Elektrotherapie#

Zu tun

#1 Update auf ERC 2025 ausständig!

Diese Version ist veraltet.

Das Herz ist die Pumpe des Blutkreislaufes und leistet eine beachtliche mechanische Arbeit, welche über elektrische Reize koordiniert wird (vgl. Reizleitungssystem). Ohne diese elektrischen Ströme kommt es zu keiner Muskelarbeit des Herzens und somit zum Kreislaufstillstand. Oft ist eine Störung der elektrischen Herzaktivität bzw. des elektrischen Herzrhythmus die primäre Ursache des Kreislaufstillstands.

Bei bestimmten Herzrhythmen (“schockbare Rhythmen”: (pulslose) ventrikuläre Tachykardie, Kammerflimmern) wird die Elektrotherapie angewendet, um den Rhythmus zu normalisieren. Man nennt diesen Vorgang elektrische Kardioversion[1]. Ein Sonderfall ist die Defibrillation, sie ist eine Kardioversion bei Kammerflimmern.[2]

Bemerkung

Die Defibrillation soll die normale elektrische Herztätigkeit wiederherstellen.

Defibrillatoren#

Geräte für die Defibrillation werden Defibrillator (Abk. Defi) genannt. Man unterscheidet dabei folgende Gerätekategorien:

Automatische und halbautomatische externe Defibrillatoren

(AED: Automatischer externer Defibrillator; SAED: Semi-automatischer externer Defibrillator, “Halbautomat”): Das Gerät analysiert das EKG und beurteilt, ob ein Schock abgegeben werden soll. Bei automatischen Defibrillatoren wird die Analysefunktion vom Gerät automatisch gestartet, diese Kategorie kann von Laienhelfern bedient werden. Bei halbautomatischen Geräten wird die Analyse manuell gestartet, sie sind für nicht-ärztliches Fachpersonal konzipiert. Die Schockauslösung erfolgt bei beiden Arten durch den Anwender. Ein Normsymbol weißt auf das Vorhandensein eines entsprechenden Gerätes hin.

Manuelle Defibrillatoren

Das Gerät zeigt das EKG an, der Anwender muss entscheiden, ob ein Schock abgegeben werden soll. Manuelle Defibrillatoren dürfen nur durch entsprechend ausgebildetes und befugtes (i. d. R. ärztliches) Personal angewendet werden. Viele Geräte verfügen auch über einen “Halbautomaten-Modus” ((S)AED-Modus), in welchem das Gerät als (S)AED verwendet werden kann.

Automatische implantierbare Defibrillatoren

können Patienten operativ – ähnlich einem Herzschrittmacher – implantiert werden (Abkz. ICD: Implantable Cardiac Device). Diese geben automatisch einen Schock ab, wenn sie eine defibrillationspflichtige Rhythmusstörung erkennen.

Grundsätzlich kann eine Reanimation auch beim ALS mittels AED durchgeführt werden. Es empfiehlt sich jedoch, sofern möglich, in den manuellen Modus zu wechseln, wenn geeignetes Personal zur Verfügung steht. Dadurch kann die Analysezeit drastisch reduziert werden und auf außerplanmäßige Situation flexibler reagiert werden (Intubation, …).

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Fig. 125 Multifunktionsmonitor mit integriertem Defibrillator (Corpuls³ ™)#

© Ch. Pallinger ℓ MfG

Elektrische Herzrhythmen#

Die Defibrillation ist nicht bei jeder Herzrhythmusstörung sinnvoll. Man unterscheidet daher schockbare und nicht-schockbare Rhythmen:

  • Schockbare Rhythmen

    • Kammerflimmern : Unkoordnierte, “wirre” elektrische Aktivität

    • Pulslose Ventrikuläre Tachykardie (PVT): Zu schneller Herzrhythmus, das Herz kann sich nicht ausreichend füllen, daher fehlt die Pumpleistung

  • Nicht-schockbare Rhythmen

    • Asystolie : Keine Elektrische Aktivität

    • Pulslose elektrische Aktivität (PEA): Darunter fallen sämtliche andere elektrische Herzrhythmen, bei welchen das Herz auf einen elektrischen Impuls nicht mit einer adäquaten mechanischen Reaktion antwortet, d. h. trotz elektrischer Herzaktivität kein Herzauswurf erfolgt.

Beim SAED übernimmt das Gerät die Beurteilung, ob ein elektrischer Herzrhythmus schockbar oder nicht-schockbar ist. Die Herzrhythmen werden im Kapitel Herzrhythmusstörungen, genauer besprochen.

Anbringen der Klebeelektroden © WMC:Andersat, Anbringen der Klebeelektroden © WMC:Andersat,
Bei der Analyse und Schockabgabe darf niemand den Patienten berühren! © Lena Hirtler, Bei der Analyse und Schockabgabe darf niemand den Patienten berühren! © Lena Hirtler,
Automatisierter Externer Defibrillator (AED) mit angeschlossenen Klebeelektroden für den Einmalgebrauch © WMC:Hborkyb, CC-BY-SA-2.5-US Automatisierter Externer Defibrillator (AED) mit angeschlossenen Klebeelektroden für den Einmalgebrauch © WMC:Hborkyb, CC-BY-SA-2.5-US
Normsymbol "AED" Normsymbol "AED"

Fig. 126 Bilderserie: Defibrillation#

Verwendung eines SAED#

Grundsätzlich ist jedes Gerät gemäß den Gebrauchsanweisungen des Herstellers zu verwenden. Allgemein lässt sich jedoch sagen:

  1. Herzdruckmassage läuft

  2. Positionierung des Geräts: Das Gerät wird in unmittelbarer Reichweite zum Patienten und Helfer positioniert, die Gerätetasche wird geöffnet.

  3. Gerät einschalten

  4. Klebeelektroden: Die Klebeelektroden sind Einmalprodukte und daher zusätzlich verpackt.

    1. Öffnen der Verpackung: Nach Öffnen der Schutzhülle werden die Kabel der Elektroden an das Gerät angeschlossen.

    2. Elektroden anbringen: Elektroden von der Schutzfolie abziehen und faltenfrei auf den Patienten kleben. Ist die Schutzfolie einmal abgezogen, darf die Elektrode nicht mehr abgelegt werden, da die Klebeschicht sonst verschmutzt und der Kontakt beeinträchtigt wird.

      Ggf. müssen die Brusthaare des Patienten vor dem Aufkleben abrasiert werden. Ein Einmalrasierer ist i. d. R. in der Gerätetasche vorrätig. Schlecht geklebte Elektroden (Falten) oder nicht abrasiertes, dichtes Brusthaar führen zu einem unnötig hohen elektrischen Widerstand im Stromfluss und machen die Elektroschocks daher ineffizient. Die Positionierung der Elektroden ist in Abbildung Figure-Defibrillation ersichtlich. Durch diese Positionierung ist sicher gestellt, dass ein Großteil des elektrischen Feldes zwischen den Elektroden durch das Herz läuft.Die Positionierung der Elektroden ist in Abbildung Figure-Defibrillation ersichtlich.

  5. Herzdruckmassage stoppen: Kommando “STOP!”

  6. Rhythmusanalyse: Analyse-Taste drücken. Die Analyse führt das Gerät nun selbständig durch. Es ertönt eine Warnung, z. B. “Analyse läuft! Patienten nicht berühren!”

    Der Patient (oder elektrisch leitende Gegenstände (z. B. Metalle, Wasser), die mit dem Patienten in direktem Kontakt stehen) dürfen nicht berührt werden.

  7. Nach der Analyse wird den Helfern per Sprachausgabe mitgeteilt, ob ein schockbarer oder ein nicht-schockbarer Rhythmus vorliegt.

    • “Schock empfohlen”:

      1. Der SAED lädt automatisch, eine Vollständige Ladung wird durch einen Signalton angezeigt.

      2. Warnen der Umgebung: “Achtung! Zurücktreten! Schockabgabe!”

      3. Sicherungsblick: Patient und Umgebung kontrollieren! Niemand darf den Patienten berühren!

      4. Mittels Betätigen der Schock-Taste (oft rot, oder mittels Blitz-Symbols gekennzeichnet) wird der Elektroschock ausgelöst werden. Achtung: Sicherungsblick muss bei Schockabgabe beibehalten werden!

      5. Kommando „START!“: Herzdruckmassage fortführen

    • “Kein Schock empfohlen”: Kommando „START!“: Herzdruckmassage fortführen

Verwendung eines manuellen Defibrillators#

Grundsätzlich ist jedes Gerät so zu verwenden, wie es der Hersteller in der Bedienungsanleitung vorschreibt. Manuelle Defibrillatoren sind meist Bestandteil eines Multifunktionsgerätes, welches oft zusätzliche umfangreiche Überwachungsmöglichkeiten bietet.

Therapieelektroden

Grundsätzlich sollen aufgrund der besseren elektrischen Eigenschaften Klebeelektroden verwendet werden, wie sie auch bei (S)AEDs zum Einsatz kommen.

Alternativ, oder bei älteren Geräten auch ausschließlich, können auch Hardpaddles verwendet werden. Diese bestehen aus 2 Elektroden als Aufsatzfläche und jeweils einem isolierten Haltegriff. Die Positionierung der Paddles am Körper des Patienten erfolgt wie bei den Klebeelektroden. Zusätzlich wird noch ein Elektrodengel benötigt, um den Leitungswiderstand herabzusetzen. Anders als in Filmen dargestellt, dürfen die Elektroden der Paddles keinesfalls gegeneinander gerieben werden um das Elektrodengel zu verreiben! Außerdem muss bei Verwendung von Paddles ein Anpressdruck von mind. 8 kg angewendet werden. Die Verwendung von Hardpaddles führt zu schlechteren Ergebnissen und soll daher nur wenn nicht anders möglich erfolgen ♛ ERC 2021 05.

Manueller Modus = manuelle Analyse

Viele manuelle Defibrillatoren besitzen einen (S)AED-Modus, welcher oft bei Starten des Geräts automatisch aktiviert ist. Wenn möglich, soll jedoch der manuelle Modus verwendet werden, da dadurch die Zeit für die Analyse des Rhythmus deutlich reduziert werden kann. Die Analyse erfolgt im manuellen Modus durch einen kompetenten und dazu befugten Helfer zum gleichen Zeitpunkt wie im (S)AED-Modus, also alle 2 min bzw. 5 Zyklen.

Auswahl der Energie

Im manuellen Modus ist die Auswahl der abzugebenden Energie möglich. Bei Erwachsenen ist bei der Defibrillation in der Regel der Maximalwert zu verwenden, dieser ist je nach Gerät und Impulsform unterschiedlich. Bei Kindern beträgt die Energie 4 J / kg Körpergewicht.

Synchronisation

Bei vorhandenen Kammerkomplexen im EKG kann eine Schockabgabe zu bestimmten Zeiten des Herzzyklus (“vulnerable Phase”) Kammerflimmern ausgelöst werden. Um dies zu verhindern, kann die Schockabgabe synchronisiert mit dem Herzzyklus erfolgen, der Defibrillator gibt dann den Stromstoß in einem gefahrlosen Intervall ab. Neuere Geräte verfügen oft über eine Rhythmuserkennung und “Auto-Sync”-Funktion, hier entfällt die manuelle Einstellung.

Warnung

Wird bei einem irregulären Rhythmus (Kammerflimmern) die Sync-Funktion aktiviert, kann das Gerät keine Kammerkomplexe erkennen und es erfolgt keine Schockabgabe!

Gefahr

  • Fehlströme: Der Defibrillator darf nicht in einer nassen Umgebung (Wasser, Regen, …) oder auf Metallunterlagen eingesetzt werden, da Wasser und die meisten Metalle elektrische Leiter sind. Dadurch sind Helfer bei der Schockabgabe gefährdet. Patienten, die aus dem Wasser gerettet werden, müssen daher vor der Schockabgabe abgetrocknet und auf trockenen Untergrund gebracht werden.

  • Brandgefahr: Der Defibrillator darf nicht in der Nähe von entzündlichen Substanzen oder in Umgebungen, in welchen Explosionsgefahr herrscht, eingesetzt werden!

  • Kinder: Viele Geräte dürfen bei Kindern erst ab einem bestimmten Körpergewicht oder Alter (je nach Herstellerangabe) eingesetzt werden.

  • Sauerstoffquellen: Während der Schockabgabe sind etwaige Sauerstoffquellen so weit wie möglich von den Elektroden weg zu halten (Richtwert ca. 1 m).

  • Interferenzen: Folgende Umstände können die Beurteilung des Herzrhythmus verfälschen:

    • Bewegungsartefakte: Eigenbewegung des Patienten, Herzdruckmassage, Manipulationen am Patienten, Manipulationen am Defibrillator oder Kabel, maschinelle Beatmung, Transport, sonstige Erschütterungen.

    • Elektromagnetische Felder: Bei Hochspannungsleitungen muss ein Abstand von mindestens 3 m gehalten werden.

    • Analyseprobleme (SAED): Interferenzen können die Analysefunktion stören, und somit eine Schockabgabe unmöglich machen.

  • Medikamentenpflaster müssen vor der Defibrillation entfernt werden.

  • Die Elektroden müssen ohne Lufteinschlüsse aufgeklebt werden.

  • Paddles: Bei Verwendung von Paddles (nicht empfohlen!) muss Elektrodengel und ein Anpressdruck von mind. 8 kg angewendet werden. Die Paddles dürfen nicht gegeneinander gerieben werden!

Zusätzliche Sicherheits- und Bedienhinweise sind in der Bedienungsanleitung des jeweiligen Geräts nachzulesen!

Lebensgefahr bei unsachgemäßer Anwendung!