Arterieller Zugang

Arterieller Zugang#

Anlage#

Prüfungsrelevanz

Praktikum | ☑ Schriftliche Prüfung | ☑ PJ-Reife / OSCE

Die Anlage einer arteriellen Kanüle zur Druckmessung kann in direkter Punktionstechnik (analog zu einer peripheren Venenverweilkanüle) oder in Seldinger-Technik erfolgen. Ein typischer Punktionsort ist die A. radialis, alternativ sind aber auch andere Punktionsorte möglich (Aa. brachialis, ulnaris, femoralis, dorsalis pedis). Weiters kann die Punktion unter palpatorischer Kontrolle oder mittels Ultraschall (in-plane oder out-of-plane, siehe ASON Ultraschall) erfolgen. Bei der Auswahl des Punktionsortes sind die möglichen Komplikationen zu bedenken, insbesonders die Möglichkeit eines Gefäßschadens oder eines Vasospasmus. Ein modifizierter Allen-Test zur Kontrolle des Kollateralkreislaufs wird häufig empfohlen, ist aber als unzuverlässig zu betrachten[1].

Arterielle Kanülen nach der Seldinger-Technik Arterielle Kanülen nach der Seldinger-Technik
Arterielle Kanüle analog zu einem peripheren Venenverweilkatheter: Abweichend dazu verfügt diese arterielle Kanüle über einen Schiebeverschluss (rot). Arterielle Kanüle analog zu einem peripheren Venenverweilkatheter: Abweichend dazu verfügt diese arterielle Kanüle über einen Schiebeverschluss (rot).

Fig. 106 Übersicht: Verschiedene Arterienkanülen [© MrArifnajafov ℓ CC BY-SA 3.0]#

Im Folgenden ist die direkte Punktionstechnik am Beispiel der ultraschallkontrollierten Punktion der A. radialis in out-of-plane-Technik (, Querschnitt, “kurze Achse”) beschrieben:

Material

  • Arterienkanüle

  • Tupfer mit Hautantiseptikum mit remmanenter Wirkung

  • trockene Tupfer

  • steriles (!) Ultraschallgel

  • steriler Überzug für Ultraschallkopf

  • sterile Abdeckung, z.B. Lochtuch

  • Lokalanästhetikum: Lidocain 1 % ohne (!) Adrenalinzusatz ca. 1—2 mL in kleiner Spritze mit Subkutannadel

  • Fixierverband nach Hausstandard

  • Gespültes Druckabnahmesystem

  • Beistelltisch o. ä. mit steriler Unterlage: Keinesfalls Material in das Patientenbett legen!

  • Nadelabwurfbehälter

Vorgehen#

  1. Indikationsstellung

  2. Patientenkontakt, Patientenidentifikation, Aufklärung

  3. Anamnese: Allergien, Durchblutungsstörungen, Gefäßshunts, Gefäßstents, Gefäßschäden?

  4. Händedesinfektion

  5. Auswahl des Punktionsortes: Anwendung (z. B. OP-Gebiet, Lagerung) und Komplikationen bedenken

    Es kann sinnvoll sein, am gewünschten Punktionsort vorab die Arterie mittels Ultraschall und Doppler vor Beginn darzustellen (darstellbar? Tiefe, geradliniger Verlauf? Durchgängig, Thromben? Kollateralkreislauf?)

  6. Material vorbereiten

  7. Lagerung: Saugfähige flüssigkeitsdichte Unterlage, Hand auslegen und eher tief lagern, leichte Extension im Handgelenk, ggfs. Polster unter Handgelenk.

    Ggfs. Blutdruckmanschette an der jeweiligen Extremität deaktivieren!

  8. Ultraschallgerät positionieren und konfigurieren (Schallkopf, Tiefe)

  9. Händedesinfektion

  10. Sterile Handschuhe anlegen

  11. Desinfektion der Punktionsstelle mit alkoholischem Hautantiseptikum: 3× von innen nach außen, Einwirkzeit beachten!

    • idealerweise Hautantiseptikum mit remmanenter Wirkung (z.B. Octenidin-hältig)

  12. Sterile Abdeckung, z.B. Lochtuch

  13. Sterilen Überzug über Ultraschallkopf anlegen und Schallkopf nehmen, steriles Ultraschallgel auftragen, Seitenbestimmung

  14. Aufsuchen der Arterie im Ultraschall im Querschnitt, Verlauf nach proximal und distal verfolgen, ggfs. orientierend auch im Längsschnitt. Passende Punktionsstelle suchen. Die ideale Punktionstelle:

    • Arterie verläuft nicht zu tief

    • nach proximal langer gerader Verlauf

    • keine Verkalkungen

    • ausreichend weit entfernt vom Handgelenk

  15. Lokalanästhesie. Diese muss luftblasenfrei sein um den Ultraschall nicht zu stören! Eine intraarterielle Gabe von Lidocain ist unproblematisch. Lidocain wirkt auf Arterien spasmolytisch.

  16. Darstellung der Arterie mittig im Querschnitt

  17. Ggfs. Haut etwas spannen, Hautstich distal vom Ultraschallkopf im 45° Winkel.

  18. Darstellung der Kanüle im Ultraschall (s. ASON Ultraschall)

  19. Voranschieben in Richtung der Arterie und Durchstechen (oder selten: Punktion) der Arterie. Im Gegensatz zu Venen ist das Durchstechen einer Arterie aufgrund der dickeren Muskelschicht gut möglich. Die direkte Punktion und Einlage des Katheters ist grundsätzlich, aber oft nicht praktisch möglich.

  20. Wenn durchstochen: Mandrin etwas zurückschieben, langsam Katheter zurückziehen.

    • Bei Wiedereintritt des Katheters strömt Blut in die Sichtkammer.

  21. Mandrin fixieren und Katheter in das Gefäß vorschieben.

  22. Mandrin entfernen, Abwurf in Nadelabwurfbehälter. Es sollte heftiger, pulsierender, hellroter Blutfluss folgen.

  23. Schiebeklemme am Katheter schließen.

  24. Desinfizierende Reinigung mittels Hautantiseptikum mit remmanenter Wirkung

  25. Reinigung, Fixierung und Verband gem. Hausstandard.

  26. Luftblasen-freies Konnektieren des gespülten Druckabnahmesystems

  27. Öffnen der Schiebeklemme am Katheter und Spülen des Katheters. Wenn das System nicht ausreichend spült oder Blut zurück rinnt, auf Druck im Druckbeutel achten (>> RRsyst)!

  28. Kontrolle ob Material vergessen wurde, Materialentsorgung, Handschuhdesinfektion

  29. Transducer auf Herzhöhe befestigen

  30. Datenkabel mit Monitor verbinden, Nullabgleich durchführen (systemabhängig), Kurve am Monitor kontrollieren.

  31. Ultraschallgerät reinigen und desinfizieren.

  32. Patientenkontakt beenden

  33. Handschuhe abwerfen, hygienische Händedesinfektion

  34. Dokumentation

Bild

Fig. 107 Success: Arterielles System in situ an der A. radialis#

© Red Roan ℓ CC BY-SA 4.0

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Fig. 108 Ischämie der Akren nach Anlage eines arteriellen Katheters.#

Blutabnahme über ein Arteriensystem#

Prüfungsrelevanz

Praktikum | ☐ Schriftliche Prüfung | ☑ PJ-Reife / OSCE

Warnung

Die Blutabnahme über ein Arteriensystem ist eine aseptische Tätigkeit. Zur Verhinderung von Katheterinfektionen müssen die hygienischen Maßnahmen streng beachtet werden!

Schema eines Arteriensystems © StatPearls Publishing LLC., ℓ CC BY-NC-ND 4.0 Schema eines Arteriensystems © StatPearls Publishing LLC., ℓ CC BY-NC-ND 4.0
Blutentnahmesystem © Edwards Lifesciences, ℓ MfG Blutentnahmesystem © Edwards Lifesciences, ℓ MfG

Fig. 109 Arteriensystem#

Zu tun

#16 Foto: Blutentnahmesystem [© Edwards Lifesciences, ℓ MfG ]

  1. Händedesinfektion

  2. Material vorbereiten:

    • Blutabnahmesystem (Probenbehälter, passende Adapter je nach System)

    • Laboretiketten

    • Alkohol-getränkte Tupfer (2×)

    • 2 Nierentassen o. ä. (rein, unrein), alternativ Beistelltisch o. ä.: Keinesfalls Material in das Patientenbett legen!

  3. Patientenkontakt herstellen, Aufklärung (🞋 Prophylaxe des Delirs)

  4. Patientenidentifikation und Kontrolle aller Laboretiketten (Name, Geburtsdatum)

  5. Blutdruckalarm abstellen

  6. unsterile Handschuhe anlegen, Handschuhdesinfektion

  7. Desinfektion der Entnahmestelle

  8. Blut über Aspirator aspirieren, ggfs. Handlagerung anpassen

  9. Sperrhahn schließen

  10. Blutabnahme mit passendem Adapter an der Entnahmestelle durchführen

  11. Reinigung und Desinfektion der Entnahmestelle

  12. Sperrhahn öffnen

  13. Aspiriertes Blut rückführen

  14. System spülen: Spülventil öffnen bis das Schlauchsystem sauber gespült (“blutfrei”) ist. Wenn das System nicht ausreichend spült oder Blut zurück rinnt, auf Druck im Druckbeutel achten (>> RRsyst)!

  15. Spätestens jetzt Probebehälter mit Laboretiketten versehen.

  16. Material vollständig? Nichts im Patientenbett vergessen?

  17. Patientenkontakt beenden

  18. ggfs. Probenbehälter desinfizieren (bei Kontaminiation oder infektiösen Patienten)

  19. Probenbehälter versorgen, Material entsorgen

  20. Handschuhdesinfektion, Handschuhe abwerfen, Händedesinfektion

  21. Ggfs. Blutdruckalarm wieder einschalten

  22. Dokumentation

Gefahr

Keinesfalls Material in das Patientenbett legen!

“Vergessenes” Material kann Druckstellen erzeugen und zu schweren Dekubitus-Wunden führen!