15.8.39. Protamin#
- Spezialitäten
Protamin Meda™ 1.000 IE / mL Injektionslösung Eine Ampulle zu 5 mL enthält 50 mg (5.000 IE) Protaminhydrochlorid
- Beschreibung
Stark basisches Polypeptid zur Antagonisierung von Heparin.
- Wirkung
Rasche Aufhebung der gerinnungshemmenden Wirkung von unfraktioniertem Heparin
Nur teilweise Aufhebung der Antikoagulation durch niedermolekulare Heparine, insbesondere der Anti-Faktor-Xa-Wirkung
Bei Überdosierung eigenständige gerinnungshemmende Wirkung
- Indikationen
Schwere Blutungen unter unfraktioniertem Heparin nach intravenöser oder subkutaner Anwendung
Heparinantagonisierung nach extrakorporaler Zirkulation, insbesondere nach Herzoperationen und Hämodialyse
Ausgewählte schwere Blutungen unter niedermolekularen Heparinen bei nur partieller Antagonisierbarkeit
- Kontraindikationen
Bekannte Überempfindlichkeit gegen Protamin oder Bestandteile des Präparats
Frühere Protaminexposition, Behandlung mit protaminhaltigem Insulin, Fischeiweißallergie und Zustand nach Vasektomie sind Risikofaktoren für Überempfindlichkeitsreaktionen.
- Dosierung
Unfraktioniertes Heparin: 1.000 IE Protaminhydrochlorid (10 mg bzw. 1 mL Protamin Meda™) neutralisieren in vitro etwa 1.000 IE unfraktioniertes Heparin Die tatsächlich erforderliche Dosis richtet sich nach noch wirksamer Heparinmenge, Zeit seit der Gabe und Gerinnungsbefunden. Als allgemeine Richtlinie bei heparinbedingter Blutung nennt die österreichische Fachinformation 50 % der zuletzt applizierten Heparindosis, jeweils in IE.
Unbekannte Heparinkonzentration: Initial höchstens 1 mL (10 mg bzw. 1.000 IE) Protaminhydrochlorid langsam i. v.; weitere Gabe nach Gerinnungsbefund
Nach extrakorporaler Zirkulation: Individuelle Titration anhand wiederholter Gerinnungsmessungen, insbesondere der ACT
Niedermolekulare Heparine: Präparatespezifische Antagonisierung; z. B. 1 mg Protamin pro 1 mg Enoxaparin innerhalb von 8 h, danach 0,5 mg. Die Anti-Faktor-IIa-Aktivität ist weitgehend, die Anti-Faktor-Xa-Aktivität nur teilweise neutralisierbar.
Applikation: Ausschließlich langsam intravenös als Injektion über 1–3 min oder als verdünnte langsame Infusion Höchstens 5 mL (50 mg bzw. 5.000 IE) innerhalb von 10 min
Kinder: Unzureichende Daten für eine allgemeine Dosierungsempfehlung
Zeit nach Heparin-i. v.-Gabe |
Anteil der ursprünglichen Protamin-Dosis |
|---|---|
Unmittelbar |
100 % |
Nach 60 min |
50 % |
Nach 120 min |
25 % |
- Nebenwirkungen
Hypotonie, gelegentlich schwere Kreislaufdepression
Bradykardie, Flush, Wärmegefühl, Übelkeit und Erbrechen
Anaphylaktische oder anaphylaktoide Reaktionen bis zum Schock und Herzstillstand
Bronchospasmus, Dyspnoe
Pulmonal-arterielle Hypertonie bis zum Rechtsherzversagen
Blutungsverstärkung bei Protaminüberschuss
- Pharmakodynamik
Das positiv geladene Protamin bildet mit dem negativ geladenen Heparin einen Komplex, wodurch dessen gerinnungshemmende Wirkung aufgehoben wird. Die Wirkung tritt nach intravenöser Gabe innerhalb weniger Minuten ein. Bei niedermolekularen Heparinen bleibt eine relevante Anti-Faktor-Xa-Restaktivität möglich.
- Pharmakokinetik
Metabolismus: Enzymatische Inaktivierung im Plasma; der Protamin-Heparin-Komplex kann dabei teilweise zerfallen
Ausscheidung: Überwiegend renal, in geringerem Umfang hepatisch und biliär
Halbwertszeit: Etwa 24 min für den Protamin-Heparin-Komplex nach intravenöser Gabe
- Schwangerschaft und Stillperiode
Schwangerschaft: Nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung; ausreichende klinische Daten fehlen
Stillperiode: Der Übergang in die Muttermilch ist nicht bekannt. Die österreichische Fachinformation empfiehlt bei zwingend erforderlicher Anwendung abzustillen.
- Anwendungshinweise
Vor Gabe Heparinapplikation bei schwerer Blutung unterbrechen
Engmaschige Kreislaufüberwachung und sofortige Behandlungsmöglichkeit einer Anaphylaxie sicherstellen
Gerinnungskontrolle mittels aPTT oder Thrombinzeit 5–15 min nach Gabe; nach Herzoperationen auch ACT
Bei subkutaner Heparingabe wegen verzögerter Resorption gegebenenfalls wiederholte Protamingabe erforderlich
Protaminüberschuss vermeiden, da dieser selbst Blutungen verstärken kann
Verdünnung vorzugsweise mit 100–200 mL physiologischer Kochsalzlösung; unmittelbar nach Herstellung verwenden
Nicht über 25 °C lagern und vor Licht schützen
- Wechselwirkungen
Heparin: Gewünschte Neutralisation durch Komplexbildung
Cefazolin, andere Antibiotika und Röntgenkontrastmittel: Nicht gemeinsam über denselben Zugang mischen, da Ausfällungen auftreten können
Gefahr
Eine zu rasche Protamingabe kann schwere Hypotonie, anaphylaktische Reaktionen und pulmonale Vasokonstriktion auslösen. Die Gabe muss unter kontinuierlicher hämodynamischer Überwachung mit unmittelbar verfügbarer Reanimationsausrüstung erfolgen.
Siehe auch