15.1.47. Thiopental#
- Spezialitäten, Markennamen
Trapanal®; Thiopental-Natrium
Thiopental ist ein intravenöses Barbiturat-Hypnotikum mit raschem Wirkungseintritt, jedoch ohne analgetische oder ausreichende muskelrelaxierende Wirkung. Seine Bedeutung als Einleitungshypnotikum hat gegenüber Propofol und Ketamin abgenommen. Bei der Sectio caesarea wird es weiterhin als mögliche Einleitungssubstanz beschrieben.
- Wirkung
Hypnose, Sedierung und antikonvulsive Wirkung
Dosisabhängige Atem- und Kreislaufdepression
Senkung des zerebralen Sauerstoffverbrauchs, der zerebralen Durchblutung (CBF) und des intrakraniellen Drucks (ICP)
Keine Analgesie; bei subhypnotischen Dosen möglicherweise Hyperalgesie
- Indikationen
Intravenöse Narkoseeinleitung, insbesondere in ausgewählten klinischen Situationen
Narkoseeinleitung bei Sectio caesarea unter entsprechender Nutzen-Risiko-Abwägung
Antikonvulsive Therapie bei refraktärem Status epilepticus im intensivmedizinischen Umfeld (gesondertes Dosierungsschema)
- Kontraindikationen
Akute hepatische Porphyrie beziehungsweise entsprechende Porphyrieformen
Schock und ausgeprägte hämodynamische Instabilität
Dekompensierte Herzinsuffizienz beziehungsweise schwere Myokardinsuffizienz
Status asthmaticus beziehungsweise schwere bronchospastische Erkrankung
Besondere Vorsicht bei Hypovolämie, koronarer Herzkrankheit, akutem Myokardinfarkt, kompensierter Herzinsuffizienz, Asthma bronchiale, COPD sowie schwerer Leber- und Nierenfunktionsstörung
- Dosierung
Narkoseeinleitung: 2,5–5–7 mg / kg i.v., bei älteren, hypovolämen oder hämodynamisch gefährdeten Patienten langsam und reduziert dosieren
Kinder 5–8 mg / kg
Refraktärer Status epilepticus: Spezifisches intensivmedizinisches Protokoll erforderlich; keine Dosierung aus der Narkoseeinleitung ableiten
- Nebenwirkungen
Atemdepression bis Apnoe
Blutdruckabfall durch venöse Vasodilatation, verminderten venösen Rückstrom und negative Inotropie; reflektorische Tachykardie
Bronchospasmus, Histaminfreisetzung und Überempfindlichkeitsreaktionen
Venenreizung; schwere Gewebeschäden bei Paravasation oder intraarterieller Injektion
Porphyriekrise bei disponierten Patienten
- Pharmakodynamik
Positive allosterische Modulation des GABAA-Rezeptors mit Verlängerung der Chloridkanalöffnungszeit
Bei höheren Konzentrationen direkte Aktivierung des GABAA-Rezeptors möglich
Dämpfung zentralnervöser Aktivität einschließlich der Formatio reticularis
Zerebrale Vasokonstriktion mit Abnahme von CBF, zerebralem Blutvolumen (CBV) und ICP
Verminderung des zerebralen Sauerstoffbedarfs
- Pharmakokinetik
Wirkungseintritt: Etwa 15–45 s nach intravenöser Gabe
Dauer der hypnotischen Wirkung nach Einmalbolus: Etwa 5–15 min, hauptsächlich durch Umverteilung Bei wiederholter Gabe beziehungsweise Dauerinfusion ausgeprägte Kumulation und verlängerte Aufwachzeit
Eliminationshalbwertszeit: 5–10 h
Proteinbindung: Etwa 80%
Verteilung: Hohe Lipidlöslichkeit, rasche Penetration der Blut-Hirn-Schranke und Plazentagängigkeit Bei Azidose kann der nichtionisierte Anteil zunehmen
Metabolismus: Überwiegend hepatisch
Ausscheidung: Metaboliten vorwiegend renal, teilweise biliär
Kumulation: Bei wiederholten Bolusgaben oder längerer Infusion durch Gewebespeicherung und verlangsamte Elimination
- Schwangerschaft und Stillperiode
Schwangerschaft: Plazentagängig; Anwendung bei Sectio caesarea nach Nutzen-Risiko-Abwägung und geburtshilflich-anästhesiologischem Standard
Stillperiode: Präparatespezifische Fachinformation prüfen
- Wechselwirkungen
Additive Atem- und Kreislaufdepression bei Kombination mit Opioiden, Benzodiazepinen und anderen zentral dämpfenden Arzneimitteln
Inkompatibilitäten bei gemeinsamer intravenöser Verabreichung beachten
- Anwendungshinweise
Ausschließlich bei gesicherter Möglichkeit zur Atemwegssicherung und Beatmung verabreichen.
Injektionsgeschwindigkeit und Kreislaufreaktion engmaschig überwachen
Die alkalische Thiopental-Lösung darf nicht unkritisch mit anderen Arzneimitteln gemischt oder über denselben ungespülten Zugang verabreicht werden
Nicht mit Rocuronium, Succinylcholin, Midazolam, Alfentanil oder Sufentanil in derselben Spritze mischen beziehungsweise ohne ausreichende Spülung über denselben Zugang verabreichen (präparatespezifische Kompatibilität prüfen)
Warnung
Paravasation und intraarterielle Injektion können schwere Gewebeschäden bis zur Nekrose verursachen.