9.1.3. Knochentrauma: Frakturen#

Achtung

Dieser Abschnitt ist noch auf Sanitätshilfe-Niveau und muss noch inhaltlich erweitert werden! Mitarbeit ist gerne geshen. Bitte beachten Sie § 1.3.3: “Hinweise zur Mitarbeit und Einreichung von Beiträgen”.

Allgemeines#

Ein Knochenbruch (Syn. Fraktur , lat. Fract.) ist eine Kontinuitätsunterbrechung eines Knochens mit Bildung von Fragmenten (Bruchstücken) 🗎 Pschyrembel 259.

Grundsätzlich wird zwischen zwei Arten von Knochenbrüchen unterschieden: Beim geschlossenen Knochenbruch ist die Haut über der Bruchstelle noch intakt, während beim offenen Knochenbruch[1] aufgrund der Gewalteinwirkung von außen die Haut über der Bruchstelle verletzt ist. Der Knochen muss dabei nicht herausragen[2].

Symptome : Frakturzeichen#

Erkennbar ist ein Knochenbruch anhand von klassischen Frakturzeichen. Dabei gibt es sichere und unsichere Frakturzeichen, welche in der Tabelle Frakturzeichen angeführt sind. Nicht immer kann die Diagnose eines Bruches gestellt oder ausgeschlossen werden.

Tab. 50 Frakturzeichen#

“Sichere” Frakturzeichen

Unsichere Frakturzeichen

  • Abnorme Beweglichkeit

  • Fehlstellung (abnorme Stellung, Verkürzung, Treppenbildung)

  • Knochenreiben (Krepitus)

  • Sichtbare freie Knochenteile (= offener Bruch)

  • Schmerz

  • Schwellung

  • Hämatom

  • Gestörte Funktion / Bewegungsunfähigkeit

Gefahren#

  • Starke Blutungen bis hin zum Schock Je nach betroffenen Knochen kann es zu unterschiedlich großen Blutverlusten kommen:

    Oberarm

    100–800 ml

    Unterarm

    50–400 ml

    Becken

    500–5000 ml

    Oberschenkel

    300–2000 ml (Schaftfraktur!)

    Unterschenkel

    100–1000 ml

    Die Blutung kann aus dem Knochenmark, zerrissener Muskulatur oder aus einem verletzten Gefäß kommen.

  • Fettembolie: Das gelbe Knochenmark, welches vor allem aus Fett besteht, kann v. a. bei Frakturen langer Röhrenknochen zu Fettembolien führen: Kleine Fetttröpfchen gelangen dabei in die Blutbahn und können eine Lungenarterie verstopfen, dadurch kommt es zu einer Lungenembolie (lungenembolie).

  • Begleitende Nervenverletzungen

  • Infektionsgefahr: Bei offenen Frakturen ist Keimfreiheit besonders wichtig, da die Gefahr einer lebenslangen Knochenmarksentzündung (Osteomyelitis) besteht! Wenn mögllich soll eine Wundfolie (z. B. OpSite) verwendet werden.

  • Kombination von mehreren Frakturen → großer Blutverlust

  • Schwere Muskelquetschung kann zu einem Sauerstoffmangel im Muskel führen (Kompartmentsyndrom)

Auch bei einer harmlos anmutenden Fraktur muss ein gründlicher Traumacheck durchgeführt werden, damit keine Begleitverletzungen übersehen werden. Dafür ist es unbedingt notwendig, dass der Patient entkleidet wird[3]. Beim Entfernen der Schuhe ist darauf zu achten, dass eine Person das Bein fixiert während eine andere Person den Schuh öffnet und schließlich mittels Stiefelgriff vorsichtig vom Fuß abzieht.

Fehlstellung einer Unterschenkelfraktur nach einem Verkehrsunfall (PKW gegen Fußgänger) in natura … © David Hauer, Fehlstellung einer Unterschenkelfraktur nach einem Verkehrsunfall (PKW gegen Fußgänger) in natura … © David Hauer,
… und in Röntgendarstellung © David Hauer, … und in Röntgendarstellung © David Hauer,
Nicht immer sind offene Frakturen spektakulär: Offene Fraktur des Mittelfingers © Ben Stephenson, Cleveland, OH, USA ℓ CC BY 2.0 Nicht immer sind offene Frakturen spektakulär: Offene Fraktur des Mittelfingers © Ben Stephenson, Cleveland, OH, USA ℓ CC BY 2.0

Fig. 167 Bilderserie: Offene Frakturen#

Maßnahmen: Fraktur#

Erkennen von großen Blutverlusten, Blutstillung, Steriles Abdecken, Einschätzen der vitalen Bedrohung, ggfs Schmerztherapie. Bei vitaler Bedrohung: Zeitkritisch, zügiger Transport. Bei stabilen Patienten: Schienung}

⛑ Basismaßnahmen
  • Blutstillung: Z. B. mit Beckengurt (Beckenfraktur)

  • Vitale Bedrohung einschätzen, ggfs. Standardmaßnahmen bei vital bedrohten Patienten. Ggfs. mit hypovolämischen Schock rechnen, Schockbekämpfung

  • Wundversorgung: Bei offenen Frakturen ist Keimfreiheit besonders wichtig, da die Gefahr einer lebenslangen Knochenmarksentzündung (Osteomyelitis) besteht! Wenn möglich soll eine Wundfolie (z. B. OpSite™) verwendet werden.

  • Kleidung und Schmuck von den betroffenen Gliedmaßen entfernen (Schwellung!)

  • Ggfs. Schmerztherapie (veranlassen)

  • Ruhigstellung/Schienung bei stabilen Patienten

  • Beurteilung von Durchblutung, Motorik und Sensibilität (DMS) an der betroffenen Extremität und an der Gegenseite

Spezielle Knochenbrüche#

Die beiden im Rettungsdienst am häufigsten anzutreffenden, speziellen Knochenbrüche sind die Schlüsselbeinfraktur und die Schenkelhalsfraktur.

Schlüsselbeinfraktur#

Die Schlüsselbeinfraktur entsteht meistens, wenn der Patient mit ausgestreckten Armen stürzt. Die große Gefahr dieser Fraktur liegt darin, dass die Schlüsselbeinarterie und -vene verletzt werden können. Die Ruhigstellung erfolgt einerseits durch ein Armtragetuch (Dreiecktuch) und andererseits durch Fixation des Arms am Oberkörper durch ein zweites Dreiecktuch.

Schenkelhalsfraktur#

Bei der Schenkelhalsfraktur handelt es sich um einen Bruch des Oberschenkelhalses. Meist sind ältere Menschen betroffen, die auf die Hüfte gestürzt sind. Symptome sind:

  • Starker Bewegungs- oder Stauchungsschmerz

  • Betroffenes Bein ist nach außen gedreht und verkürzt

  • Unfallhergang meist Sturz (auch an Kollaps denken!)

Die Versorgung erfolgt durch Rettung mittels Schaufeltrage und Ruhigstellung mittels Vakuummatratze. An große Blutverluste denken (Kontrolle der Vitalparameter)! Eventuell kann eine Schmerztherapie (Notarzt) notwendig sein.