Invasive arterielle Blutdruckmessung (IABP)

Invasive arterielle Blutdruckmessung (IABP)#

Syn.: Invasive Arterial Blood Pressure (IABP)

Die invasive arterielle Druckmessung erfolgt durch die Kanülierung einer peripheren Arterie, i. d. R. die Arteria radialis, alternativ A. brachialis, femoralis oder dorsalis pedis. Die Arterienkanüle ist mit einem flüssigkeitsgefüllten, starren Schlauch- und Infusionssystem verbunden. In das System ist ein Druckabnehmer (Transducer) integriert, welcher die eigentliche Druckmessung durchführt. Jede systolische Kontraktion resultiert in einer Druckwelle innerhalb des Katheters und Schlauchsystems, welche vom Transducer registriert, gemessen und an den Monitor übermittelt wird. (Bein einer Resonanz < 40Hz wird die Blutdruckwelle überlagert; bei zu langen Leitungen, weichen Schläuchen oder Luftblasen im System kommt es zu einer Dämpfung un einer Behinderung der Druckwellenweiterleitung.)

Der Monitor zeigt i. d. R. eine Arterienkurve sowie numerische Drücke an. Die Arterienkurve an sich kann interpretiert werden und ist auch Ausgangspunkt für weitere Monitoringverfahren wie z. B. die Pulskonturanalyse.

Ermittelt werden somit:

  • Arterieller Blutdruck: systolisch, diastolisch, Mitteldruck Die IABP erlaubt die kontinuierliche Blutdruckmessung mit einer hohen Messgenauigkeit auch bei niedrigen Drücken.

  • Darstellung der Puls-Druckkurve:

    • manuelle Interpretation (Volumenstatus, Swing)

    • Darstellung hämodynamischer Auswirkungen von Rhythmusstörungen

    • Ausgangspunkt für Systeme zur Pulskonturanalyse

Neben der eigentlichen Blutdruckmessung eignet sich das System auch gut für die Abnahme von arteriellen Blutproben, insbesonders für die Blutgasanalyse (BGA).

Indikationen#

  • Hämodynamisch instabile Patienten, oder Patienten, bei denen eine Instabilität zu erwarten ist. Hierbei können Intervallmessungen zu unsicher sein und auf eine Änderung wird evtl. zu spät reagiert.

  • Patienten mit vasoaktiven Medikamenten

  • Perioperative Patienten mit erhöhtem Risiko, entweder aufgrund vorbestehender Komorbiditäten (Herz, Lungen, Anämie, …) oder aufgrund der Größe des Eingriffes an sich, insbesonders wenn mit einem großen Blutverlust oder anderen Volumsverschiebungen zu rechnen ist.

  • Gefäßzugang für wiederholte Blutgasanalysen und Laboruntersuchungen

Kontroverse

https://www.youtube.com/shorts/tVtJAzFjr3k

🗎 Muller 2025: Among patients with shock, results for death from any cause at day 28 indicated that management without early arterial catheter insertion was noninferior to early catheter insertion.

Kontraindikationen#

  • Infektionen an der Insertionsstelle

  • fehlende oder beeinträchtigte Kollateralzirkulation

  • pAVK

  • Gefäßshunt

Komplikationen#

  • Infektionen

  • Vasospasmus

  • Stenose, Ischämie

  • Blutungen, Blutverlust, Hämatome

  • Gefäßschäden, Bildung einer arteriovenösen Fistel

  • Nervenschäden

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Fig. 70 Ischämie der Akren nach Anlage eines arteriellen Katheters.#

Technik#

Bestandteile#

Ein arterielles Druckmesssystem besteht aus folgenden Teilen:

  • Einem Gefäßkatheter bzw. Kanüle als Zugang zum Gefäß.

  • Daran angeschlossen ist ein flüssigkeitsgefülltes Schlauchsystem mit einem starren Lumen, über welches die Druckimpulse aus dem Gefäß weitergeleitet werden. In dieses System ist integriert:

    • proximal eine Entnahmestelle für Blutproben, danach ein

    • Sperrhahn zum Verschließen des Schenkels distal der Entnahmestelle während einer Blutabnahme, dann eine

    • Vorrichtung zur Aspiration von Blut (Aspirator). Dann folgt nach einem relativ langem Schlauchsegment der

    • Transducer: Hier wird der Druck gemessen und in elektrische Signale umgewandelt , welche über ein Datenkabel weitergeleitet werden. In den Transducer ist ausserdem ein

    • Ventil zum Spülen des Systems integriert, sowie ein

    • Atmosphärenausgang um zwecks Kalibrierung eine Messung des Atmosphärendrucks als Nullreferenz zu ermöglichen. Vom Spülventil führt nun ein

    • Infusionsbesteck zu einem

  • Infusionsbeutel mit Spülflüssigkeit für das System (i. d. R. NaCl 0,9 %). Um einen höheren Druck als in der Arterie zu erreichen ist der Infusionsbeutel in einem

  • Druckbeutel eingelegt.

Zu tun

#16 FOTO: IBP Blutentnahmesystem

Handling des Transducers und Nullabgleich#

Um den arteriellen Blutdruck genau zu messen, muss das System korrekt eingerichtet sein. Bei liegenden Patienten wird der Transducer in der Regel auf Höhe des rechten Vorhofs positioniert. Wenn der Transducer relativ zum Katheter zu tief positioniert ist, übt die Flüssigkeit im Schlauch oberhalb des Transducers einen größeren Druck auf den Transducer aus und erzeugt einen falsch-hohen Druckwert. Wenn der Transducer relativ zum Katheter zu hoch positioniert ist, übt die Flüssigkeit im Schlauch über dem Transducer weniger Druck auf den Transducer aus und erzeugt einen falsch-niedrigen Druckwert. Die Position des Transducers sollte jedes Mal überprüft werden, wenn der Patient neu gelagert wird.

Das Messsystem muss anfangs gegen den Atmosphärendruck kalibriert (“genullt”, Nullabgleich) werden um einen Bezugspunkt für den Druck zu erhalten. Dazu wird der Absperrhahn zur Atmosphäre und zum Transducer hin geöffnet und der Monitor mittels Drücken des “Nullabgleich”-Knopfes auf den Atmosphärendruck als Nullbezugsdruck kalibriert. Anschließend wird der Absperrhahn zur Atmosphäre wieder geschlossen.

Bild

Fig. 71 Elektrische vs. mechanische Herzfunktion: EKG- (oben, grün) und Arterienkurve (unten, rot)#

Die vermeintlichen “großen” QRS-Komplexe sind in Wirklichkeit Artefakte durch eine Stimulationselektrode, demnach folgt ihnen auch keine Druckwelle.

© GaSe ℓ CC BY AUT 3.0

Zu tun

#17 FOTOS: IBP

  • Transducer

  • Abnahmesystem

  • Screenshot Arterienswing

  • Screenshot Nor-Undulation

Prüfung

  • Arterie zur invasiven Blutdruckmessung: kontinuierlich, hohe Messgenauigkeit auch bei niedrigen Drücken,

  • hämodyn. Auswirkung von Rhythmusstörungen, VIGILEO (Pulskonturanalyse),

  • BGA,

  • Volumenstatus (Swing); (Druckumwandler) Resonanz < 40Hz wird die Blutdruckwelle überlagert; Dämpfung durch zu langes, weiches System Druckwellenweiterleitung behindert.