Einleitung

13.1.1. Einleitung#

Der Begriff “Analgosedierung” setzt sich aus den beiden Komponenten Analgesie (“Schmerzbehandlung” bzw -unterdrückung) und Sedierung (Dämpfung des Bewusstseins). Der Übergang zu einer Allgemeinnarkose ist fließend, als Faustregel gilt, dass ein analgosedierter Patient leicht, oder zumindest auf Schmerzreiz, erweckbar ist.

Die Analgosedierung wird sowohl im ungeplanten Notfall, als auch bei geplanten Eingriffen und Interventionen, und auch in der Langzeittherapie bei Intensivpatienten eingesetzt. Beispiele für die Anwendungsbereiche sind:

  • Stress- und Angstreduktion, dadurch Senkung des Sauerstoffbedarfs

  • Akutbehandlung von starken Schmerzen v. a. durch Traumen

  • Ermöglichen von schmerzhaften Therapien:

    • Kardioversion, externe Schrittmachertherapie

  • Erhöhung der Patientencompliance bei unangenehemen Untersuchungen oder Therapien:

    • Gastroskopie, Koloskopie

    • Zusätzlich zur Lokalanästhesie, z. B. Schrittmacher- oder Port-à-Cath-Implantationen, Anlage von Drainagen, …

    • Anlage eines ZVK

    • nichtinvasive Atemtherapie (NIV)

  • Tubustoleranz bei endotrachealer Intubation

  • Notfalltherapie bei selbstgefährdenden Patienten

Bemerkung

Analgosedierung sorgt durch Stressreduktion für einen geringeren Sauerstoffbedarf (V̇O₂) des Körpers.

Die analgetische Komponente ist häufig ein durchgängiger Therapiebestandteil für den Patienten, z. B. in Form von oraler Schmerzmedikation, Schmerzpflaster etc. Im perioperativen bzw. intensivmedizinischen Setting kann diese Basiskomponente um weitere Maßnahmen ergänzt werden. Regionale Anästhesieverfahren (regionale Nerven- bzw- Plexusblockaden mit Kathetersystemen, Periduralkatheter etc.) stellen, je nach Situation, oft eine gute Option dar. Insbesonders wenn die Entlassung auf die Normalstation oder die häusliche Entlassung bevorsteht, kommen auch orale oder transdermale Analgetika zum Einsatz.

Während einer Intensivtherapie erfolgt die Basis-Analgosedierung meist intravenös, kontinuierlich über Perfusorspritzen und zusätzlich Bolus-weise vor geplanten schmerzhaften Prozeduren. Neuroleptika werden auch bei Intensivpatienten häufig enteral (über eine Magensonde) verabreicht.

Man unterscheidet nach der Dauer eine kurze (bis 24 h), eine mittellange (1–7 Tage) und eine lange (> 7 Tage) Analgosedierung. Ein frühes Weaning mit zeitgerechter Extubation verkürzt die Dauer des Intensivaufenthalts.

Achtung

Die Muskelrelaxierung mittels Muskelrelaxanz ist nicht Teil der Analgosedierung!

Grundprinzipien der Analgosedierung#

  • Kombination einer individuell titrierten Analgesie mit einer dem klinischen Bedarf entsprechenden Sedierung

  • Anpassung der Analgesie und Sedierung an das Erkrankungsstadium sowie an die festgelegten Therapieziele

  • Multimodale Analgesie mit Nichtopioidanalgetika, Koanalgetika oder Regionalanästhesie, soweit indiziert

  • Regelmäßige objektivierte Beurteilung von Schmerzen und Sedierungstiefe

Mögliche Probleme der Analgosedierung sind Obstipation, Atemdepression, kardiovaskuläre Depression, Toleranzentwicklung und Entzugssymptome. Die Wahl der Substanzen und Applikationswege sowie die Planung des Übergangs zu einer weniger invasiven Analgesie sind Bestandteile der individuellen Therapiestrategie.

Zur Schmerzerfassung siehe Analgesie, zur Sedierungstiefe Sedierung und zur praktischen Therapieplanung den Abschnitt § 13.1.4 “Praxis”.