9.1.8. Thoraxtrauma#
Achtung
Dieser Abschnitt ist noch auf Sanitätshilfe-Niveau und muss noch inhaltlich erweitert werden! Mitarbeit ist gerne geshen. Bitte beachten Sie § 1.3.3: “Hinweise zur Mitarbeit und Einreichung von Beiträgen”.
Ein Thoraxtrauma bezeichnet eine Gewalteinwirkung auf den Brustkorb mit Verletzung des Brustkorbes bzw. der darin enthaltenen Organe. Thoraxverletzungen gelten als besonders gefährlich, da im Brustkorb (Thorax) lebenswichtige Organe (Herz, Lunge) und große Gefäße liegen. Darüber hinaus hat die Stabilität des knöchernen Thorax einen wesentlichen Einfluss auf die Atemmechanik.
Somit beinhaltet der Begriff sowohl Verletzungen des knöchernen Thorax, als auch Weichteilverletzungen der darin liegenden Organe.
Achtung
Man darf niemals aufgrund der äußeren Verletzungen auf die Schwere des Thoraxtraumas schließen, da schwere innere Verletzungen auftreten können! Oft ist von außen gar keine Verletzung erkennbar.
Symptome des Thoraxtraumas#
Durch die Verletzung des knöchernen Brustkorbes (Sternumfraktur, Serienrippenfraktur) kann ein instabiler Thorax resultieren: Die Atemmechanik ist stark beeinträchtigt, da sich die Lunge nicht mehr an den Rippen aufspannen kann. Es kommt folglich zu einer paradoxen Atmung, bei der sich der Brustkorb beim Einatmen senkt. Verletzt eine der gebrochenen Rippen die Pleura, oder reisst diese aufgrund der Gewalteinwirkung ein, ensteht ein Pneumothorax oder ein Spannungspneumothorax[1].
Der Patient leidet unter Atemnot und evtl. atemabhängigen Schmerzen. Evtl. kommt es zum Bluthusten. Bei der Inspektion des Brustkorbes können Prellmarken (z. B. von der Lenksäule eines KFZ) auffallen.
Im Brustkorb befinden sich einige lebenswichtige Organe und Strukturen, daher kann es zu schweren Begleitverletzungen kommen. Besonders erwähnenswert sind hierbei die Lunge, das Herz, die Aorta, die Luft- und die Speiseröhre. Auch die Organe des Oberbauches (Leber, Milz, …) liegen hinter den den Rippen und können ebenfalls verletzt sein. Häufig kommt es auch zu Blutungen in den Thorax (Hämatothorax).
Beim Pneumothorax befindet sich Luft im Pleuraspalts#
Ein Pneumothorax ist eine Luftansammlung im Pleuraspalt.
Zwischen Lungenoberfläche und innerer Thoraxwand herrscht beim Gesunden ein Unterdruck gegenüber dem äußeren Luftdruck. Die Lunge ist dadurch flexibel im Brustkorb aufgespannt. Beim Pneumothorax gelangt durch eine Verletzung Luft in diesen Pleuraspalt, welche den Unterdruck aufhebt und die Lunge fällt in sich zusammen und kollabiert (vgl. Anatomie: Atemmechanik und Pleura).
Man unterscheidet zwischen offenem Pneumothorax (Luft strömt durch eine Verletzung der Brustwand von außen in den Pleuraspalt) und geschlossenem Pneumothorax (Luft strömt durch eine Verletzung der Lungenoberfläche von innen in den Pleuraspalt).
Ist lediglich die lungenseitige Pleura verletzt, oder entsteht durch die Form der Wunde ein Ventilmechanismus bei dem keine Luft nach ausserhalb entweichen kann, entsteht durch die sich im Pleuraraum aufstauende Luft ein Überdruck. Im Extremfall drückt der Überdruck den Mittelfellraum mit dem Herz auf die Gegenseite, wodurch auch noch die gesunde Lungenhälfte und evtl. die Hohlvene komprimiert wird. Im schlimmsten Fall kann das Herz an seiner Bewegung gehindert werden. Tritt bei einem Pneumothorax ein derartiger Ventilmechanismus auf, spricht man vom Spannungspneumothorax .
Ein Pneumothorax kann auch ohne einer Verletzung auftreten. Diese Form des Pneumothorax nennt man Spontanpneumothorax und tritt am häufigsten bei jungen, hochgewachsenen und schlanken Menschen auf. Symptome des Spontanpneumothorax sind Schmerzen, Atemnot und Todesangst.
Pneumothorax. Beachte die Randlinie zwischen Lunge (unten, innen) und dem luftgefüllten Pleuraspalt (oben, außen)
Im Vergleich: Kompletter Pneumothorax der rechten Seite (auf dem Bild auf der linken Seite). Die Lunge ist kollabiert.
Diese unauffällige Stichverletzung hat einen Pneumothorax verursacht. Dieser Patient ist lebensgefährlich verletzt!
Fig. 169 Bilderserie: Spannungspneumothorax [© David Hauer, ℓ MfG]#
Maßnahmen: Pneumothorax#
- Taktik
Zeitkritisch! Vitale Bedrohung! Entlastungspunktion, zügiger Transport in eine geeignete Einrichtung
⛑ Basismaßnahmen - Standardmaßnahmen bei vital bedrohten Patienten, Besonderheiten:
Lagerung: Oberkörper hoch. Wenn stabile Seitenlage notwendig ist, dann Lagerung auf die verletzte Seite, damit die unverletzte Lunge nicht unnötig belastet wird.
Notarzt: Ein Pneumothorax kann mittels Drainage bzw. Punktion entlastet werden (ärztliche Maßnahme).
Verband bei offener Thoraxverletzung: Nicht luftdicht verbinden, es kann sonst ein Spannungspneumothorax entstehen! Steril abdecken.
Transportentscheidung: Schockraum
Rippenfraktur, Serienrippenfraktur und instabiler Thorax#
Eine Fraktur einer oder mehrerer Rippen ensteht typischerweise durch eine meist stumpfe Gewalteinwirkung auf den Thorax. Von einer Serienrippenfraktur spricht man, wenn mindestens drei benachbarte Rippen gebrochen sind.
Häufige Mechanismen sind z. B. ein Sturz auf den Thorax (insbesonders gegen einen Gegenstand oder eine Kante), Schlägereien (Knüppel!), oder Verletzungen durch einen Airbag.
Nach Rippenfrakturen kann es durch spitze Fragmente zu einer Lungenfell- oder Lungenverletzung kommen, die aufgrund einer Blutung (Hämatothorax) oder Ateminsuffizienz lebensgefährlich werden kann. Eine wesentliche Komplikation ist dabei die Entstehung eines Pneumothorax. Eine Röntgenuntersuchung und Verlaufskontrolle ist daher unbedingt erforderlich. Ebenso kann es zu einer Schädigung der Oberbauchorgane kommen.
Symptome#
Sind die Rippen an verschiedenen Stellen gebrochen oder gar zertrümmert, werden diese Teile bei der Einatmung nach innen gezogen und bei der Ausatmung nach außen gedrückt. Man bezeichnet dies (Brustkorb senkt sich bei der Einatmung) als paradoxe Atmung bei instabilem Thorax. Die Folge ist eine hochgradige Atemnot, außerdem treten (z.T. heftige) Schmerzen auf, die sich bei der Einatmung verstärken. Rippenbruchstücke können darunter liegende Organe verletzen. Es kann zu Lungeneinrissen, sowie Leber- und Milz- und Nierenverletzungen mit starken inneren Blutungen kommen. Der Blutverlust kann mehrere Liter betragen. In diesem Fall herrscht höchste Schockgefahr.
Gefahren#
Sternumfraktur#
Eine Fraktur des Brustbeins (Sternum) tritt vor allem bei nicht angeschnallten Fahrzeuglenkern auf, wenn der Brustkorb gegen das Lenkrad prallt. Meistens treten starke Schmerzen auf, gelegentlich lassen sich eine Delle oder eine Stufe tasten. Es kann zu Begleitverletzungen kommen.
Gefahren#
Aufgrund des Unfallmechanismus muss man immer an die Möglichkeit eines Pneumothorax oder einer Herzverletzung bzw. einer Herzbeuteltamponade denken. Bei der Herzbeuteltamponade kommt es durch Eintritt von Flüssigkeit (z. B. Blut) in den Herzbeutel zu einer Einschränkung der Füllung und Bewegung des Herzens.
Verletzung des Herzens und der großen Gefäße#
Verletzungen des Herzens und der großen Gefäße treten am wahrscheinlichsten bei Stürzen aus großer Höhe und Verkehrsunfällen mit Frontalaufprall und großer Geschwindigkeit auf, seltener bei Schuss- oder Stichverletzungen. Folgende Verletzungen sind typisch:
Aortenruptur: Durch einen Einriss der Aorta kommt es zu schweren inneren Blutungen. Siehe auch Abschnitt Weitere innere Verletzungen.
Herzkontusion: Hier kommt es durch Quetschungen der Herzmuskulatur zu Sickerblutungen. Bei Sternumfrakturen mit Herzrhythmusstörungen sollte man an eine Herzkontusion denken.
Herzbeuteltamponade: Es kommt zu einer Einblutung in den Herzbeutel, wodurch das Herz komprimiert wird und sich nicht mehr mit Blut füllen kann. Leitsymptome sind gestaute Halsvenen und schwerer Schockzustand (kardiogener Schock).
51.1. Thoraxtrauma#
Pathophysio: Rippenbrüche, Lungenkontusion mit Störung der normalen Atemmechanik (Ventilations- und Oxygenierungsstörung) und Erhöhung der Kapillarpermeabilität, Hämatothorax/Pneumothorax, Herabgesetzte FRC und Compliance, Ventilations/Perfusions mismatch mit intrapulm. Shunt und Hypoxämie. Blutverlust: Cardial, intrathorakal, extrathorakal Behinderung der Ventrikelfüllung durch Spannungspneumothorax, Pericardtamponade, Herzcontusion, Verletzung intracardialer Strukturen.
Klinik:
Äußere Verletzungszeichen, Prellmarken, offene Thoraxwunde, saugende Thoraxwunde, instabiler Thorax, Weichteilemphysem,
Obere Einflussstauung: gestaute Halsvenen
Hypoxie mit Dyspnoe, Schmerzen, einseitiges Atemgeräusch, Darmgeräusche im Thorax
Diagnose: C/P, CT, Echo, Bronchoskopie, Angio, EKG Barotrauma: geschlossener Mund bei Aufprall: Luft+Flüssigkeit bei Bronchialabriss. Therapie: Drainage, Bülau, Analgetika, OP, Sedierung, Beatmung, Atemtherapie, Physio.