15.8.22. Lidocain#
- Spezialitäten
Xylocain™
Lidocain Aguettant™
Lidocain Baxter™
- Beschreibung
Lokalanästhetikum vom Amidtyp und Antiarrhythmikum der Klasse Ib nach Vaughan Williams.
- Wirkung
Reversible Unterbrechung der Erregungsleitung in peripheren Nerven
Unterdrückung ventrikulärer ektoper Erregungsbildung
Bei systemischer Exposition dosisabhängige zentralnervöse und kardiale Wirkungen
- Indikationen
Infiltrationsanästhesie und periphere Nervenblockaden
Intravenöse Regionalanästhesie der oberen Extremität mit geeigneter Zubereitung und Tourniquet-Technik
Vermeidung von Injektionsschmerzen, beispielsweise bei Propofolgabe
Kammerflimmern oder pulslose ventrikuläre Tachykardie bei Reanimation als Alternative zu Amiodaron nach ERC 2025
Weitere ventrikuläre Arrhythmien nach spezieller kardiologischer Indikationsstellung
- Kontraindikationen
Bekannte schwere Überempfindlichkeit gegen Lokalanästhetika vom Amidtyp
Für die intravenöse Regionalanästhesie: fehlende Möglichkeit einer sicheren Tourniquet-Anwendung
Für die antiarrhythmische systemische Anwendung: schwere kardiale Erregungsleitungsstörungen ohne geeignete Schrittmacherabsicherung als wesentliche Kontraindikation
- Dosierung
Infiltrationsanästhesie und periphere Nervenblockaden, Erwachsene: Übliche Gesamtdosis 3–5 mg / kg Für Lidocain Aguettant™ wird allgemein eine maximale Gesamtdosis von 200 mg empfohlen; höhere Dosen sind nur abhängig von Verfahren und individuellen Faktoren zu beurteilen
Infiltrationsanästhesie und periphere Nervenblockaden, Kinder ab 2 Jahren: 3–4 mg / kg für die 10-mg/mL-Zubereitung von Lidocain Aguettant™ Die 20-mg/mL-Fertigspritze dieses Präparats ist für Patienten unter 18 Jahren nicht vorgesehen
Intravenöse Regionalanästhesie der oberen Extremität, Erwachsene: 3 mg / kg, maximal 200 mg, gemäß Fachinformation Lidocain Aguettant™ Das Tourniquet frühestens 20 min nach Injektion lösen
Vermeidung von Injektionsschmerzen, Erwachsene: 10–40 mg i. v. vor der schmerzhaften Injektion, gemäß Fachinformation Lidocain Aguettant™
Reanimation bei Kammerflimmern oder pulsloser ventrikulärer Tachykardie, Erwachsene: 100 mg i. v. oder i. o. nach dem dritten Schock als Alternative zu Amiodaron Weitere 50 mg nach dem fünften Schock möglich Dieses Schema folgt den ERC-Leitlinien 2025 und ist von der Zulassung der jeweiligen Lokalanästhetikum-Zubereitung zu unterscheiden
Dosisanpassung: Bei eingeschränkter Leberfunktion oder Herzinsuffizienz kann eine Dosisreduktion um etwa 50 % erforderlich sein
- Nebenwirkungen
Periorale Parästhesien, metallischer Geschmack, Tinnitus, Schwindel und Sehstörungen als mögliche frühe Zeichen systemischer Toxizität
Krampfanfälle, Bewusstseinsverlust und Atemdepression
Bradykardie, Hypotonie, Überleitungsstörungen, ventrikuläre Arrhythmien und Herz-Kreislauf-Stillstand
Allergische Reaktionen bis zur Anaphylaxie, selten
Neurologische Komplikationen im Zusammenhang mit regionalanästhesiologischen Verfahren
- Pharmakodynamik
Lidocain blockiert spannungsabhängige Natriumkanäle und hemmt dadurch die Entstehung und Fortleitung von Aktionspotenzialen. Im Myokard wirkt es vor allem auf ventrikuläres, rasch depolarisierendes Gewebe und verkürzt die Aktionspotenzialdauer. Die systemische Toxizität betrifft insbesondere das zentrale Nervensystem und das kardiovaskuläre System.
- Pharmakokinetik
Resorption: Abhängig von Applikationsort, Gewebedurchblutung, Gesamtdosis und gegebenenfalls Vasokonstriktorzusatz
Verteilung: Plazentagängig; Übergang in die Muttermilch in geringen Mengen
Metabolismus: CYP3A4; Lidocain CYP1A2; Lidocain Überwiegend hepatisch über CYP3A4 und CYP1A2 mit Bildung teilweise pharmakologisch aktiver Metaboliten
Ausscheidung: Überwiegend renal in Form von Metaboliten
Eliminationshalbwertszeit: Bei Erwachsenen typischerweise etwa 1,5–2 h; bei eingeschränktem hepatischem Blutfluss, Leberinsuffizienz oder längerer Infusion verlängert
- Schwangerschaft und Stillperiode
Schwangerschaft: Nach individueller Nutzen-Risiko-Abwägung bei entsprechender Indikation einsetzbar Lidocain passiert die Plazenta; bei Parazervikal- oder Pudendusblockade fetale Herzfrequenz überwachen
Stillperiode: Bei Anwendung in empfohlenen Dosen kann gemäß Fachinformation Lidocain Aguettant™ weiter gestillt werden
- Anwendungshinweise
Niedrigste wirksame Dosis und Konzentration wählen
Vor regionalanästhesiologischer Injektion wiederholt aspirieren und langsam, fraktioniert injizieren
Monitoring und sofort verfügbare Reanimationsausrüstung einschließlich Behandlungsmöglichkeit einer Lokalanästhetika-Systemtoxizität sicherstellen
Bei Verdacht auf systemische Lokalanästhetikatoxizität (LAST) Injektion sofort stoppen, Atemweg und Kreislauf stabilisieren sowie frühzeitig eine intravenöse Lipidemulsion einsetzen (ASRA)
Vorsicht bei Bradykardie, kardialen Leitungsstörungen, Leber- oder Nierenfunktionsstörung und höherem Lebensalter
Bei intravenöser Regionalanästhesie Tourniquet-Sicherheit und Mindestverschlusszeit beachten
- Wechselwirkungen
Andere Lokalanästhetika und Antiarrhythmika: Additive zentralnervöse und kardiale Toxizität
Amiodaron, Cimetidin, Fluvoxamin und bestimmte β-Blocker: Erhöhung der Lidocainexposition und des Toxizitätsrisikos möglich
Enzyminduktoren, beispielsweise Carbamazepin oder Phenytoin: Beschleunigter Metabolismus mit möglicher Wirkungsabschwächung
Muskelrelaxanzien: Mögliche Verlängerung der neuromuskulären Blockade
Hypokaliämie: Verminderte antiarrhythmische Wirksamkeit möglich
Gefahr
Eine versehentliche intravasale Injektion oder Überdosierung kann eine lebensbedrohliche Lokalanästhetika-Systemtoxizität mit Krampfanfällen und Kreislaufstillstand auslösen. Die Lipidemulsionstherapie und Maßnahmen zur erweiterten Reanimation müssen unmittelbar verfügbar sein.
Siehe auch
Antiarrhythmika