15.8.4. Ajmalin#
- Spezialitäten, Markennamen
Gilurytmal™ 5 mg / ml (50 mg / 10 ml)
Ajmalin ist ein Klasse-Ia-Antiarrhythmikum mit Hemmung schneller kardialer Natriumkanäle. Es verlangsamt die Erregungsausbreitung in Vorhof, Ventrikel und His-Purkinje-System.
- Wirkung
Hemmung des schnellen Natriumeinstroms (Phase 0)
Verlangsamung der intraatrialen, intraventrikulären und AV-nahen Erregungsleitung
Verlängerung von Aktionspotentialdauer und Refraktärzeit
Negativ inotrope Wirkung
- Indikationen
Anhaltende ventrikuläre Tachykardie bei stabiler Hämodynamik
Symptomatische, behandlungsbedürftige supraventrikuläre Tachykardie, insbesondere AV-junktionale Tachykardie
Ajmalintest zur Beurteilung infra-Hisärer Leitungsstörungen (nicht bei Dekompensation oder HV-Intervall > 70 ms)
FBI-Tachykardie (fast, broad, irregular), insbesondere präexzitiertes Vorhofflimmern bei akzessorischer Leitungsbahn
Brugada-Provokationstest in spezialisierten elektrophysiologischen Zentren (https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC12018878/)
- Kontraindikationen
Bradykardie < 50 / min; Sick-Sinus-Syndrom ohne Schrittmacher
AV-Block II° oder III°, vorbestehende intraventrikuläre Leitungsstörung
Erhebliche QRS-Verbreiterung oder QT-Verlängerung
Manifeste Herzinsuffizienz; hypertrophe Kardiomyopathie
LVEF < 35 % oder erste 3 Monate nach Myokardinfarkt (Ausnahme laut Fachinformation: lebensbedrohliche ventrikuläre Arrhythmien)
Digitalisintoxikation; Adam-Stokes-Anfälle
Myasthenia gravis; bakterielle Endokarditis
Tachykardie infolge kardialer Dekompensation
- Dosierung
Intravenöse Injektion, Erwachsene: 50 mg langsam i.v. unter kontinuierlicher EKG-Kontrolle; maximal 10 mg / min. Bei vorgeschädigtem Herzen 50 mg über 15—20 min. Bei Bedarf Wiederholung nach 30 min. Einzeldosen bis 1 mg / kg, maximal 100 mg, sind in der Fachinformation als vereinzelt dokumentiert, nicht als Standarddosis empfohlen.
Intravenöse Infusion bei therapierefraktären ventrikulären Tachyarrhythmien: Initial 20 mg / h, bei Bedarf bis 50 mg / h. Verdünnung auf 1 mg / ml gemäß Fachinformation.
Eingeschränkte Leberfunktion oder Leberdurchblutung: Bei Infusion gegebenenfalls 10—30 mg / h.
Kinder und Jugendliche < 18 Jahre: Anwendung mangels ausreichender Daten laut Fachinformation nicht empfohlen.
- Nebenwirkungen
QRS-Verbreiterung, PQ- und QT-Verlängerung, AV-Block, Bradykardie, Asystolie
Proarrhythmie, einschließlich Torsade de pointes und Kammerflimmern
Hypotonie, Verschlechterung einer Herzinsuffizienz
Bedrohliche Frequenzsteigerung bei Vorhofflimmern oder Vorhofflattern
Bei rascher i.v. Gabe Krampfanfälle, Parästhesien, Atemstillstand
Übelkeit, Erbrechen, Diarrhoe
Transaminasenanstieg, Cholestase und weitere Leberschädigungen
Seltene hämatologische und immunologische Reaktionen
- Pharmakodynamik
Natriumkanalblockade: Verminderte Phase-0-Depolarisationsgeschwindigkeit und verlangsamte Erregungsleitung.
EKG: Verlängerung von PQ-Zeit, QRS-Dauer und QT-Zeit.
Myokard: Negativ inotrop.
- Pharmakokinetik
Verteilung: Verteilungsvolumen etwa 3 L / kg; Proteinbindung etwa 75 %.
Metabolismus: Überwiegend hepatisch, unter anderem über CYP2D6; langsame Metabolisierer möglich.
Elimination: Vorwiegend hepatisch; etwa 4—5 % unverändert renal.
Halbwertszeit: Verteilungsphase etwa 6 min, Eliminationsphase etwa 95 min.
- Schwangerschaft und Stillperiode
Schwangerschaft: Anwendung laut Fachinformation nicht empfohlen.
Stillperiode: Anwendung laut Fachinformation nicht empfohlen; Daten zum Übergang in Muttermilch fehlen.
- Wechselwirkungen
Andere Antiarrhythmika, Betablocker und Calciumantagonisten: additive Leitungshemmung und negative Inotropie.
Andere Klasse-I-Antiarrhythmika: Kombination vermeiden.
QT-verlängernde Medikamente: erhöhtes Risiko ventrikulärer Arrhythmien.
Chinidin: erhöhte Ajmalin-Plasmakonzentration.
Digitalis: Verstärkung von Erregungsleitungsstörungen.
CYP-Induktoren: verminderte Ajmalin-Konzentration; CYP2D6-Substrate und -Inhibitoren: mögliche Wechselwirkungen.
Nichtdepolarisierende Muskelrelaxanzien: mögliche Wirkungsverstärkung.
Warnung
Kontinuierliche EKG- und Blutdrucküberwachung; Reanimationsbereitschaft. Injektion abbrechen bei QRS- oder QT-Verlängerung > 25 %, PQ-Verlängerung > 50 %, QT > 500 ms oder zunehmender Arrhythmie.
Warnung
Gilurytmal® und Furosemid i.v. nicht mischen (Ausfällungsgefahr). Auch bei alkalischen Lösungen, insbesondere Natriumhydrogencarbonat, auf mögliche Inkompatibilität achten.