Basics des apparativen Monitorings

Basics des apparativen Monitorings#

Bei aller bis jetzt gezeigten Motivation — viele der im Folgenden vorgestellten Methoden sind aufwändig, komplikationsreich und/oder teuer. Somit will ein Einsatz von invasiven Methoden wohl überlegt und begründet sein.

Häufig ist, auch für Intensivpatienten, ein Basismonitoring bestehend aus Diurese, EKG, Pulsoxymetrie und Blutdruckmessung in Verbindung mit der klinischen Beurteilung vollkommen ausreichend.

Im Intensivsetting werden verschiedene Parameter routinemäßig überwacht:

  • Kontinuierlich: EKG, Herz- und Pulsfrequenz, periphere Sauerstoffsättigung, arterieller Blutdruck (“Makro-Werte”)

  • Im Intervall:

    • Messwerte: Temperatur, Diurese, Atemfrequenz, Blutzucker, …

    • Klinischer Status: Hautkolorit, Rekapillarisierung, Diaphorese, Vigilanz und Neurologie, …

Die jeweiligen Messwerte müssen jedenfalls immer im Kontext beurteilt werden:

  • Die Herzfrequenz wird von vielen anderen Faktoren beeinflusst: Tachykardie kann die Folge von Schmerzen, Angstzuständen, Arzneimitteln oder Arrhythmien sein und muss nicht unbedingt von einer reduzierten Vorlast oder einem verringerten Herzminutenvolumen herrühren

  • In ähnlicher Weise kann ein niedriger Blutdruck sekundär durch Medikamente oder Vasodilatation verursacht werden. Ein gemessener gleichbleibender Blutdruck bei aber steigender Dosierung von Vasopressoren kann eine Falle darstellen.

  • Ein normaler Blutdruck bei einem Bluthochdruckpatienten kann bereits auf einen Schockzustand hindeuten!

Basierend auf der Anamnese, Beobachtungen und Messwerten sowie den Erfahrungswerten des Behandelnden werden dann Theorien zur Kreislaufsituation des Patienten gebildet und die weitere Behandlung geplant. Besonders wichtig ist es dabei zu beurteilen, ob therapeutische Interventionen auch den erwarteten Effekt haben. Ist dies nicht der Fall, so ist das ein möglicher Hinweis darauf, dass mit den Standard-Monitoring-Maßnahmen die tatsächliche Kreislaufsituation des Patienten nicht abgebildet wird und umfangreichere Monitoringmaßnahmen notwendig sein können – oder man sich auf einem diagnostisch-/therapeutischen Holzweg befindet und besser die eigene Arbeitshypothese überdacht werden sollte.

Indikationen für ein erweitertes hämodynamisches Monitoring

Es gibt keine immer gültige, taxative Liste mit Indikationen für ein erweitertes hämodynamisches Monitoring, vielmehr ergibt sich die Notwendigkeit meist aus einer Summe von Faktoren. Dazu können gehören:

  • Kardiozirkulatorische Vorerkrankungen

  • Operationen mit großen zu erwartenden Flüssigkeitsverschiebungen

  • Volumsüberladung

  • “Goal targeted”-Behandlungsprotokolle

  • Ein Therapieerfolg entspricht nicht den Erwartungen: unerwartete (nicht-)Reaktionen auf empirische therapeutische Interventionen

Häufig ist es auch so, dass es ausser Frage steht, dass der Kreislauf kompromittiert ist, jedoch unklar ist, welche Teile des Kreislaufs ursächlich sind. Weiters kommt es im Behandlungsverlauf oft dazu, dass ein bereits identifiziertes Problem (z. B. Volumenmangel) anfangs fast unmerklich von einem anderen Problem abgelöst wird (z. B. Rechtsherzversagen durch Überwässerung). Auch in diesen Fällen ist ein entsprechendes erweitertes Monitoring sinnvoll um Ursachen zu identifizieren bzw. die Behandlung rechtzeitig anpassen zu können.