Beutel-Masken-Beatmung

Beutel-Masken-Beatmung#

Der Beatmungsbeutel#

Zur Beutel-Masken-Beatmung wird ein selbstfüllender Beatmungsbeutel zusammen mit einer Gesichts-Beatmungsmaske in der richtigen Größe, je nach Gesichtsgröße bzw. -form, verwendet.

Selbstfüllender Beatmungsbeutel "Ambu Mark IV" mit Reservoir, O₂-Verbindungsschlauch, Bakterienfilter, Beatmungsmaske und aufgestecktem PEEP-Ventil

Fig. 11 Selbstfüllender Beatmungsbeutel “Ambu Mark IV” mit Reservoir, O₂-Verbindungsschlauch, Bakterienfilter, Beatmungsmaske und aufgestecktem PEEP-Ventil#

© Ch. Pallinger ℓ MfG

Ein Beatmungsbeutel besteht üblicherweise aus einem Luftzufuhrventil, einem selbstentfaltenden Balg und einem T-Stück mit einem Ventil. An der Luftzufuhr kann eine Sauerstoffleitung und ein Sauerstoffreservoir angeschlossen werden, um den Sauerstoffgehalt des Einatemgases zu erhöhen. Mit Hilfe eines Reservoirs, welches Sauerstoff während der Beatmungspausen zwischenspeichert, kann die O₂-Konzentration des Einatemgases weiter gesteigert werden.  [1]

Am T-Stück gibt es 3 Schenkel:

  • Einer kommt vom Beatmungsbalg,

  • einer führt zum Patienten und

  • einer zum Auslass.

Das Ventil des T-Stückes trennt die Ein- von der Ausatemluft des Patienten. Am Patientenschenkel soll ein Bakterienfilter und eventuell Messvorrichtungen (z. B. zur CO₂-Messung, vgl. Kapnometrie) angebracht werden. Er wird mittels Normanschluss mit einer Beatmungsmaske oder einem anderen Atemwegs-Device verbunden. Manche Systeme verfügen zusätzlich über ein Überdruckventil, welches bei Erreichen eines bestimmten Atemwegsdrucks öffnet um eine Mageninsufflation zu vermeiden.

Am Ausführungsschenkel kann ein PEEP-Ventil aufgesteckt werden. PEEP steht für Positive End-Exspiratory Pressure (positiver end-exspiratorischer Druck). Der PEEP sorgt dafür, dass am Ende der Ausatmungsphase (Exspiration) der Druck in den Atemwegen nicht auf 0 absinkt, sondern stattdessen ein positiver Druck aufrecht erhalten wird. Dadurch wird ein Kollaps der Alveolen verhindert. Bei der Maskenbeatmung ist zu beachten, dass der PEEP nur erreicht werden kann, wenn das Beatmungssystem luftdicht ist. Sobald die Maske nicht mehr dicht aufsitzt, verliert das PEEP-Ventil seine Wirkung, da die Ausatemluft unkontrolliert über die Leckage entweichen kann.

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Fig. 12 Beatmungsmasken unterschiedlicher Größen: 0, 2, 3/4, 5. Die Farben der Masken haben keine besondere Bedeutung.#

© Ch. Pallinger ℓ MfG

Technik der Beutel-Masken-Beatmung#

Im Gegensatz zur physiologischen Atmung, bei der der Patient Luft ansaugt, ist die Beutel-Masken-Beatmung eine Überdruckbeatmung. Sie erfolgt mittels eines Beatmungsbeutels und einer Beatmungsmaske in geeigneter Größe, welche dicht sitzend angelegt wird. Der Atemweg muss durch einfache oder geringinvasive Maßnahmen (Überstrecken des Kopfes, Esmarch-Handgriff, Guedel-Tubus, Wendel-Tubus etc.) geöffnet bzw. freigehalten werden.

Die Maske wird dann mittels CE-Griff angelegt, wobei das angespitzte Ende der Maske auf der Nase zu liegen kommt: Der Daumen und der Zeigefinger umschließen die Beatmungsmaske und bilden dabei die Form des Buchstaben “C”, die restlichen drei Finger heben das Kinn am Unterkiefer an und sind das “E”.

Bei der kontrollierten Beatmung wird die gesamte Atmung künstlich aufrecht erhalten; hingegen bei der assistierten Beatmung hat der Patient eine eigene Spontanatmung, die aber nicht ausreichend ist (zu langsam oder zu flach). Man unterstützt dabei die Atembemühungen des Patienten, indem man zusätzliche oder tiefere Atemhübe verabreicht.

Ein erwachsener Patient wird mit mit einem Volumen von maximal 500 ml beatmet, welches über eine Sekunde verabreicht werden soll (nicht stoßweise!). Dabei muss bedacht werden, dass das Füllvolumen eines Beatmungsbeutels deutlich größer ist, d. h. dass der Beutel keinesfalls restlos zusammengedrückt werden darf! Die Beatmung soll grundsätzlich in einer normalen Atemfrequenz (“Eigenfrequenz”) erfolgen.

CE-Griff CE-Griff
und überstreckter Kopf und überstreckter Kopf
Normalerweise wird bei der Überdruckbeatmung mit einem Beatmungsbeutel Luft in die Lunge gepumpt. Übersteigt der Druck den Öffnungsdruck der Speiseröhre (ca. 20 mbar), wird Luft auch in den Magen gepumpt. Normalerweise wird bei der Überdruckbeatmung mit einem Beatmungsbeutel Luft in die Lunge gepumpt. Übersteigt der Druck den Öffnungsdruck der Speiseröhre (ca. 20 mbar), wird Luft auch in den Magen gepumpt.

Fig. 13 Bilderserie: Die Technik der Beutel-Masken-Beatmung [© Lena Hirtler ℓ MfG]#

Gefahren

Der notwendige Überdruck kann zu Problemen führen, wie z. B. Überschreiten des Speiseröhren-Öffnungsdrucks von ca. 20 mbar und daraus folgender Magenbeatmung, Magenüberblähung und Erbrechen oder Lungenschäden. Es ist oft zu beobachten, dass (wahrscheinlich in Folge von Stress) Beatmungen zu schnell bzw. zu tief erfolgen (Hyperventilation). Dadurch kommt es zu einer respiratorischen Alkalose mit verminderter Sauerstoff-Abgabe an das Gewebe (vgl. Die Sauerstoffbindungskurve) und zu einer zerebralen Vasokonstriktion.