zentrale Steuerungsorgan des endokrinen Haushalt. Der Hypothalamus ist ein Teil des Zwischenhirns (Diencephalon). Über Liberine wird die Freisetzung von Hypophysenhormonen gefördert, über Statine gehemmt. Der Hypothalamus produziert auch selbst zwei sogenannte Effektorhormone (Vasopressin / Adiuretin und Oxytocin), die jedoch über das Infundibulum (Hypophysenstiel) in den Hypophysenhinterlappen transportiert werden und erst dort ausgeschüttet werden.

Hypophyse (Hirnanhangsdrüse)#

Die Hypophyse ist ca. erbsengroß (1g) und liegt auf der Schädelbasis (Sella turcica, Türkensattel) direkt über dem Sinus sphenoidalis.

Über den Hypophysenstiel (Infundibulum) ist sie mit dem Hypothalamus verbunden. Sie kann in zwei Anteile untergliedert werden:

  • Neurohypophyse (Hypophysenhinterlappen, HHL): schüttet Adiuretin / Vasopressin, Oxytocin aus = Effektorhormone. Diese werden NICHT in der Hypophyse gebildet und sind daher nicht-glandotrope Hormone!!!

    • Oxytocin: stimuliert Kontraktion von Uterus, Milchdrüsen und Samenkanälchen

    • Adiuretin / Vasopressin / ADH: stimuliert renale Wasserresorption, führt in hohen Konzentrationen zur Vasokonstriktion

  • Adenohypophyse (Hypophysenvorderlappen, HVL): = Steuerhormone

    • nicht-glandotrope Hormone: Somatotropin (STH) / Wachstumshormon (GH), Prolaktin, Melanotropin

      • Somatotropin: stimuliert Wachstum u.a.

      • Prolaktin: Stimuliert Brustdrüse u.a.

    • glandotrope Hormone: Follikelstimulierendes Hormon (FSH), Luteinisierendes Hormon (LH), Adenokortikotropes Hormon (ACTH), Thyroideastimulierendes Hormon (TSH)

Epiphyse (Zirbeldrüse)#

Auch Corpus pineale bzw. Glandula pinealis genannt. Hat ungefähr die Größe eines Maiskorns und die Form eines Pinienzapfens (daher der Name). Sie ist Teil des Zwischenhirns (Diencephalons). Produzent des Melatonins (Ausschüttung bei Nacht), reguliert den Tag- und Nacht-Rhythmus („biologische Uhr“). Die Produktion von Melatonin nimmt mit dem Alter ab.

Glandula thyroidea (Schilddrüse) und Glandula parathyroidea (Nebenschilddrüse)#

Die Schilddrüse liegt direkt vor dem Schildknorpel und ist zwischen 15 bis 60 → schwer. Sie wird in zwei Lappen unterteilt, die medial über einen Isthmus verbunden sind. Die Schilddrüsenhormone Thyroxin (T4) und Triiodthyronin (T3) stimulieren den Zellstoffwechsel. Zur Bildung von Thyroxin und Triiodthyronin benötigt der Körper Iod. Die C-Zellen der Schilddrüse produzieren Calcitonin, das den Blutkalziumspiegel beeinflusst (Senkung).

  • Thyroxin (inaktiv, 4 Iodmoleküle) und Triiodthyronin (aktiv, 3 Iodmoleküle): Steigerung des Stoffwechsels, der Herzfrequenz sowie der Herzkraft u.a.

  • Calcitonin steigert Calciumphosphat-Einlagerung in den Knochen und senkt daher den Blutkalziumspiegel.

Die Nebenschilddrüsen (Glandulae parathyroideae, insg. 4) sind ungefähr linsengroß sitzen jeweils auf den Schilddrüsenpolen. Sie beeinflussen mit ihrem Parathormon den Kalzium- und Phosphathaushalt. Parathormon ist der Antagonist des Calcitonins und stimuliert die Osteoklasten zum Knochenabbau und erhöht somit den Blutkalziumspiegel.

Nebennieren (Glandula adrenalis / suprarenalis)#

Die Nebennieren sind paarig und liegen auf dem oberen Pol der Nieren.

Die Nebennieren sind paarig und liegen auf dem oberen Pol der Nieren. Eine Nebenniere wiegt ca. 5 g. Innerhalb der Nebenniere kann man zwischen Nebennierenrinde und Nebennierenmark unterscheiden. Trotz ihrer Nähe zur Niere haben die Nebennieren keine Verbindung zum Harntrakt und erfüllen gänzlich andere Funktionen.

Die Nebenniere ist gegliedert in:

  • Nebennierenrinde: 80 %, produziert Steroidhormone. Von außen nach innen:

    • Zona glomerulosa: Mineralokortikoide (Aldosteron) → beeinflusst den Wasserhaushalt durch Kalium-Ausscheidung und Natrium-Rückgewinnung in den Nieren.

    • Zona fasciculata: Glukokortikoide (Kortisol) → reguliert Kohlenhydrat-, Fett- und Eiweißstoffwechsel; Sie erhöhen den Blutzuckerspiegel, senken die Lymphozytenzahl im Blut und hemmen die Phagozytose. Sie wirken daher entzündungshemmend und abwehrhemmend. Ihre Ausschüttung erfolgt über einen zirkadianen Rhythmus.

    • Zona reticularis: Androgene und Östrogene

  • Nebennierenmark: 20 %, Verbindungsstelle von vegetativem Nervensystem und Hormonsystem: Produktion von Adrenalin (80 %) und Noradrenalin (20 %), vgl. Adrenorezeptoren.

Pankreas (Bauchspeicheldrüse): Endokrine Funktion#

Zur allgemeinen Anatomie und exokrinen Funktion des Pankreas siehe Pancreas (Bauchspeicheldrüse).

Die Bauchspeicheldrüse bildet eine Kreuzungsstelle zwischen endokrinem und exokrinem System. Exokrin ist sie zuständig für die Bildung von Enzymen zur Fett- und Proteinverdauung, endokrin — in den Langerhans-Inseln (ca. 1-2 Mio. Stk.) — bildet sie:

  • in den B-Zellen (60 %): Insulin, bewirkt die Aufnahme von Blutzucker in die Zellen

  • in den A-Zellen (25 %): Glukagon, Antagonist von Insulin, bewirkt die Ausschüttung von Zucker aus den Zellen ins Blut und aktiviert die Glukoneogenese in der Leber, wobei Glykogen in Glukose umgewandelt wird.

  • in den D-Zellen (15 %): Somatostatin, beeinflusst die Ausnutzung von aus dem Darm aufgenommenen Nährstoffen

Die Hormine Insulin und Glukagon sind dafür verantwortlich, dass der Blutzuckerspiegel möglichst konstant ist (60-100 mg / 100 ml).

  • Insulin: fördert Glukoseaufnahme in die Zellen (senkt Blutzucker), fördert Speicherung aufgenommener Nahrung in Form von Glykogen und Fett, fördert Glykogensynthese in Leber.

  • Glukagon: fördert Glukoseausschüttung aus den Zellen (erhöht Blutzucker), mobilisiert Energiereserven während Hungerphasen bzw. Stress, fördert den Abbau von Glykogen in der Leber zu Glukose (erhöht Blutzucker).

Geschlechtsorgane#

Geschlechtshormone beeinflussen die Entwicklung der primären und sekundären Geschlechtsmerkmale, das Wachstum, die körperliche und seelische Reife sowie die Fortpflanzung.

  • Ovarien: Östrogene (Östradiol), Gestagene (Progesteron), Androgene (gering)

  • Plazenta: Progesteron, Choriongonadotropin

  • Hoden: Androgene (Testosteron, Dihydrotestosteron), Östrogene und Gestagene (gering)

Weitere Hormonbildner#

  • Nervensystem → Transmitter

  • Immunzellen: Zytokine, Lymphokine, Monokine

  • Niere: Erythropoetin, Renin

  • Leber: Angiotensin, Somatomedin

  • Gewebshormonproduzierende Zellen: z.B. Prostaglandin, Histamin

  • Herz: atriales natriuretisches Peptid (ANP) → in den Herzohren, Brain Natriuretic Peptide (BNP) → in den Herzventrikel