Echokardiographie#

Die Echokardiographie (“Echo”) wird in der Intensivmedizin zunehmend nur als diagnostisches Verfahren, sondern auch zur diskontinuierlichen hämodynamischen Überwachung eingesetzt. Mittels Echokardiographie kann man einerseits den Füllungszustand des Herzens und der zuführenden Gefäße, wie auch die eigentliche Herzleistung beurteilen und Rückschlüsse über die Inotropie ziehen. Darüber hinaus lässt sich damit auch oft kausale Diagnostik betreiben (Wandbewegungsstörungen, Klappenfehler etc.).

Transthorakale Echokardiographie (TTE)#

tl;dr

Ist die einzige verlässliche Methode zur Beurteilung des Füllungszustandes/Volumenstatus des Herzens. Es sind 2 Schnitte einzustellen:

  1. Transgastrische kurze Achse mit Querschnitt durch den linken Ventrikel (Füllung, Kissing endocards, Wandbewegungsstörungen, Kontraktilität)

  2. Vier-Kammer-Blick (mittösophageal)

Kontraktilität, Klappenmorphologie werden ebenfalls beurteilt.

Um einen Überblick über den Volumenstatus und die Herzleistung zu erhalten, haben sich folgende Schnitte bewährt:

  • apikaler 4-Kammer-Blick: Hier lassen sich die Ventrikel und z. T. auch die Vorhöfe gut miteinander vergleichen. Von dieser Position aus kann auch relativ einfach mittels eines 2-Kammer-Blicks das linke Herz dargestellt werden.

  • Darstellung und Kompression der V. cava inferior

  • Video: Echokardiographie-Einführungskurs von V. Kavalerchyk, OA Kardiologie der Helios Kliniken Schwerin. https://www.youtube.com/watch?v=0E5lXIrPMrc

Zu tun

Bilder Echo (TTE)

  • Echo-002.png

    Verschiedene transthorakale Echo-Schnitte

  • Vena-Cava-inferior_US.png

    Echo: Beurteilung der V. cava inferior

  • Echo-001.jpg

  • Echo-003.png

  • Echo-GlobaleHerzfunktion-AP4CH.jpg

    Vergleich der globalen Pumpleistung im 4-Kammer-Blick

  • Echo-SubkostalerBlick.png

    TTE subkostaler Blick

  • Echo-Ventrikel.png

    Kausale Diagnostik: Perikarderguss im Echo

Transösophageale Echokardiographie (TEE)#

https://link.springer.com/article/10.1007/s00134-017-4716-1

Die transösophageale Echokardiographie (TEE) wird in der Routine deutlich seltener durchgeführt als der transthorakale Zugang. Sie weist jedoch Eigenschaften auf, die ein „ideales“ hämodynamisches Überwachungssystem ausmachen 🗎 Vignon 2017:

Aufgrund der Nähe des Schallkopfs sowohl zum Herzen als auch zu den großen Gefäßen liefert die TEE eine durchwegs bessere Bildqualität als die transthorakale Echokardiographie (TTE). Zahlreichen Einschränkungen der Oberflächenultraschalluntersuchung wie Fettleibigkeit, Emphysem, Verbände etc. fallen weg, auch ist der Zugang zu bestimmten Strukturen anatomisch bedingt einfacher. In bestimmten klinischen Situationen identifiziert TEE schnell die Ursache eines Schocks (lokalisierter Perikardhämatome, Thromben, anhaltende Hypovolämie, Vasoplegie, rechts- oder linksventrikulärer systolischer Dysfunktion, …).

Neben der quantitativen Messung und Berechnung herkömmlicher hämodynamischer Parameter (linksventrikulären ejection fraction, stroke index, Kollapsibilitätsindex der oberen Hohlvene) ist auch die qualitative Schätzung und Einstufung hämodynamischer Parameter ein adäquater Einsatz. Dazu zählen z.B.:

  • linksventrikuläre systolische Funktion: normal, übernormal, mäßig deprimiert oder stark deprimiert,

  • Respiratorische Variation der Größe der oberen Hohlvene: null, mäßig (teilweiser Inspirationskollaps) oder deutlich (vollständiger Inspirationskollaps)

  • Rechte Herzkammer: normal, mäßig oder stark erweitert

Dieser qualitative Ansatz kann die Therapie z.B. bei septischen Patienten effizient steuern. Die größere Reproduzierbarkeit und größere Bedienerunabhängigkeit der TEE-Messungen ermöglicht dabei die genauere Überwachung der therapeutischen Interventionen: Beispielsweise können der Stroke Index und der Kollapsibilitätsindex der oberen Hohlvene vor und nach einer Flüssigkeitsbelastung seriell gemessen werden, und die linksventrikuläre systolische Funktion kann nach Einleitung eines Vasopressors oder einer inotropen Unterstützung neu beurteilt werden (Therapiekontrolle).

Ferner erlaubt die TEE die Identifizierung rechtsventrikulärer Dysfunktion als Ursache für Low-Flow-Zustände. Während bei fehlender Flüssigkeitsreagibilität eine “blinde” hämodynamische Überwachung auf Thermodilutionsbasis ein niedriges Herzzeitvolumen weder auf eine links- noch rechtsventrikuläre Insuffizienz zurückführen kann, erlaubt die TEE eine differenziertere Betrachtung und liefert relevante Informationen zur rechtsventrikulären Funktion.

Komplikationen#

🗎 Hauser 2018

  • Orale Verletzungen (Lippenprellung, Zungenriss, Zahnschäden, Heiserkeit)

  • Ösophagus: Odynophagie, Ösophagusvarizenblutung, Perforation

  • Herz-Kreislauf: Arrhythmien

Absolute und relative Kontraindikationen für die TEE.#

Absolute Kontraindikationen:

  • Ösophagusstriktur

  • Tracheo-ösophageale Fistel

  • Ösophagustrauma

  • Ösophagusoperation/Ösophagektomie

  • Magen-, Ösophagusperforation

Relative Kontraindikationen:

  • Ösophagus-/Magenvarizen

  • Barrett-Ösophagus

  • Zencker-Divertikel

  • Ösophaguskarzinom

  • Frühere thorakale Strahlentherapie

  • Mallory-Weiss-Riss

  • Koloninterposition

  • Frühere bariatrische Operation

  • Dysphagie

  • Koagulopathie/Blutungsstörung

  • Atlantoaxiale Gelenkerkrankung, die die zervikale Mobilität einschränkt

  • Schwere zervikale Osteoarthritis

  • Thorakales Aortenaneurysma