9.1.13. Strom- und Blitzschlag#

Achtung

Dieser Abschnitt ist noch auf Sanitätshilfe-Niveau und muss noch inhaltlich erweitert werden! Mitarbeit ist gerne geshen. Bitte beachten Sie § 1.3.3: “Hinweise zur Mitarbeit und Einreichung von Beiträgen”.

Stromunfälle sind zwar selten, stellen jedoch für die Helfer eine große Herausforderung dar. Der Grund hierfür ist, dass bereits im Szeneüberblick die Gefahr eines möglichen weiteren Stromschlages erkannt werden muss! Erster Anhaltspunkt ist daher die Situation am Einsatzort. Typisch sind:

  • Spielende Jugendliche oder Arbeiter auf Eisenbahnwaggons

  • LKW-Hebekräne oder Bagger, die in Freileitungen geraten sind

  • Unachtsamer Umgang mit Elektrogeräten im Badezimmer

  • Unsachgemäße Reparatur von Elektrogeräten

  • Arbeitsunfälle (Elektriker, Heimwerker)

  • Verkehrsunfall mit herabhängenden Stromleitungen

  • Blitzunfall

Die erste Maßnahme muss daher immer dem Selbstschutz gelten:

  • Strom abschalten (lassen)! → Sicherungen, Abziehen des Netzkabels, NOT-AUS-Taste, Abschalten ganzer Anlagen durch den Fachmann, …

  • Sicherheitsabstand einhalten! Bei Hochspannungsleitungen sind dies mindestens 5 m.

  • Bahnanlagen sperren und sichern lassen!

  • Strom gegen Wiedereinschalten sichern (lassen)!

Die Einschätzung über das Ausmaß der Verletzung bzw. der vitalen Bedrohung ist bei Elektrounfällen sehr schwierig. Dies hat mehrere Gründe:

  1. Die Wirkung des Stromes im menschlichen Körper hängt von mehreren Faktoren ab:

    • Höhe der elektrischen Spannung (Volt, [1])

    • Stärke des elektrischen Stromes (Ampere, [2])

    • Stromart (Gleich- oder Wechselstrom)

    • Weg des Stroms durch den Körper

    • Kontaktwiderstand (feuchte Hände, Wasserlacke, …)

    • Einwirkzeit

    Meistens sind die Zahlenwerte dieser Faktoren im Einsatzfall jedoch nicht bekannt, sodass eine theoretische Abschätzung der Gefährdung praktisch nicht durchführbar ist.

  2. Die Strommarken (Verbrennungen an den Ein- und Austrittsstellen) sind i. d. R. klein, sodass die Schädigung im Körperinneren nicht abgeschätzt werden kann. Im Zweifelsfall muss man mit ausgedehnten inneren Verletzungen rechnen.

Die Orientierung an Symptomen ist für die Einschätzung der vitalen Bedrohung daher oft sinnvoller.

Symptome#

  • Szeneüberblick: Unfallmechanismus und Unfallhergang

  • Reizeffekte (Muskel-/ Nervenerregung):

    • Verkrampfung (kann den stromführenden Teil nicht loslassen)

    • Sensibilitätsstörungen

    • ZNS → Bewusstseinsstörung

    • Herzrhythmusstörungen (Kammerflimmern, evtl. als Spätfolge!)

  • Bewusstseinsstörungen bis Krampfanfälle oder Bewusstlosigkeit

  • Lähmungen (vorübergehend)

  • Thermische Schäden durch Wärmeentstehung

    • Strommarken (Ein-/ Austrittsverbrennung)

    • Lichtbogen: oberflächliche und tiefe Verbrennungen

    • Blitzfiguren an der Haut

  • Das eigentliche Ausmaß der Verletzung ist oft unsichtbar, da der Strom im Körperinneren – unterhalb des Hautmantels – viel Schaden anrichtet.

Spezielle Mechanismen und Situationen#

Stromüberlandleitungen (Hochspannungsleitungen)

Bei Überlandleitungen ist mit Hochspannung (380 000 V (380 kV)) zu rechnen. Ist eine Hochspannungsleitung gerissen und berührt den Boden, so ist besondere Vorsicht geboten! Da auch das Erdreich einen elektrischen Widerstand hat, gibt es in der Nähe der gerissenen Leitung im Boden einen Spannungsabfall. Bewegt man sich in großen Schritten auf das Kabel zu oder vom Kabel weg, so tritt zwischen den Füßen eine derart hohe Spannung auf, dass es zu einem Stromfluss über den menschlichen Körper von einem Fuß zum anderen Fuß kommen kann (Schrittspannung). Bei gerissenen Hochspannungsleitungen darf man daher keine großen Schritte machen, oder stromleitende Gegenstände (z. B. Metalle) berühren (vgl. Gefahrenzonen)!

Bahnanlagen

Die Eisenbahn arbeitet mit einer Oberleitungsspannung von 15 000 V, auch bei gesenktem Stromabnehmer oder Dieselfahrzeugen kann durch Kondensatorladung eine Spannung von bis zu 3 000 V anliegen (vgl. Gefahrenzonen: Appendix).

Im U-Bahnbereich werden Spannungen um die 700 V eingesetzt.

Blitzschlag#

Bei Gewitterblitzen treten Spannungen von Millionen von Volt und Stromstärken von bis zu 300 000 A auf. Trotzdem gibt es auch bei Blitzunfällen immer wieder Überlebende, da die Einwirkdauer extrem kurz (wenige Millisekunden) ist. Typische Symptome sind

  • Bewusstlosigkeit

  • Vorübergehende Lähmung

  • Blitzfiguren auf der Haut

  • Herzrhythmusstörungen

Maßnahmen: Stromunfälle#

⛑ Basismaßnahmen
  • Eigenschutz! Bevor der Patienten berührt wird, muss man sich vergewissern, dass der Patient keinen Kontakt mehr mit dem Stromkreis hat!

    Strom abschalten (lassen)! (Vgl. Appendix)

    • Gefahrenbreich beachten

    • Sicherheitsabstand

    • Schrittspannung und Spannungskegel beachten

    • Bahnanlagen sperren/sichern lassen

    • Schalter ausschalten, (Haupt-)Sicherung auslösen, Starkstrom/Hochspannung durch Fachmann abschalten bzw. erden lassen

    • Strom gegen Wiedereinschalten sichern!

    • Patient mit isolierendem Material aus dem Stromkreis befreien

  • Beurteilung der vitalen Bedrohung.

    Bei vitaler Bedrohung:

    Standardmaßnahmen bei vital bedrohten Patienten

  • Monitoring und Reanimationsbereitschaft: auf evtl. Herzrhythmusstörungen vorbereitet sein (bis zu 24 h Latenz)

  • Genaue Patientenuntersuchung → Eintritts- und Austrittsmarke

  • Hospitalisierung auch bei symptomlosen Patienten zur Überwachung

  • Stromverbrennungen wie Verbrennungen versorgen