Dobutamin

15.8.11. Dobutamin#

Spezialitäten, Markennamen

Dobutamin „Pharmaselect“™, Dobutamin-hameln™

Dobutamin ist ein kurzwirksames, intravenös verabreichtes Katecholamin mit überwiegend positiv inotroper Wirkung. Es steigert das Schlagvolumen und das Herzzeitvolumen (HZV, CO), kann aber auch Herzfrequenz und myokardialen Sauerstoffverbrauch erhöhen.

Wirkung
  • Positive Inotropie und Lusitropie über β₁-Rezeptoren

  • Variable positive Chronotropie und Dromotropie

  • β₂-vermittelte Vasodilatation mit möglicher Abnahme des systemischen Gefäßwiderstands

  • Geringe α₁-vermittelte Vasokonstriktion, insbesondere unter β-Rezeptorblockade

Indikationen
  • Akute kardiale Pumpfunktionsstörung mit niedrigem Herzzeitvolumen und klinischen Zeichen der Minderperfusion

  • Kardiogener Schock mit vermindertem Herzzeitvolumen, gegebenenfalls in Kombination mit einem Vasopressor bei Hypotonie

  • Kurzfristige inotrope Unterstützung bei kardialer Dekompensation oder nach kardiochirurgischen Eingriffen

  • Dobutamin-Stressechokardiographie zur Ischämie- oder Vitalitätsdiagnostik unter entsprechenden Überwachungsbedingungen

Kontraindikationen
  • Mechanische Behinderung der Ventrikelfüllung oder des Ventrikelausflusses, insbesondere Perikardtamponade, konstriktive Perikarditis, hypertrophe obstruktive Kardiomyopathie oder schwere Aortenstenose

  • Nicht beherrschbare Tachyarrhythmien

  • Phäochromozytom

  • Präparatespezifische Überempfindlichkeit gegen Sulfite bei sulfithaltigen Zubereitungen

Für die diagnostische Stressechokardiographie gelten zusätzliche Kontraindikationen, unter anderem akutes Koronarsyndrom, relevante Rhythmusstörungen und Aortendissektion.

Dosierung
  • Erwachsene, kontinuierliche intravenöse Infusion: Beginn mit 0,0025 mg / kg / min, individuell nach hämodynamischer Wirkung titrieren Üblicher Bereich 0,0025–0,010 mg / kg / min In Einzelfällen bis 0,040 mg / kg / min

  • Kinder und Jugendliche: In der österreichischen Fachinformation beschriebener Bereich 0,001–0,015 mg / kg / min Engmaschige individuelle Titration; Nebenwirkungen, insbesondere Tachykardien, bereits ab 0,0075 mg / kg / min gehäuft

  • Stressechokardiographie: Eigenständiges diagnostisches Titrationsschema unter kontinuierlichem EKG- und Blutdruckmonitoring

  • Absetzen: Infusionsrate schrittweise reduzieren

Nebenwirkungen
  • Tachykardie, supraventrikuläre und ventrikuläre Arrhythmien

  • Myokardischämie, Angina pectoris und erhöhter myokardialer Sauerstoffbedarf

  • Hypertonie oder Hypotonie

  • Hypokaliämie

  • Palpitationen, Kopfschmerzen, Tremor, Übelkeit

  • Phlebitis an der Infusionsstelle, selten Gewebeschäden nach Paravasat

  • Toleranzentwicklung bei längerer Infusionsdauer, insbesondere über 72 h

Pharmakodynamik

Die positiv inotrope Wirkung beruht vorwiegend auf der Aktivierung kardialer β₁-Adrenozeptoren. β₂- und α₁-Effekte beeinflussen den peripheren Gefäßwiderstand. Ein Anstieg der Herzfrequenz oder des arteriellen Blutdrucks kann den myokardialen Sauerstoffverbrauch deutlich erhöhen.

Pharmakokinetik
  • Wirkungseintritt: Innerhalb von 1–2 min

  • Steady State: Nach etwa 10–12 min bei konstanter Infusionsrate

  • Eliminationshalbwertszeit: Etwa 2–3 min

  • Metabolismus: Überwiegend in Geweben und Leber durch Methylierung und Konjugation zu unter anderem inaktivem 3-O-Methyldobutamin

  • Ausscheidung: Metaboliten überwiegend renal, in geringerem Umfang biliär

Schwangerschaft und Stillperiode
  • Schwangerschaft: Nur bei zwingender Indikation, wenn keine risikoärmere Behandlung zur Verfügung steht

  • Stillperiode: Stillen während der Behandlung unterbrechen

Anwendungshinweise
  • Ausschließlich als kontinuierliche intravenöse Infusion mittels geeigneter Infusionspumpe verabreichen

  • Vor Beginn einen relevanten Volumenmangel korrigieren

  • Kontinuierliches EKG- und Blutdruckmonitoring sowie Überwachung von Diurese und Infusionsrate

  • Wenn möglich zusätzlich Herzzeitvolumen und kardiale Füllungsdrücke beurteilen

  • Serumkalium und gegebenenfalls Blutzucker kontrollieren

  • Bei persistierender Hypotonie trotz ausreichender Füllung und Inotropie gegebenenfalls zusätzliche Vasopressortherapie, beispielsweise mit Noradrenalin

  • Nicht mit Natriumhydrogencarbonat oder anderen alkalischen Lösungen mischen

  • Licht- und Lagerungsbedingungen entsprechend der verwendeten Zubereitung beachten

Wechselwirkungen
  • β-Rezeptorblocker: Abschwächung der Inotropie; mögliches Überwiegen α-adrenerger Vasokonstriktion mit Blutdruckanstieg

  • α-Rezeptorblocker: Verstärkte Vasodilatation und Tachykardie

  • MAO-Hemmer: Gefahr ausgeprägter sympathomimetischer Reaktionen bis zu hypertensiven Krisen und Arrhythmien; gleichzeitige Anwendung vermeiden

  • Inhalationsanästhetika: Erhöhtes Risiko ventrikulärer Arrhythmien bei bestimmten Wirkstoffen

Warnung

Bei vorbestehender koronarer Herzkrankheit kann eine ausgeprägte Tachykardie oder Blutdrucksteigerung eine Myokardischämie auslösen. Dobutamin ist bei mechanischer Ausflussbehinderung keine geeignete Behandlung des verminderten Herzzeitvolumens.

Siehe auch

  • Katecholamine