15.1.16. Fentanyl#
- Spezialitäten, Markennamen
Fentanyl-Injektionslösungen verschiedener Hersteller; übliche Konzentration 0,050 mg / ml.
Fentanyl ist ein stark wirksames, lipophiles Opioidanalgetikum und selektiver Agonist am μ-Opioidrezeptor. Es wird insbesondere zur Analgesie im Rahmen von Anästhesie und Intensivmedizin eingesetzt.
- Wirkung
Starke Analgesie und Sedierungskomponente ohne eigenständige Sicherstellung einer ausreichenden Hypnose
Dosisabhängige Atemdepression und Dämpfung des Hustenreflexes
Vagotonie und Sympathikolyse mit möglicher Bradykardie
- Indikationen
Analgesie bei Einleitung und Aufrechterhaltung einer Allgemeinanästhesie
Analgesie im Rahmen einer Analgosedierung unter geeigneten Überwachungsbedingungen
Weitere Indikationen entsprechend der Fachinformation des verwendeten Präparats
- Kontraindikationen
Klinisch relevante Atemdepression ohne Möglichkeit zur Atemwegssicherung und Beatmung
Situationen, in denen eine Opioidgabe wegen fehlender Überwachungs- oder Interventionsmöglichkeiten nicht sicher durchführbar ist
- Dosierung
Erwachsene, i.v.: 0,050–0,200 mg als Einzelgabe. Dosis nach Indikation, Begleitmedikation, Kreislaufzustand und klinischer Wirkung titrieren.
Anästhesieeinleitung: 0,001–0,004 mg / kg i.v.; Indikations- und präparatespezifische Dosierung beachten.
Kinder, i.v.: 0,001–0,002 mg / kg, gegebenenfalls bis 0,005 mg / kg. Altersabhängige Zulassung und Dosisempfehlungen des jeweiligen Präparats beachten.
Dosisreduktion bzw. vorsichtige Titration: Bei höherem Lebensalter, reduziertem Allgemeinzustand, relevanter Organfunktionsstörung oder gleichzeitiger Gabe anderer zentral dämpfender Arzneimittel.
Intranasale Gabe: 0,0015 mg / kg
- Nebenwirkungen
Atemdepression bis Apnoe, insbesondere in Kombination mit Benzodiazepinen und anderen Sedativa
Thoraxrigidität (Rigidität der Atem- und Thoraxmuskulatur), insbesondere bei rascher i.v. Gabe oder höheren Dosen; Beatmung kann erschwert oder unmöglich werden
Bradykardie, Hypotonie
Übelkeit, Erbrechen, Obstipation, Harnverhalt
Miosis, Pruritus
Husten unmittelbar nach i.v. Gabe möglich
Kumulation bei wiederholter Gabe oder längerer Infusion
- Pharmakodynamik
Wirkmechanismus: Agonismus an μ-Opioidrezeptoren mit Analgesie, Atemdepression und weiteren opioidtypischen Effekten.
Kardiovaskulär: Vagotonie und Sympathikolyse können Bradykardie und Blutdruckabfall begünstigen.
Thoraxrigidität: Zentral vermittelte Muskelrigidität; rasche Injektion und hohe Dosen erhöhen das Risiko.
- Pharmakokinetik
Verteilung: Hohe Lipophilie mit rascher Umverteilung nach i.v. Bolusgabe.
Anschlagzeit: Klinische Wirkung nach i.v. Gabe innerhalb weniger Minuten; maximales Ausmaß der Atemdepression kann verzögert auftreten.
Eliminationshalbwertszeit: etwa 3–4 h
Metabolismus: Überwiegend hepatisch, insbesondere CYP3A4.
Kumulation: Bei wiederholten Boli oder Dauerinfusion verlängerte Wirkung durch Gewebeaufnahme und Rückverteilung möglich.
- Schwangerschaft und Stillperiode
Schwangerschaft: Nutzen-Risiko-Abwägung; transplazentarer Übertritt und mögliche fetale bzw. neonatale Atemdepression.
Geburtshilfe: Peripartale Anwendung einschließlich Sectio abhängig von Zeitpunkt, Dosis, Überwachung und neonataler Reanimationsbereitschaft.
Stillperiode: Übergang in die Muttermilch; Empfehlungen der konkreten Fachinformation beachten.
- Wechselwirkungen
Benzodiazepine, Hypnotika, Alkohol und andere zentral dämpfende Substanzen: verstärkte Sedierung und Atemdepression
CYP3A4-Inhibitoren: mögliche Erhöhung der Fentanyl-Exposition
CYP3A4-Induktoren: mögliche Verminderung der Wirkung
Serotonerge Arzneimittel: selten Serotoninsyndrom möglich
Warnung
Atemdepression und Thoraxrigidität Fentanyl nur unter geeigneter Überwachung und mit verfügbarer Atemwegssicherung sowie Beatmungsmöglichkeit anwenden. Bei ausgeprägter opioidinduzierter Thoraxrigidität können eine rasche Sicherung der Oxygenierung und gegebenenfalls neuromuskuläre Blockade erforderlich sein.
- Antagonisierung
Naloxon i.v. nach klinischer Wirkung titrieren.
0,040–0,080 mg i.v. als titrierte Anfangsgabe
Wegen der möglicherweise kürzeren Naloxon-Wirkdauer erneute Atemdepression beachten; wiederholte Gaben oder Infusion können erforderlich sein.