Adaptive Support Ventilation: ASV#
Die Adaptive Support Ventilation (ASV) ist ein von Hamilton™ entwickeltes, geschlossen geregeltes Beatmungsverfahren, bei dem der Respirator das Beatmungsmuster kontinuierlich an die Atemmechanik und die spontane Atemaktivität des Patienten anpasst.
ASV kann sowohl bei vollständig kontrollierter Beatmung als auch bei vorhandener Spontanatmung eingesetzt werden. Mit zunehmender Eigenatmung des Patienten reduziert das System die maschinelle Unterstützung und kann dadurch den Übergang von kontrollierter Beatmung zum Weaning innerhalb desselben Beatmungsmodus ermöglichen.
Funktionsprinzip#
Als wesentliche Zielgröße wird ein gewünschtes Atemminutenvolumen (AMV) als Prozentsatz eines aus dem idealen Körpergewicht abgeleiteten Referenzwertes eingestellt (% MinVol).
Der Respirator misst kontinuierlich die Atemmechanik und bestimmt daraus ein geeignetes Verhältnis von Atemfrequenz (AF) und Atemzugvolumen (VT). Dabei wird nicht einfach ein fixes VT oder ein fixer inspiratorischer Druck vorgegeben, sondern ASV passt die Beatmungsparameter innerhalb definierter Sicherheitsgrenzen automatisch an die aktuelle Atemmechanik des Patienten an.
Zur Bestimmung einer möglichst günstigen Kombination aus Atemfrequenz und Atemzugvolumen verwendet ASV ein auf der Otis-Gleichung basierendes Modell. Ziel ist es, eine ausreichende alveoläre Ventilation bei möglichst geringer mechanischer Atemarbeit zu erreichen. Bei einer Veränderung von Compliance oder Resistance wird das Beatmungsmuster entsprechend angepasst. Bei einer obstruktiven Atemmechanik werden beispielsweise tendenziell niedrigere Atemfrequenzen und längere Exspirationszeiten gewählt, während bei restriktiver Atemmechanik eher kleinere Atemzugvolumina mit höherer Atemfrequenz resultieren.
Kontrollierte Beatmung und Spontanatmung#
Besitzt der Patient keine ausreichende Spontanatmung, appliziert ASV kontrollierte, druckkontrollierte Atemzüge. Der erforderliche inspiratorische Druck wird automatisch angepasst, um das berechnete Ziel-Atemzugvolumen und damit das angestrebte Minutenvolumen zu erreichen.
Bei vorhandener Spontanatmung werden die vom Patienten ausgelösten Atemzüge druckunterstützt, die Höhe der Druckunterstützung wird ebenfalls automatisch angepasst. Kontrollierte Atemzüge werden bei Bedarf zusätzlich appliziert, um die angestrebte Ventilation zu erreichen.
Damit kann ASV abhängig von der Patientenaktivität zwischen:
vollständig kontrollierter Beatmung
kontrollierter Beatmung mit spontanen Atemzügen
überwiegend druckunterstützter Spontanatmung
wechseln, ohne dass ein manueller Wechsel des Beatmungsmodus erforderlich ist.
Mit zunehmender Eigenatmung übernimmt der Patient einen größeren Anteil der Ventilation und die maschinelle Unterstützung wird entsprechend reduziert.
Einstellungen#
Im Vergleich zu klassischen Beatmungsmodi benötigt ASV nur wenige primäre Vorgaben durch den Anwender.
Wesentliche Einstellungen sind:
- Körpergröße und Geschlecht
Daraus wird das Ideale Körpergewicht errechnet, welches die Grundlage für die Berechnung des Referenz-Minutenvolumens und verschiedener Sicherheitsgrenzen darstellt.
- % MinVol
Zielwert für das Atemminutenvolumen als Prozentsatz des anhand des idealen Körpergewichts berechneten Referenz-Minutenvolumens. Der tatsächliche Ventilationsbedarf kann z. B. bei Fieber, Sepsis, erhöhtem Stoffwechsel, metabolischer Azidose oder ausgeprägtem Totraum deutlich vom errechneten Referenzwert abweichen.
- PEEP
wird grundsätzlich vom Anwender festgelegt.
- FiO₂
wird grundsätzlich vom Anwender festgelegt.
Die übrigen Parameter des Beatmungsmusters, insbesondere Atemfrequenz, Atemzugvolumen und inspiratorische Druckunterstützung, werden innerhalb der vorgegebenen Grenzen vom Respirator angepasst.
Bemerkung
ASV automatisiert insbesondere die Ventilation, nicht grundsätzlich die Oxygenierung. PEEP und FiO₂ müssen bei klassischem ASV weiterhin entsprechend der klinischen Situation eingestellt werden.
Erweiterte Verfahren wie INTELLiVENT-ASV können zusätzlich die Regelung von Oxygenierung und Ventilation automatisieren.