Cisatracurium

15.8.7. Cisatracurium#

Spezialitäten, Markennamen

Nimbex™; Cisatracurium-Generika

Cisatracurium ist ein mittellang wirksames, nicht-depolarisierendes Muskelrelaxans aus der Benzylisochinolin-Gruppe. Die Elimination erfolgt überwiegend organunabhängig durch Hofmann-Elimination; daher besonders bei Nieren- und Leberinsuffizienz geeignet.

Wirkung
  • Kompetitive neuromuskuläre Blockade ohne Sedierung oder Analgesie

  • Kaum Histaminfreisetzung im Vergleich zu Atracurium

Indikationen
  • Muskelrelaxation bei Allgemeinanästhesie und endotrachealer Intubation

  • Muskelrelaxation bei mechanischer Beatmung auf der Intensivstation (Erwachsene)

  • Insbesondere geeignet bei eingeschränkter Nieren- oder Leberfunktion

Kontraindikationen
  • Bekannte Überempfindlichkeit auch gegen Atracurium oder Benzolsulfonsäure

  • Neuromuskuläre Erkrankungen (relativ)

Dosierung

Richtwerte, tatsächliche Dosierung abhängig von Muskelmasse

  • Intubation, Erwachsene: 0,150 mg / kg i.v. gemäß Nimbex-Fachinformation; 0,200 mg / kg i.v. als höhere Dosis mit kürzerer Anschlagzeit.

  • Repition: 0,03 mg / kg für weitere 20 min Wirkung

  • Intubation, Kinder 1 Monat bis 12 Jahre: 0,150 mg / kg i.v.

  • Nieren- und Leberinsuffizienz: Im Regelfall keine Dosisanpassung erforderlich; Anschlagzeit kann verändert sein.

Nebenwirkungen
  • Anaphylaktische Reaktionen, selten schwere Überempfindlichkeitsreaktionen

  • Bradykardie, Hypotonie

  • Residuelle neuromuskuläre Blockade

Pharmakodynamik
  • Wirkmechanismus: Kompetitiver Antagonismus an nikotinischen Acetylcholinrezeptoren der motorischen Endplatte.

  • Anschlagzeit: Bei 0,150 mg / kg etwa 2—4 min; abhängig von Dosis und Anästhesieverfahren.

  • Wirkdauer: Nach 0,150 mg / kg etwa 55 min bis zur 25%igen T1-Erholung. Höhere Dosen verlängern die Wirkdauer.

Pharmakokinetik
  • Abbau: Überwiegend temperatur- und pH-abhängige Hofmann-Elimination. Metaboliten werden renal und hepatisch ausgeschieden.

  • Nieren- und Leberinsuffizienz: Neuromuskuläre Blockade weitgehend unabhängig von der Organfunktion; Metabolitenelimination kann verzögert sein.

Schwangerschaft und Stillperiode
  • Schwangerschaft: Risiko unbekannt

  • Stillperiode: 3 h Stillpause

Anwendungshinweise
  • Nur unter gesicherter Möglichkeit zur Beatmung und unter neuromuskulärem Monitoring (TOF).

  • Ausreichende Sedierung und Analgesie sicherstellen; Cisatracurium hat keine hypnotische Wirkung.

  • Nicht mit Propofol-Emulsion oder alkalischen Lösungen in derselben Spritze mischen.

  • Lagerung: 2—8 °C, lichtgeschützt; nicht einfrieren.

  • Reversierung einer neuromuskulären Restblockade mit Cholinesterasehemmern möglich (nicht Sugammadex).

Wechselwirkungen
  • Inhalationsanästhetika können die neuromuskuläre Blockade verstärken und verlängern.

  • Andere neuromuskulär blockierende Arzneimittel und bestimmte Antibiotika können die Blockade verstärken.