Narkoseeinleitung#

Syn.

Induktion; enl.: induction

Siehe auch

Die Narkoseeinleitung beim nicht-nüchternen Patienten wird unter Rapid Sequence Induction (RSI): Beim nicht-nüchternen Patienten besprochen.

Präoxygenierung#

Die Präoxygenierung erfolgt vor der Narkoseeinleitung mit dem Ziel, einen endtidalen Sauerstoffanteil von etO₂ ≥ 90 % und eine Sauerstoffsättigung SpO₂ ≈ 100 % zu erreichen. Dabei wird der Stickstoff in der funktionellen Residualkapazität der Lunge durch Sauerstoff ersetzt (Denitrogenierung). Dies erhöht den pulmonalen Sauerstoffvorrat und verlängert die “sichere Apnoezeit”, sodass während der Intubation mehr Zeit zur Verfügung steht, ohne dass die Sauerstoffsättigung relevant abfällt.

Standardmäßig erfolgt die Präoxygenierung über 3 min mit 100 % O₂ bei dicht sitzender Maske. Alternativ können 8 tiefe Atemzüge mit 100 % O₂ innerhalb von etwa 60 s ebenfalls ausreichend sein.

Eine besonders kurze sichere Apnoezeit findet sich bei adipösen PatientInnen, Kindern, Schwangeren, älteren PatientInnen sowie bei PatientInnen mit Lungenerkrankungen. Ursächlich sind unter anderem eine reduzierte funktionelle Residualkapazität, ein erhöhter Sauerstoffverbrauch (VO₂), Perfusionsstörungen sowie ein beeinträchtigter Gasaustausch. Besondere Aufmerksamkeit erfordern außerdem PatientInnen mit erwartet schwierigem Atemweg.

Narkoseeinleitung beim nüchternen Patienten#

Eine Narkoseeinleitung beim nüchternen Patienten folgt im Prinzip meist folgendem Schema:

  • Präoxygenierung bis etO₂ ≥ 90 %

  • Narkoseeinleitung (i.v.-Anästhetika)

Gefahr

Große Variabilität und Individualität bei Propofol-Dosis!

Die gleiche Propofol-Dosis kann sowohl zur zu seichten Narkose, als auch zur Reanimationspflichtigkeit aufgrund der Kreislaufdepression führen!

Praktische Beispiele#

Es gibt kein ultimativ-ideales Narkoseregime, die Auswahl sollte stets individualisiert und situationselastisch erfolgen. Tabelle Tab. 69 zeigt exemplarische Situationen aus dem klinischen Alltag.

Beispiel: W, 35a, Curettage

Plan

TIVA, gasfrei!

Vorbereitung

Propofol 1 %-Perfusor 50 ml

Einleitung
  • Präoxygenierung bis etO₂ ≥ 90 %, Fentanyl 0,200 mg, Propofol 200 mg aus Perfusor

Aufrechterhaltung

Propofol 1 % 45 ml / h

Beispiel: M, 65a, Hüft-TEP

90kg, ohne relevante Vorerkrankungen, SPA abgelehnt

Plan

AN mit ETI

Einleitung

Präoxygenierung bis etO₂ ≥ 90 %, Fentanyl 0,300 mg, Propofol 200 mg, Phenylephrin 0,050 mg, Rocuronium 30 mg (mind. 3 min Wartezeit)

Aufrechterhaltung

Sevofluran MAC65a 1, Remifentanil 1 mg / 50 ml (0,020 mg / ml) auf 10m l / h, adaptieren je nach Schmerzreiz

Beispiel: W, 90a, Hüft-TEP, SPA abgelehnt

60kg, ohne relevante Vorerkrankungen

Plan

AN mit ETI

Einleitung

Präoxygenierung bis etO₂ ≥ 90 %, Fentanyl 0,300 mg, Propofol 80 mg (sehr variabel!), Phenylephrin 0,100 mg, Rocuronium 25 mg (mind. 3 min Wartezeit)

Aufrechterhaltung

Sevofluran MAC90a 0,8-1 (variabel!), Remifentanil 1 mg / 50 ml (0,020 mg / ml) auf 10m l / h, adaptieren je nach Schmerzreiz

Beispiel: M, 45a, lap. Cholezystektomie

90kg, ohne relevante Vorerkrankungen

Plan

AN mit ETI, TIVA/BIVA

Obligat

EEG-basiertes Monitoring

Einleitung

Präoxygenierung bis etO₂ ≥ 90 %, Fentanyl 0,300 mg, Propofol 200 mg, Rocuronium 30 mg (mind. 3 min Wartezeit)

Aufrechterhaltung

Propofol 1 % 45 mg / ml, Remifentanil 1 mg / 50 ml (0,020 mg / ml) auf 45 ml / h, adaptieren je nach physiologischer Reaktion und EEG-Verfahren, Sevofluran 0,2 MAC45a

Bei Pressen oder erhöhtem intraabdominalen Druck Propofol- (10-20 mg) bzw. Remifantanil-Bolus (z.B. 0,020 mg)