4.5.7. Jet-Ventilation#
TwinStream™#
Das TwinStream-Gerät ermöglicht die Jet-Ventilation eines Patienten. Das Grundprinzip ist die sogenannte superponierte Hochfrequenz-Jet-Ventilation (Superimposed High Frequency Jet Ventilation, SHFJV). Dabei werden zwei Jet-Gasströme unterschiedlicher Frequenz gleichzeitig überlagert und über einen offenen Atemweg appliziert.
Das Beatmungsgas wird über eine feine Düse mit hohem Druck als schneller Gasstrahl (Jet) in die Trachea eingebracht. Die Inspiration erfolgt aktiv durch diese Gasimpulse. Die Exspiration erfolgt dagegen passiv über die elastische Rückstellkraft von Lunge und Thorax, da kein Cuff den Atemweg verschließt und der Atemweg offen bleibt.
Das Besondere am TwinStream-Gerät ist die Kombination aus einer niedrigfrequenten und einer hochfrequenten Jet-Ventilation.
- Niedrigfrequente Jet-Ventilation (NFJV)
Frequenz etwa 10–20/min
größere Einzelvolumina
erzeugt ein deutliches Inspirationsdruckplateau
vor allem verantwortlich für die effektive CO₂-Elimination
- Hochfrequente Jet-Ventilation (HFJV)
Frequenz etwa 100–1000/min (häufig etwa 600/min)
sehr kleine Einzelvolumina
erzeugt einen kontinuierlichen Drucksockel ähnlich einem intrinsischen PEEP
verbessert die Oxygenierung und unterstützt die Offenhaltung der Alveolen
Beide Jet-Ströme werden zeitlich überlagert (“superponiert”). Der hochfrequente Jet läuft kontinuierlich weiter, während die niederfrequenten Jet-Atemzüge darübergelegt werden. Dadurch entstehen zwei Druckniveaus:
ein niedrigeres Druckniveau durch den HF-Anteil (vergleichbar mit PEEP)
ein höheres Druckniveau während der NF-Inspiration (vergleichbar mit dem Spitzendruck)
Komponente |
Hauptfunktion |
|---|---|
NFJV |
Verbesserung der CO₂-Elimination durch größere Atemhubvolumina |
HFJV |
Verbesserung der Oxygenierung und Stabilisierung der Alveolen |
SHFJV (TwinStream) |
Kombination einer guten Oxygenierung mit effizienter Ventilation |
Eine reine Hochfrequenz-Jet-Ventilation kann zwar eine gute Oxygenierung gewährleisten, bei sehr hohen Frequenzen jedoch zu einer eingeschränkten CO₂-Elimination führen. Die zusätzliche niederfrequente Jet-Ventilation kompensiert dieses Problem.
- Vorteile und Einsatzgebiete
Die TwinStream™-Technik ermöglicht eine Beatmung bei offenem Atemweg ohne konventionellen Endotrachealtubus. Dies ist besonders vorteilhaft bei:
Larynxchirurgie
Trachealchirurgie
interventioneller Bronchoskopie
Der Operateur erhält ein freies Operationsfeld, während gleichzeitig eine ausreichende Oxygenierung und CO₂-Elimination aufrechterhalten werden können.
Fig. 56 TwinStream™#
Fig. 57 TwinStream™ Benutzeroberfläche#
Fig. 58 Auslässe#
Fig. 59 Konnektor#