Rocuronium

15.8.42. Rocuronium#

Spezialitäten, Markennamen

Esmeron®; Rocuronium-Generika.

Rocuronium ist ein rasch anschlagendes, nicht-depolarisierendes Muskelrelaxans vom Aminosteroidtyp. Es ermöglicht die endotracheale Intubation einschließlich Rapid Sequence Induction (RSI) und kann spezifisch mit Sugammadex antagonisiert werden.

Wirkung
  • Kompetitive Blockade nikotinischer Acetylcholinrezeptoren an der motorischen Endplatte.

  • Skelettmuskelrelaxation einschließlich der Atemmuskulatur, ohne hypnotische oder analgetische Wirkung.

Indikationen
  • Muskelrelaxation zur endotrachealen Intubation bei Allgemeinanästhesie.

  • Rapid Sequence Induction (RSI).

  • Intraoperative Aufrechterhaltung der Muskelrelaxation.

  • Muskelrelaxation im Rahmen der Intensivtherapie bei Erwachsenen, gemäß präparatespezifischer Fachinformation.

Kontraindikationen
  • Bekannte Überempfindlichkeit gegen Rocuronium oder Bromid bzw. weitere Bestandteile des konkreten Präparats.

Dosierung
  • Routineintubation, Erwachsene: 0,600 mg / kg i.v.

  • RSI, Erwachsene: 1,000 mg / kg i.v.

  • Erhaltungsbolus: häufig 0,150 mg / kg i.v., abhängig von der neuromuskulären Erholung.

  • Dauerinfusion: nach initialer Blockade und neuromuskulärem Monitoring titrieren; Richtwerte abhängig von Anästhesieverfahren und Fachinformation.

  • Kinder: Kleinkinder: 0,9–1,2  mg / kg i.v.; Kinder 1–5 Jahre: 0,6–0,8 mg / kg i.v.

  • Besondere Patientengruppen: bei Leber- und Gallenwegserkrankungen, Niereninsuffizienz, höherem Alter und neuromuskulären Erkrankungen Wirkung engmaschig überwachen.

Nebenwirkungen
  • Residuelle oder verlängerte neuromuskuläre Blockade und postoperative Muskelschwäche.

  • Anaphylaxie, einschließlich schwerer anaphylaktischer Reaktionen.

  • Veränderungen von Herzfrequenz und Blutdruck.

  • Schmerzen oder Reaktionen an der Injektionsstelle.

Pharmakodynamik
  • Wirkmechanismus: kompetitiver Antagonismus am nikotinischen Acetylcholinrezeptor.

  • Anschlagzeit: dosisabhängig; bei 0,600 mg / kg typischerweise etwa 1–2 min bis zu geeigneten Intubationsbedingungen.

  • Klinische Wirkdauer: nach 0,600 mg / kg häufig etwa 30–40 min; interindividuelle Variabilität.

  • RSI-Dosis: rascherer Anschlag, aber deutlich verlängerte Blockade.

  • Repetition: Wirkdauer von Dosis und Restblockade abhängig; neuromuskuläres Monitoring erforderlich.

Pharmakokinetik
  • Verteilung: überwiegend extrazellulär.

  • Elimination: vorwiegend hepatobiliär, teilweise renal.

  • Eliminationshalbwertszeit: bei Erwachsenen ungefähr 1–2 h, mit erheblicher Variabilität.

  • Organfunktionsstörung: verlängerte Wirkung insbesondere bei hepatischen bzw. biliären Erkrankungen möglich.

Schwangerschaft und Stillperiode
  • Schwangerschaft: Anwendung nach Nutzen-Risiko-Abwägung; besondere Bedingungen bei Sectio beachten.

  • Stillperiode: präparatespezifische Fachinformation beachten.

Anwendungshinweise
  • Nur bei gesicherter Beatmungsmöglichkeit und adäquater Hypnose/Analgesie anwenden.

  • Neuromuskuläre Überwachung (TOF) und quantitative Überprüfung der Erholung vor Extubation.

  • Antagonisierung: Sugammadex (Bridion®) je nach Blockadetiefe, z. B. 2 mg / kg bei Wiederkehr von T2, 4 mg / kg bei tiefer Blockade mit 1–2 Post-Tetanic Counts. Für eine sofortige Aufhebung nach hoher RSI-Dosis gelten besondere Bedingungen und eine höhere Sugammadex-Dosis (16 mg / kg).

  • Alternativ bei ausreichender spontaner Erholung Neostigmin mit Antimuskarinikum (z. B. Atropin oder Glycopyrronium).

  • Lagerung und zulässige Zeit außerhalb des Kühlschranks sind präparatespezifisch.

Wechselwirkungen
  • Inhalationsanästhetika verstärken und verlängern die neuromuskuläre Blockade.

  • Aminoglykoside, Magnesium und weitere Arzneimittel können die Blockade verstärken.

  • Neuromuskuläre Erkrankungen und Elektrolytstörungen können die Empfindlichkeit verändern.

Gefahr

Verwechslungsgefahr Esmeron® (Rocuronium) und Esmolol dürfen nicht verwechselt werden.

Warnung

Neuromuskuläre Erkrankungen Bei Myasthenia gravis, Lambert-Eaton-Syndrom und anderen neuromuskulären Erkrankungen kann eine ausgeprägte bzw. verlängerte Wirkung auftreten. Dosis individuell titrieren und quantitative neuromuskuläre Überwachung einsetzen.

Siehe auch