15.8.33. Paracetamol#
- Spezialitäten
Perfalgan™
Paracetamol B. Braun™ 10 mg / mL Infusionslösung
Paracetamol Kabi™ 10 mg / mL Infusionslösung
- Beschreibung
Nichtopioides Analgetikum und Antipyretikum aus der Gruppe der Anilide.
- Wirkung
Analgetisch bei leichten bis mäßig starken Schmerzen
Antipyretisch
Keine klinisch relevante periphere antiphlogistische Wirkung
Keine klinisch relevante Hemmung der Thrombozytenaggregation in therapeutischer Dosierung
- Indikationen
Leichte bis mäßig starke Schmerzen
Fieber
Intravenöse Anwendung: Kurzzeitbehandlung mäßig starker Schmerzen, insbesondere nach Operationen, und von Fieber, wenn eine intravenöse Therapie klinisch erforderlich ist oder andere Applikationswege nicht möglich sind
- Kontraindikationen
Schwere hepatozelluläre Insuffizienz
Überempfindlichkeit gegen Paracetamol oder Propacetamol
- Dosierung
Die folgende parenterale Dosierung gilt für Paracetamol 10 mg / mL als intravenöse Infusion über 15 min. Die Tageshöchstdosen umfassen sämtliche gleichzeitig verabreichten paracetamolhaltigen Präparate.
Körpergewicht |
Einzeldosis |
Volumen |
Tageshöchstdosis |
|---|---|---|---|
≤ 10 kg (reife Neugeborene und Säuglinge) |
7,5 mg / kg |
0,75 mL / kg |
30 mg / kg |
|
15 mg / kg |
1,5 mL / kg |
60 mg / kg, maximal 2.000 mg |
|
15 mg / kg |
1,5 mL / kg |
60 mg / kg, maximal 3.000 mg |
|
1.000 mg |
100 mL |
3.000 mg |
|
1.000 mg |
100 mL |
4.000 mg |
- Dosierungsintervalle
Mindestens 4 h zwischen zwei intravenösen Gaben
Bei schwerer Niereninsuffizienz (Kreatinin-Clearance ≤ 30 mL / min) mindestens 6 h; Dosisreduktion empfohlen
Maximal vier Gaben innerhalb von 24 h
Für Frühgeborene liegen für die genannte intravenöse Zubereitung keine ausreichenden Sicherheits- und Wirksamkeitsdaten vor
Rektale und orale Dosierungen sind darreichungsform- und altersabhängig; die Dosierungen der intravenösen Zubereitung dürfen nicht ungeprüft auf Suppositorien übertragen werden
- Nebenwirkungen
Selten Hypotonie bei intravenöser Gabe
Selten erhöhte Lebertransaminasen
Sehr selten Anaphylaxie, schwere Hautreaktionen und Blutbildveränderungen
Hepatotoxizität bis zum akuten Leberversagen bei Überdosierung
Selten metabolische Azidose mit vergrößerter Anionenlücke infolge Pyroglutaminsäure-Azidose bei entsprechenden Risikofaktoren
- Pharmakodynamik
Der genaue Mechanismus der analgetischen und antipyretischen Wirkung ist nicht vollständig geklärt. Zentrale und periphere Mechanismen werden diskutiert. Nach intravenöser Gabe setzt die Analgesie innerhalb von etwa 5–10 min ein, erreicht ihr Maximum innerhalb einer Stunde und hält meist 4–6 h an. Die antipyretische Wirkung beginnt innerhalb von etwa 30 min und hält mindestens 6 h an.
- Pharmakokinetik
Verteilung: Verteilungsvolumen etwa 1 L / kg; geringe Plasmaproteinbindung
Metabolismus: Überwiegend hepatische Glukuronidierung und Sulfatierung. Ein kleiner Anteil wird durch Cytochrom-P450-Enzyme zu N-Acetyl-p-benzochinonimin (NAPQI) umgesetzt und normalerweise durch Glutathion entgiftet.
Ausscheidung: Überwiegend renal als konjugierte Metaboliten
Eliminationshalbwertszeit: Bei Erwachsenen etwa 2,7 h, bei Neugeborenen etwa 3,5 h
- Schwangerschaft und Stillperiode
Schwangerschaft: Bei klinischer Notwendigkeit in der niedrigsten wirksamen Dosis, so kurz und selten wie möglich anwendbar. Die Daten zur kindlichen Neuroentwicklung nach intrauteriner Exposition sind nicht eindeutig.
Stillperiode: Geringer Übergang in die Muttermilch; Anwendung während der Stillzeit möglich
- Anwendungshinweise
Intravenöse Infusion über 15 min
Bei ≤ 10 kg das benötigte Volumen exakt abmessen; gegebenenfalls gemäß Fachinformation verdünnen
Bei Lebererkrankung, Alkoholismus, Mangelernährung oder Dehydratation Tageshöchstdosis reduzieren
Bei Glukose-6-Phosphat-Dehydrogenase-Mangel auf mögliche Hämolyse achten; keine generelle absolute Kontraindikation
Bei Verdacht auf Überdosierung umgehend toxikologische Abklärung, Bestimmung der Paracetamolkonzentration und gegebenenfalls Behandlung mit N-Acetylcystein
- Wechselwirkungen
Probenecid: Verminderte Paracetamol-Clearance; Dosisreduktion erwägen
Orale Antikoagulanzien: Bei wiederholten hohen Tagesdosen mögliche INR-Veränderungen
Flucloxacillin: Erhöhtes Risiko einer Pyroglutaminsäure-Azidose bei disponierten Patienten
Enzyminduzierende Arzneimittel: Erhöhtes Risiko hepatotoxischer Metaboliten bei Überdosierung
Gefahr
Bei intravenösem Paracetamol 10 mg / mL kann die Verwechslung von mg und mL zu einer zehnfachen Überdosierung führen. Verordnung und Verabreichung müssen sowohl die Wirkstoffmenge in mg als auch das entsprechende Volumen in mL ausweisen.
Warnung
Eine Paracetamolintoxikation kann initial asymptomatisch verlaufen. Die Behandlung mit N-Acetylcystein richtet sich nach Einnahmezeitpunkt, Serumkonzentration, Expositionsform und toxikologischem Behandlungsschema; bei Verdacht auf relevante Überdosierung nicht auf klinische Zeichen einer Leberschädigung warten.