Mechanische Reanimationstherapie

Mechanische Reanimationstherapie#

Zu tun

#1 Update auf ERC 2025 ausständig!

Diese Version ist veraltet.

Herzdruckmassage#

Die Herzdruckmassage (HDM) simuliert die mechanische Herzaktion und soll einen Minimalkreislauf erzeugen. Dabei wird das Herz von außen rhythmisch durch einen Helfer komprimiert, jeweils gefolgt von einer Entlastungsphase. Dadurch wird die natürliche mechanische Herzaktion simuliert und eine Zirkulation des Blutes erwirkt. Die möglichst ununterbrochene HDM ist neben einer kausalen Therapie die wichtigste Maßnahme im Rahmen der Reanimation und hat sehr großen Einfluss auf das Patienten-Outcome.

Die Herzdruckmassage muss daher so rasch als möglich beginnen und so unterbrechungsfrei wie möglich durchgeführt werden. Ebenso muss nach Abgabe eines Schocks durch den Defibrillator die Herzdruckmassage sofort weitergeführt werden: Auch wenn eine Defibrillation erfolgreich war, d. h. lt. EKG ein ordnungsgemäßer Herzrhythmus wiederhergestellt wurde, kann es einige Zeit dauern, bis das Herz wieder eine ausreichende mechanische Tätigkeit aufweist und ein ausreichender Spontankreislauf einsetzt 🗎 Sandroni 2008 🗎 Skhirtladze 2010.

Bemerkung

  • Die Unterbrechung der HDM durch den AED/Defibrillator soll insgesamt unter 5 s betragen!

Durchführung

Der Patient muss auf einer harten Unterlage (Reanimationsbrett, Boden, …) liegen, der Helfer kniet seitlich neben dem Thorax des Patienten und beugt sich über den Patienten. Der Brustkorb wird frei gemacht und der Druckpunkt für die Herzdruckmassage aufgesucht, dieser liegt in der Mitte des Brustbeins zwischen den Mamillen (beim Mann). Auf diesem Punkt wird ein Handballen gelegt, der Handballen der anderen Hand liegt am Handrücken der ersten Hand, direkt über dem Druckpunkt, die Finger werden ineinander verschränkt. Die Arme des Helfers sind durchstreckt und er drückt mit Hilfe seines eigenen Gewichts gerade nach unten mit einer Eindrücktiefe von 5—6 cm.[1]

Nach der Kompression erfolgt die passive vollständige Entlastung des Brustkorbs, ehe eine neuerliche Kompression beginnt.[2] Die Kompressions- und Entlastungsphasen sollen in etwa gleich lange dauern und nicht ruckartig ablaufen. Die Zielfrequenz der Herzdruckmassage beträgt 100 / min (bis max. 120 / min).

Druckpunkt: Mitte des Brustkorbs. Die Finger werden ineinander verschränkt, Druckpunkt: Mitte des Brustkorbs. Die Finger werden ineinander verschränkt,
die Arme durchgestreckt die Arme durchgestreckt
und Oberkörper nach vorne gebeugt: → Druck direkt auf Brustbein und Oberkörper nach vorne gebeugt: → Druck direkt auf Brustbein

Fig. 124 Bilderserie: Herzdruckmassage [© Lena Hirtler, ℓ MfG]#

Fehlerquellen#

  • Leerlauf: Die HDM muss möglichst ohne vermeidbare Unterbrechungen durchgeführt werden. Kritische Situationen sind üblicherweise:

    • Nach der Defibrillation

    • Nach Beatmungsversuchen

    • Bei Personalwechsel

    • Intubationsversuche

  • Ein herkömmliches Bett ist keine feste Unterlage.

  • Vermeidbare Verletzungen durch den Helfer, insbesonders wenn der Druck nicht direkt am korrekten Druckpunkt von oben ausgeübt wird; die Schultern des Helfers müssen sich direkt über dem Brustbein des Patienten befinden.

    Grundsätzlich sind aber manche Verletzungen, insbesonders Rippenfrakturen, auch bei korrekt durchgeführter Reanimation, meist unvermeidbar.

  • Ruckartiger Druck: Zu kurze Auswurfphase

Alternativen#

Thoraxkompressionsgeräte#

Die manuelle Herzdruckmassage kann auch automatisiert mittels eines Thoraxkompressionsgeräts durchgeführt werden. Studienmäßig konnte zwar kein klarer Vorteil bei der routinemäßigen Verwendung automatischer Thoraxkompressionsgeräte nachgewiesen werden, jedoch kann die Verwendung aus organisatorischen und logistischen Gründen sinnvoll sein (protrahierte Reanimation nach Lyse-Therapie, Laufende Reanimation während Bergung, Reanimation im fahrenden Fahrzeug bzw. im Hubschrauber, Reanimation während Verlegung auf eine Intensivstation oder Katheterlabor). Das ERC sieht diese Geräte als sinnvolle Möglichkeit an wenn die Durchführung einer anhaltend guten Herzdruckmassage nicht praktikabel ist oder die Sicherheit der Helfer gefährdet.

Extrakorporale Verfahren#

Extrakorporale Verfahren (Herz-Lungen-Maschine, Extra-Corporal Membrane Oxygenation (ECMO)) können mittels eines Gefäßzugangs, einer Pumpe und eines Oxygenators sowohl einen adäquaten Kreislauf, als auch eine adäquate Oxygenierung sicherstellen und somit die Funktion des Herzens und der Lunge übernehmen. Diese Technik ist sehr ressourcenintensiv, sowohl was die eigentliche Technik, als auch Schulung und Verfügbarkeit des Personals anbelangt, und somit spezialisierten Zentren vorbehalten. Die Definition der Indikationen bzw. die Nutzen-Risiko-Kosten-Abschätzung ist derzeit noch unklar, hierfür sind weitere Studien erforderlich