15.1.21. Ketamin, S- (Esketamin)#
- Spezialitäten, Markennamen
Ketanest S™; weitere Esketamin-Präparate. Unterschiedliche Wirkstoffkonzentrationen beachten.
Esketamin ist das S-(+)-Enantiomer von Ketamin und wirkt dosisabhängig analgetisch, sedierend und dissoziativ-anästhetisch. Die sympathomimetische Kreislaufwirkung ist bei katecholaminerschöpften Patienten nicht zuverlässig.
Gefahr
Unterschiedliche Konzentrationen im Handel!
- Wirkung
Dissoziative Anästhesie mit Analgesie und Amnesie
Bronchodilatation
Häufig Anstieg von Herzfrequenz und Blutdruck
Relativ geringe Atemdepression bei alleiniger Gabe; Atemwegsreflexe sind nicht zuverlässig erhalten
- Indikationen
Einleitung und Aufrechterhaltung der Allgemeinanästhesie, gegebenenfalls in Kombination mit anderen Anästhetika
Analgesie in Notfallmedizin und perioperativer Versorgung
Analgosedierung bei beatmeten Patienten
Therapierefraktärer Bronchospasmus bzw. Status asthmaticus als zusätzliche Therapie im Einzelfall
- Kontraindikationen
Erkrankungen, bei denen ein Blutdruck- oder Herzfrequenzanstieg eine erhebliche Gefährdung darstellt
Relativ bei akutem Koronarsyndrom, relevanter koronarer Herzkrankheit und dekompensierter Herzinsuffizienz
Relativ bei erhöhtem intrakraniellem Druck. Ein erhöhter ICP ist per se keine Kontraindikation mehr.
Erhöhter intraokulärer Druck und penetrierende Augenverletzungen
Psychotische Erkrankungen: Risiko psychotomimetischer Reaktionen berücksichtigen
Präeklampsie und Eklampsie
unbehandelte Hyperthyreose
Situationen, die einen relaxierten Uterus erfordern
- Dosierung
Analgesie, i.v.: 0,100–0,250 mg / kg, langsam titrieren
Analgesie, i.m.: 0,250–0,500 mg / kg
Anästhesieeinleitung: 0,500–1,000 mg / kg, i.v., abhängig von Begleitmedikation und Kreislaufsituation titrieren.
Kinder: 1–3 mg / kg i.v.
i.m.: 2–4 mg / kg, i.m.; Bei unkooperativem Kind: 5–12 mg / kg i.m.
Repetition: Nach Wirkung und Monitoring titrieren; z.B. halbe Initialdosis.
Bronchospasmus: 0,5–1 mg / kg, bis 2,5 mg / kg
- Nebenwirkungen
Tachykardie, Hypertonie; bei Katecholaminmangel auch Hypotonie und Kreislaufdepression
Hypersalivation, Übelkeit und Erbrechen
Psychotomimetische Aufwachreaktionen, Albträume, Halluzinationen
Nystagmus, erhöhter Muskeltonus und unwillkürliche Bewegungen
Atemdepression, Apnoe oder Laryngospasmus, insbesondere bei schneller i.v.-Gabe, Kombination mit Sedativa oder Atemwegsmanipulation
- Pharmakodynamik
Wirkmechanismus: Vorwiegend nichtkompetitiver Antagonismus am NMDA-Rezeptor. Kein primärer GABA-A-Agonismus.
ZNS: Dissoziation sensorischer Verarbeitung mit Analgesie und Amnesie.
Kreislauf: Überwiegend indirekte sympathomimetische Effekte; direkte negativ inotrope Wirkung kann bei Katecholaminmangel klinisch hervortreten.
Respiration: Bronchodilatation; Spontanatmung und Schutzreflexe können erhalten bleiben, sind aber nicht garantiert.
Racemat: Esketamin ist etwa doppelt so potent wie das Racemat Ketamin
- Pharmakokinetik
Wirkungseintritt: Nach i.v.-Gabe üblicherweise innerhalb von etwa 1 min; nach i.m.-Gabe verzögert.
Verteilung: Hohe Lipophilie, rasche Verteilung ins ZNS und anschließende Umverteilung.
Metabolismus: Hepatisch, unter anderem zu Norketamin.
Elimination: Überwiegend renal als Metaboliten.
Eliminationshalbwertszeit: Ungefähr 2–3 h; präparate- und patientenabhängig.
- Schwangerschaft und Stillperiode
Schwangerschaft: Strenge Indikationsstellung; geburtshilfliche Anwendung und fetale Risiken gemäß Fachinformation beurteilen.
Stillperiode: Präparatespezifische Fachinformation beachten.
- Anwendungshinweise
Atemwegssicherung, Beatmungsmöglichkeit und kontinuierliches Monitoring gewährleisten.
Unterschiedliche Konzentrationen im Handel: Ampulle und aufgezogene Konzentration vor Gabe prüfen.
Benzodiazepine können psychotomimetische Reaktionen vermindern, verstärken aber in Kombination das Risiko einer Atemdepression.
Anticholinergika zur Sekretreduktion nicht routinemäßig, sondern bei klinischer Indikation erwägen.
Warnung
Atemwegsreflexe Eine dissoziative Anästhesie garantiert weder freie Atemwege noch erhaltene Schutzreflexe. Auch unter Esketamin sind Apnoe, Aspiration und Laryngospasmus möglich.