Heparin

15.8.20. Heparin#

Spezialitäten, Markennamen

Unfraktioniertes Heparin (UFH); Präparate und Konzentrationen gemäß lokaler Arzneimittelliste.

Unfraktioniertes Heparin ist ein parenterales Antikoagulans mit raschem Wirkungseintritt bei intravenöser Gabe. Die Dosierung erfolgt in Internationalen Einheiten (IE), nicht in mg.

Wirkung
  • Verstärkung der Wirkung von Antithrombin (AT, früher AT III) auf aktivierte Gerinnungsfaktoren, insbesondere Thrombin (IIa) und Faktor Xa.

  • Zusätzlich Hemmung von IXa, XIa und XIIa über Antithrombin.

  • Bei Antithrombinmangel ist eine verminderte Heparinwirkung möglich (Heparinresistenz).

  • Keine direkte fibrinolytische Wirkung.

Indikationen
  • Prophylaxe venöser Thromboembolien bei entsprechender Indikation.

  • Therapie venöser Thromboembolien.

  • Antikoagulation bei ausgewählten akuten Koronarsyndromen und interventionellen Verfahren.

  • Antikoagulation bei extrakorporalen Verfahren nach gesondertem Protokoll.

Kontraindikationen
  • Aktive, klinisch relevante Blutung.

  • Aktuelle oder anamnestische immunvermittelte heparininduzierte Thrombozytopenie (HIT Typ II), sofern keine begründete, spezialärztlich gesteuerte Ausnahmesituation vorliegt.

  • Ausgeprägte Blutungsgefährdung, abhängig von Indikation und Fachinformation.

  • Weitere präparatespezifische Kontraindikationen gemäß Fachinformation.

Dosierung
  • Thromboembolieprophylaxe, Erwachsene: Häufig 5.000 IE s.c. alle 8—12 h; indikations- und präparatespezifische Vorgaben beachten.

  • Therapeutische Antikoagulation, Erwachsene, i.v.: Häufig gewichtsadaptierter Initialbolus von 80 IE / kg und anschließende Infusion von 18 IE / kg / h als protokollabhängiges Beispiel bei venöser Thromboembolie. Bei anderen Indikationen, erhöhtem Blutungsrisiko oder unmittelbar nach Eingriffen gelten abweichende Schemata.

  • Dosissteuerung: Anpassung anhand einer lokal validierten aPTT-Zielspanne oder Anti-Xa-Aktivität. Für therapeutisches UFH wird bei Anti-Xa-basierter Steuerung häufig 0,3—0,7 IE / ml verwendet; der Zielbereich muss zum eingesetzten Assay und zur Indikation passen.

  • Niereninsuffizienz: Keine pauschale Dosisreduktion um 25 %. Klinische Wirkung und Gerinnungsparameter kontrollieren und nach Protokoll titrieren.

  • ACS: 70–100 IE / kg i.v. bei PCI

Nebenwirkungen
  • Blutungen, einschließlich schwerer oder lebensbedrohlicher Blutungen.

  • Immunvermittelte HIT mit Thromboserisiko.

  • Hautnekrosen, insbesondere im Zusammenhang mit HIT.

  • Überempfindlichkeitsreaktionen.

  • Erhöhung von Transaminasen; bei längerer Anwendung Osteoporose und Hyperkaliämie möglich.

Pharmakodynamik
  • Bindung an Antithrombin und Beschleunigung der Inaktivierung aktivierter Gerinnungsfaktoren.

  • Die Hemmung von Thrombin erfordert ausreichend lange Heparinketten; die Anti-Xa-Wirkung ist davon weniger abhängig.

  • Wirkung nach i.v. Gabe unmittelbar; Steuerung anhand Gerinnungsmonitoring.

Pharmakokinetik
  • Bioverfügbarkeit: Nach i.v. Gabe vollständig; nach s.c. Gabe dosisabhängig und variabel.

  • Elimination: Rasche, sättigbare Bindung und Aufnahme durch Endothel- und Makrophagensystem; bei höheren Dosen zunehmend renale Elimination.

  • Halbwertszeit: Dosisabhängig, typischerweise etwa 30—150 min.

Schwangerschaft und Stillperiode
  • Schwangerschaft: UFH passiert die Plazenta nicht; bei entsprechender Indikation einsetzbar. Blutungsrisiko und HIT-Risiko beachten.

  • Stillperiode: Aufgrund der Molekülgröße kein klinisch relevanter Übergang in die Muttermilch zu erwarten; Anwendung in der Regel vereinbar.

Wechselwirkungen
  • Thrombozytenaggregationshemmer, andere Antikoagulanzien und bestimmte Analgetika: erhöhtes Blutungsrisiko.

  • Dextrane: erhöhtes Blutungsrisiko.

  • Digitalis und Tetrazykline: mögliche Abschwächung der antikoagulatorischen Wirkung; klinische Relevanz präparatespezifisch prüfen.

Antagonisierung
  • Protamin zur Neutralisation der UFH-Wirkung bei klinisch relevanter Blutung oder notwendiger rascher Aufhebung der Antikoagulation: 1 mg neutralisiert etwa 100 IE.

  • Protamin-Dosis anhand der kürzlich verabreichten Heparinmenge und der seit der Gabe verstrichenen Zeit bestimmen.

  • Protamin langsam i.v. verabreichen; Hypotonie und anaphylaktoide Reaktionen möglich.

Warnung

Heparininduzierte Thrombozytopenie Bei Verdacht auf immunvermittelte HIT Heparin einschließlich heparinhaltiger Spülungen absetzen und eine geeignete alternative Antikoagulation nach klinischer Risikobeurteilung einleiten. Die Diagnostik richtet sich nach klinischer Vortestwahrscheinlichkeit und geeigneten Labortests.