15.1.43. Succinylcholin#
- Spezialitäten, Markennamen
Suxamethonium; Lysthenon®.
Depolarisierendes Muskelrelaxans mit raschem Wirkungseintritt und kurzer Wirkdauer. Die Anwendung erfordert gesicherte Beatmungsmöglichkeit und ausreichende Anästhesietiefe.
- Wirkung
Anhaltende Depolarisation der motorischen Endplatte durch Agonismus an nikotinischen Acetylcholinrezeptoren.
Initiale Faszikulationen, anschließend schlaffe Lähmung (Phase-I-Block).
Keine analgetische oder hypnotische Wirkung.
- Indikationen
Erleichterung der endotrachealen Intubation, insbesondere bei Rapid Sequence Induction.
Kurzzeitige Muskelrelaxation bei entsprechendem anästhesiologischem Bedarf.
- Kontraindikationen
Bekannte oder vermutete Disposition zur malignen Hyperthermie.
Bestehende Hyperkaliämie oder erhebliches Risiko einer überschießenden Kaliumfreisetzung.
Bestimmte neuromuskuläre Erkrankungen, insbesondere Muskeldystrophien und Erkrankungen mit Denervierung bzw. vermehrter extrajunktionaler Acetylcholinrezeptor-Expression.
Nach ausgedehnten Verbrennungen, schwerem Trauma, Denervierung oder längerer Immobilisation: erhöhtes Hyperkaliämierisiko, typischerweise nach einer Latenz von etwa 24–48 h und unter Umständen über Wochen bis Monate.
Bekannter relevanter Butyrylcholinesterase-Mangel: Risiko einer erheblich verlängerten neuromuskulären Blockade; präparatespezifische Kontraindikationsformulierung prüfen.
Offene Bulbusverletzung: aufgrund möglichen Augeninnendruckanstiegs besondere Nutzen-Risiko-Abwägung und Fachinformation beachten.
- Dosierung
Erwachsene, Intubation: 1–1,5 mg / kg i.v.
Kinder: Dosierung alters- und präparatespezifisch; i.v. häufig 1–2 mg / kg, jedoch wegen des Risikos unerkannter Myopathien nur bei zwingender Indikation.
Präkurarisierung: Eine kleine Vorabgabe eines nicht-depolarisierenden Muskelrelaxans zur Verminderung von Faszikulationen ist umstritten; sie kann die Anschlagzeit verlängern und den Dosisbedarf verändern.
Bei relevanter Niereninsuffizienz ist insbesondere der Kaliumwert und das Vorliegen weiterer Risikofaktoren entscheidend; Niereninsuffizienz allein ist nicht mit einer generellen absoluten Kontraindikation gleichzusetzen.
- Nebenwirkungen
Hyperkaliämie bis zu malignen Arrhythmien und Herzstillstand
Bradykardie, insbesondere bei Kindern und nach wiederholter Gabe; weitere Dysrhythmien bis zur Asystolie
Triggerung einer malignen Hyperthermie.
Faszikulationen, postoperative Myalgien, CK-Anstieg, Myoglobinurie bzw. Rhabdomyolyse.
Anstieg des intraokularen und intragastralen Drucks; möglicher vorübergehender Anstieg des intrakraniellen Drucks
Verlängerte Apnoe bei verminderter Butyrylcholinesterase-Aktivität
Anaphylaktische Reaktionen
Phase-II-Block bei wiederholter Gabe
- Pharmakodynamik
Wirkungseintritt: etwa 45–60 s nach i.v. Gabe.
Klinische Wirkdauer: typischerweise etwa 3–10 min; individuell variabel.
Wirkmechanismus: Agonismus am nikotinischen Acetylcholinrezeptor der motorischen Endplatte.
Muskarinische Wirkungen können zur Bradykardie beitragen.
- Pharmakokinetik
Rasche Hydrolyse durch Plasma-Butyrylcholinesterase (Pseudocholinesterase).
Nur ein kleiner Anteil erreicht unverändert die neuromuskuläre Endplatte.
Bei genetisch bedingter oder erworbener verminderter Enzymaktivität verlängerte Wirkung bis zur prolongierten Apnoe möglich.
- Schwangerschaft und Stillperiode
Schwangerschaft: Anwendung bei entsprechender anästhesiologischer Indikation möglich; Fachinformation und geburtshilflichen Kontext beachten.
Stillperiode: Aufgrund rascher Hydrolyse ist eine relevante Exposition des gestillten Kindes unwahrscheinlich; präparatespezifische Fachinformation beachten.
- Anwendungshinweise
Kontinuierliches EKG-, SpO₂- und Kreislaufmonitoring; Beatmungs- und Intubationsbereitschaft.
Bei unerwartet prolongierter Blockade Sedierung und kontrollierte Beatmung bis zur ausreichenden Erholung fortführen.
Bei Verdacht auf maligne Hyperthermie sofortige Behandlung gemäß Maligne Hyperthermie.
Bei Risikokonstellationen für Hyperkaliämie alternatives Muskelrelaxans erwägen, beispielsweise Rocuronium.
Warnung
Anwendung bei Kindern und Jugendlichen Wegen des Risikos unerkannter neuromuskulärer Erkrankungen, insbesondere Muskeldystrophien, kann es zu lebensbedrohlicher Hyperkaliämie mit Herzstillstand kommen. Die Anwendung soll auf Situationen mit zwingender Indikation beschränkt bleiben.
Gefahr
Maligne Hyperthermie Succinylcholin ist eine Triggersubstanz der malignen Hyperthermie.
Siehe auch