15.1.5. Amiodaron#
- Spezialitäten, Markennamen
Amiodaron-hameln 50 mg / ml (150 mg / 3 ml), Konzentrat zur Herstellung einer Injektions-/Infusionslösung.
Amiodaron ist ein Klasse-III-Antiarrhythmikum mit zusätzlichen Klasse-I-, -II- und -IV-Eigenschaften. Bei präexzitiertem Vorhofflimmern (FBI-Tachykardie) besteht die Gefahr der Beschleunigung der Überleitung über die akzessorische Bahn bis zum Kammerflimmern.
- Wirkung
Antiarrhythmische Wirkung auf atriale und ventrikuläre Rhythmusstörungen
Verlängerung der Refraktärzeit und des QTc-Intervalls
Verlangsamung der sinuatrialen und AV-nodalen Erregungsleitung
- Indikationen
Atriale Arrhythmien, einschließlich Vorhofflimmern und -flattern, unter Berücksichtigung der konkreten Fachinformation
AV-nodale Tachykardien, unter Berücksichtigung der konkreten Fachinformation
Ventrikuläre Tachykardien und Kammerflimmern
Schockrefraktäres Kammerflimmern bzw. pulslose ventrikuläre Tachykardie während der Reanimation
- Kontraindikationen
Präexzitiertes Vorhofflimmern / FBI-Tachykardie (Gefahr von Kammerflimmern)
Sinusbradykardie, sinuatrialer Block und Sick-Sinus-Syndrom ohne Schrittmacher
Höhergradige AV-Überleitungsstörungen ohne Schrittmacher
Schilddrüsenfunktionsstörungen
Schwere arterielle Hypotonie, Kreislaufkollaps bzw. relevante kardiale Dekompensation außerhalb der Reanimation, insbesondere bei i.v. Bolusgabe
Schwangerschaft und Stillzeit, soweit nicht eine zwingende Notfallindikation vorliegt
Neugeborene bei benzylalkoholhaltigen Injektionspräparaten
Kombination mit bestimmten QT-verlängernden Arzneimitteln (präparatespezifische Fachinformation)
- Dosierung
Reanimation, schockbarer Rhythmus: 300 mg i.v./i.o. nach dem dritten Schock. Bei fortbestehendem schockbarem Rhythmus einmalig weitere 150 mg i.v./i.o. gemäß Reanimationsalgorithmus.
Sonstige tachykarde Rhythmusstörungen, i.v.: 5 mg / kg als Infusion über 20—120 min, verdünnt in 250 ml Glukose 5 %. Anschließend gegebenenfalls wiederholte Infusionen bis 1.200 mg / 24 h
Notfallinjektion außerhalb der Reanimation: 150—300 mg in 10—20 ml Glukose 5 % über mindestens 3 min; nur unter kontinuierlichem Monitoring und nach Maßgabe der Fachinformation.
Kinder und Jugendliche: Off-label. Initial 5 mg / kg über 20 min bis 2 h; anschließend 10—15 mg / kg / d. Bei Neugeborenen benzylalkoholhaltige Präparate vermeiden.
Niereninsuffizienz: keine Dosisanpassung.
Leberinsuffizienz: keine routinemäßige Dosisanpassung; Leberfunktion überwachen.
- Nebenwirkungen
Bradykardie, AV-Block, Hypotonie und proarrhythmische Effekte
QTc-Verlängerung, selten Torsade-de-pointes-Tachykardie
Hypo- oder Hyperthyreose
Pulmonale Toxizität bis zur Lungenfibrose
Hepatotoxizität bis zum Leberversagen
Schwere Hautreaktionen
- Pharmakodynamik
Klasse III: Blockade kardialer Kaliumkanäle; Verlängerung von Aktionspotential und Refraktärzeit.
Zusätzliche Effekte: Natriumkanalblockade (Klasse I), antiadrenerge Wirkung (Klasse II) und Calciumkanalblockade (Klasse IV).
AV-Knoten: Verlangsamung der Erregungsleitung; bei präexzitiertem Vorhofflimmern potenziell gefährlich.
- Pharmakokinetik
Verteilung: Hohe Gewebeaffinität, ausgeprägte Kumulation.
Eliminationshalbwertszeit: Etwa 20—100 d.
Elimination: Vorwiegend hepatisch/biliär; geringer renaler Anteil.
Wirkungseintritt: Nach i.v. Gabe etwa 15 min
Interaktionen: Hemmung mehrerer CYP-Isoenzyme und von P-Glykoprotein.
- Schwangerschaft und Stillperiode
Schwangerschaft: Strenge Indikationsstellung; Amiodaron passiert die Plazenta.
Stillperiode: Amiodaron geht in die Muttermilch über; Fachinformation beachten.
- Anwendungshinweise
I.v. Gabe unter EKG- und Blutdruckmonitoring.
Für die Verdünnung Glukose 5 % verwenden; präparatespezifische Kompatibilität beachten.
Außerhalb der Reanimation wegen Hypotonierisiko nach Möglichkeit kontrollierte Infusion statt schneller Bolusgabe.
- Wechselwirkungen
Andere QT-verlängernde Substanzen: erhöhtes proarrhythmisches Risiko.
Betablocker, Verapamil und Diltiazem: Bradykardie und AV-Block.
Digoxin und Flecainid: erhöhte Wirkstoffspiegel möglich.
Warfarin: verstärkte Antikoagulation möglich.
Hypokaliämie bzw. Hypomagnesiämie durch Diuretika, Kortikosteroide oder Amphotericin B: erhöhtes Arrhythmierisiko.
- Intoxikation
Symptome: Bradykardie, Hypotonie, AV-Block, QT-Verlängerung, ventrikuläre Arrhythmien.
Therapie: Intensivmedizinisches Monitoring, Kreislaufunterstützung, gegebenenfalls Pacing.
Dialyse: Nicht effektiv.
Gefahr
Amiodaron und präexzitiertes Vorhofflimmern Bei FBI-Tachykardie (Fast, Broad, Irregular) kann die AV-nodale Blockade die Überleitung über eine akzessorische Bahn begünstigen und Kammerflimmern auslösen. Amiodaron nicht zur Behandlung von präexzitiertem Vorhofflimmern verwenden. Bei hämodynamischer Instabilität elektrische Kardioversion. Bei stabilen Patienten kommen je nach Verfügbarkeit und Leitlinie andere Strategien infrage. Siehe auch Ajmalin.