15.1.44. Sufentanil#
- Spezialitäten, Markennamen
Sufenta®; weitere Sufentanil-Injektionspräparate.
Sufentanil ist ein hochpotentes, stark lipophiles Opioidanalgetikum mit ausgeprägter Wirkung am μ-Opioidrezeptor.
- Wirkung
Starke Analgesie und Sedierung; dosisabhängige Atemdepression.
Als Bestandteil einer Allgemeinanästhesie oder Analgosedierung einsetzbar.
Epidurale Analgesie bei dafür zugelassenen Präparaten.
- Indikationen
Analgetische Komponente der Allgemeinanästhesie.
Analgosedierung invasiv beatmeter Patienten auf der Intensivstation, abhängig von Präparat und Zulassung.
Epidurale Analgesie, einschließlich geburtshilflicher Anwendungen, abhängig von Präparat und Zulassung.
- Kontraindikationen
Schwere Atemdepression ohne Möglichkeit zur Atemwegssicherung und Beatmung.
Weitere präparatespezifische Gegenanzeigen, insbesondere für neuraxiale Applikation, gemäß Fachinformation.
- Dosierung
Allgemeinanästhesie, analgetische Komponente, i.v.: 0,0005–0,002 mg / kg als Bolus. Nach Anästhesieverfahren, Begleitmedikation und klinischer Wirkung titrieren.
Hochdosierte Opioidanästhesie, i.v.: 0,008–0,030 mg / kg sowie Repetitionsgaben von 0,0004–0,0005 mg / kg. Diese Dosierungen sind nur in einem entsprechend überwachten, beatmeten Anästhesiesetting zu erwägen und vor Übernahme präparatespezifisch zu verifizieren.
Analgosedierung auf der Intensivstation, i.v.: 0,00036–0,00102 mg / kg / h (entspricht 0,006–0,017 µg / kg / min). Nach Sedierungsziel, Analgesiebedarf und Organfunktion titrieren.
Epidurale Anwendung: Dosierung ausschließlich nach der Fachinformation des hierfür zugelassenen Präparats.
Sufentanil |
1 |
5 |
25 |
70 |
100 |
kg |
|---|---|---|---|---|---|---|
Bolus Anästhesie (Opiatkomponente) |
0,0005–0,002 |
0,003–0,010 |
0,013–0,050 |
0,035–0,140 |
0,050–0,200 |
mg |
Bolus (Mono-Anästhesie) |
0,0080–0,030 |
0,040–0,150 |
0,200–0,750 |
0,560–2,100 |
0,800–3,000 |
mg |
Repitition (bei Mono-Anästhesie) |
0,0004-0,001 |
0,002-0,003 |
0,010–0,013 |
0,028–0,035 |
0,040–0,050 |
mg |
Analgosedierung ICU |
0,006–0,017 |
0–1 |
1–2 |
µg / min |
||
Flußraten: Konzentration 20 mcg / ml |
||||||
0,000-0,001 |
0,000–0,000 |
0,01-0,02 |
0,02–0,06 |
0,03–0,09 |
mL / min |
|
0,02–0,05 |
0,09–0,26 |
0,45–1,28 |
1,3–3,6 |
1,8–5,1 |
mL / h |
|
Flußraten: Konzentration 50 mcg / ml |
||||||
0–0 |
0–0 |
0–0,01 |
0,01–0,02 |
0,01–0,03 |
mL / min |
|
0,01–0,02 |
0,04–0,1 |
0,18–0,51 |
0,5–1,4 |
0,7–2,0 |
mL / h |
|
- Nebenwirkungen
Atemdepression bis Apnoe; insbesondere bei Kombination mit anderen zentral dämpfenden Substanzen.
Bradykardie, Hypotonie.
Thoraxwandrigidität, insbesondere bei rascher intravenöser Gabe oder höheren Dosen.
Übelkeit, Erbrechen, Pruritus, Miosis, Harnverhalt und Obstipation.
Toleranz, körperliche Abhängigkeit und Entzugssymptomatik bei längerer Anwendung.
- Pharmakodynamik
Vollagonist am μ-Opioidrezeptor.
Analgesie, Sedierung, Atemdepression und verminderte gastrointestinale Motilität.
Kein Ersatz für eine gesicherte Hypnose bei Allgemeinanästhesie.
- Pharmakokinetik
Verteilung: Hohe Lipophilie mit rascher Penetration des Zentralnervensystems und anschließender Umverteilung.
Maximale Wirkung: Nach intravenöser Gabe mit etwa 2–3 min angegeben.
Metabolismus: Vorwiegend hepatisch, unter anderem durch N-Dealkylierung und O-Demethylierung.
Eliminationshalbwertszeit: 148–164 min; die klinische Wirkdauer ist von Dosis, Applikationsdauer und Umverteilung abhängig.
Ausscheidung: Überwiegend als Metaboliten; geringe unveränderte renale Ausscheidung.
Dauerinfusion: Verlängerte Wirkung durch Kumulation möglich.
- Schwangerschaft und Stillperiode
Schwangerschaft: Nutzen-Risiko-Abwägung; fetale bzw. neonatale Atemdepression bei systemischer Anwendung berücksichtigen.
Stillperiode: Präparatespezifische Fachinformation und klinische Exposition berücksichtigen.
- Anwendungshinweise
I.v. Anwendung nur bei verfügbarer Atemwegssicherung, Beatmung und kontinuierlichem Monitoring.
Bei Atemdepression gegebenenfalls Naloxon titrieren; auf erneute Atemdepression nach Abklingen der Antagonisierung achten.
Epidurale und intravenöse Präparate bzw. Konzentrationen nicht verwechseln.
- Wechselwirkungen
Benzodiazepine, Hypnotika, andere Opioide und Alkohol: additive Sedierung und Atemdepression.
CYP3A4-Hemmer können die Exposition erhöhen; klinische Überwachung und Dosisanpassung prüfen.
Zu tun
Fachliche Prüfung vor Freigabe
Die hochdosierte Opioidanästhesie (0,008–0,030 mg / kg) und die Wiederholungsdosen mit der präparatespezifischen Zulassung abgleichen.
Pädiatrische Dosierungen, epidurale Anwendung sowie Schwangerschaft und Stillzeit präparatespezifisch ergänzen.
Angaben zu aktiven Metaboliten und renalem Eliminationsanteil prüfen.