Piritramid

15.1.36. Piritramid#

Spezialitäten, Markennamen

Dipidolor® 7,5 mg / ml Injektionslösung; Piritramid-hameln 7,5 mg / ml.

Piritramid ist ein stark wirksames Opioidanalgetikum mit vergleichsweise langer Wirkdauer mit relativer Potenz von 0,7.

Wirkung
  • Analgesie bei starken und stärksten Schmerzen.

  • Sedierende und antitussive Wirkung.

Indikationen
  • Starke und stärkste Schmerzen, insbesondere postoperative, traumatische und tumorbedingte Schmerzen.

Kontraindikationen
  • Komatöse Zustände.

  • Zustände, bei denen eine Atemdepression unbedingt vermieden werden muss, insbesondere schwere Atemstörungen.

  • Akute hepatische Porphyrie.

  • Säuglinge (gemäß Dipidolor-Fachinformation).

  • Gleichzeitige Anwendung von MAO-Hemmern bzw. zeitlicher Mindestabstand gemäß Fachinformation prüfen.

Dosierung
  • Erwachsene, i.v.: 7,5–22,5 mg langsam i.v. (maximal 10 mg / min), wenn ein besonders rascher Wirkungseintritt erforderlich ist.

  • Erwachsene, i.m. oder s.c.: 15 mg; gegebenenfalls dieselbe Dosis innerhalb von 30 min nachinjizieren (Dipidolor-Fachinformation).

  • Kinder und Jugendliche, i.v.: 0,050–0,100 mg / kg langsam i.v.

  • Kinder und Jugendliche, i.m. oder s.c.: 0,050–0,200 mg / kg.

  • Wiederholung: Bei erneut auftretenden Schmerzen in der Regel nach 6–8 h; Dosissteigerungen wegen Kumulations- und Atemdepressionsrisiko vorsichtig vornehmen.

  • Dosisreduktion: Bei älteren, kachektischen oder geschwächten Patienten sowie bei eingeschränkter Leber- oder Nierenfunktion die Anfangsdosis reduzieren.

Nebenwirkungen
  • Atemdepression bis Atemstillstand, Sedierung und Bewusstseinsstörung.

  • Übelkeit, Erbrechen, Obstipation.

  • Hypotonie, Schwindel.

  • Harnverhalt, Pruritus.

  • Toleranzentwicklung und Abhängigkeit bei wiederholter Anwendung.

Pharmakodynamik
  • Agonist am μ-Opioidrezeptor.

  • Wirkungseintritt: I.v. etwa 1–2 min; i.m./s.c. etwa 10–15 min.

  • Wirkdauer: Etwa 5–8 h.

Pharmakokinetik
  • Proteinbindung: Etwa 95 %.

  • Metabolismus: Hepatisch, überwiegend über CYP3A4.

  • Eliminationshalbwertszeit: Etwa 4–10 h; nach längerer Anwendung deutlich verlängert (bis etwa 17 h beschrieben).

  • Kumulation: Bei wiederholter Gabe möglich, insbesondere bei reduzierter Clearance.

Schwangerschaft und Stillperiode
  • Schwangerschaft: Nur bei zwingender Indikation; Risiko einer neonatalen Atemdepression bei geburtsnaher Anwendung.

  • Stillperiode: Anwendung und gegebenenfalls erforderliche Stillpause anhand der aktuellen präparatespezifischen Fachinformation beurteilen.

Wechselwirkungen
  • Benzodiazepine, andere Sedativa, Alkohol und weitere zentral dämpfende Arzneimittel: verstärkte Sedierung und Atemdepression.

  • CYP3A4-Hemmer: erhöhte Piritramidexposition und verlängerte Wirkung möglich.

  • MAO-Hemmer: Kombination vermeiden; Vorgaben der Fachinformation beachten.

Anwendungshinweise
  • Nach parenteraler Gabe Atemfrequenz, Oxygenierung, Sedierungstiefe und Kreislauf überwachen.

  • Möglichkeit zur Atemwegssicherung, Beatmung und Opioidantagonisierung sicherstellen.

  • Antagonist: Naloxon; aufgrund kürzerer Antagonistenwirkung auf erneute Atemdepression achten.

Warnung

Verzögerte Atemdepression Bei wiederholter Gabe und bei CYP3A4-Hemmung besteht ein erhöhtes Kumulationsrisiko. Auch nach zunächst ausreichender Analgesie ist eine verzögerte Atemdepression möglich.

Zu tun

Redaktionelle Prüfpunkte

  • Die Originalfassung nennt Dosierungen in ml ohne Konzentrationsangabe. Für Dipidolor 7,5 mg / ml entsprechen 1–2 ml i.v. 7,5–15 mg und 2–4 ml i.m. 15–30 mg. Die hier angegebene i.m.-Einzeldosis von 15 mg entspricht der aktuellen Dipidolor-Fachinformation; Piritramid-hameln nennt 15–30 mg.

  • Die Originalabkürzungen „KK“ und „SK“ sind nicht eindeutig erläutert. Stattdessen wurden die altersabhängigen Dosierungen der Fachinformation nach Applikationsweg übernommen.

  • Die aktuelle Dipidolor-Fachinformation ist hinsichtlich der vollständigen Gegenanzeigen, insbesondere MAO-Hemmern, sowie Schwangerschaft und Stillperiode vor Freigabe im Volltext nochmals zu prüfen.

  • Pädiatrische Altersgrenzen sind präparatespezifisch zu prüfen; für Neugeborene und Säuglinge besteht ein erhöhtes Risiko durch verminderte Clearance.

  • Quellen: Österreichische Fachinformation Dipidolor 7,5 mg / ml, https://aspregister.basg.gv.at/document/servlet?action=show&type=DOTC_FACH_INFO&zulnr=15315 ; ergänzend österreichische Piritramid-hameln-Fachinformation.